Der Versicherungsvertrieb benötigt, wie jedes andere Unternehmen auch, Neugeschäft. Nun kann ein Einzelhändler ohne Weiteres im Verkaufsgespräch seinem Kunden einen Preisnachlass einräumen. Bei Versicherungen ist dies im Privatkundengeschäft nicht so einfach möglich. Daher versuchen die Assekuranzen durch den sogenannten Bündelnachlass die Kunden zu Neuabschlüssen oder dem Wechsel von einem anderen Versicherer zu motivieren.

Inhalt dieser Seite
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Bündelnachlass: Je mehr, desto günstiger
  3. Verträge bleiben rechtlich selbstständig
  4. Lohnt sich der Bündelrabatt?
  5. Die Laufzeitfalle beim Bündelnachlass
  6. Was passiert im Schadensfall?
  7. Verwandte Themen
  8. Weiterführende Links
  9. Hausratversicherungen vergleichen

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Argument für den Vertrieb gegenüber dem Kunden lautet, je mehr Verträge er bei einem Unternehmen zeichnet, um so preiswerter wird die Gesamtsumme.
  • Der Versicherungsvergleich des unabhängigen Verbraucherportals Verivox.de belegt, dass die Bandbreite in den Prämien sehr weit ausfällt.
  • Sowohl dem Versicherungsnehmer als auch dem Versicherer steht es zu, nach Eintritt eines Schadensfalls den Vertrag zu kündigen, da der Vertragsinhalt erfüllt war.

Bündelnachlass: Je mehr, desto günstiger

Das Argument für den Vertrieb gegenüber dem Kunden lautet, je mehr Verträge er bei einem Unternehmen zeichnet, um so preiswerter wird die Gesamtsumme. Bei vielen Gesellschaften bezieht sich dies aber nur auf das sogenannte Sachgeschäft.

Dazu zählen KFZ-, Hausrat-, Glas-, Haftpflicht- und Unfallversicherung. Einige Versicherer berücksichtigen jedoch auch noch Lebens- oder Rentenversicherungen und Rechtsschutzverträge.

Der Bündelnachlass fällt von Gesellschaft zu Gesellschaft unterschiedlich aus, ist teilweise auch in seiner Höhe von der Anzahl der Verträge her gestaffelt. In der Regel bewegt er sich pro Vertrag zwischen drei und fünf Prozent auf die Einzelprämie.

Verträge bleiben rechtlich selbstständig

Es darf nicht vergessen werden, dass hier keine „Versicherungspakete“ abgeschlossen werden, sondern jeder Vertrag für sich rechtlich selbstständig ist. Bei einer Unfallversicherung, auch wenn sie als Sachgeschäft gilt, handelt es sich um eine Personenversicherung. Aus diesem Grund müssen Unfallversicherungen über eigenständige Gesellschaften, beispielsweise die XY Unfallversicherung AG im Rahmen des XY-Konzerns aufgelegt werden.

Lohnt sich der Bündelrabatt?

Was auf den ersten Blick lukrativ klingt, sollte aber genau geprüft werden. Der Versicherungsvergleich des unabhängigen Verbraucherportals Verivox.de belegt, dass die Bandbreite in den Prämien sehr weit ausfällt.

Was hilft es, wenn die Privathaftpflicht mit maximalem Bündelrabatt von 20 Prozent statt 120 Euro nur noch 96 Euro bei einer Gesellschaft kostet, wenn ein anderer Anbieter lediglich 70 Euro verlangt? Es verlangt ein wenig Rechenarbeit, wenn sich Verbraucher komplett privat absichern möchten – das spart aber auf lange Sicht ein kleines Vermögen. Auf der anderen Seite sind die Zeiten in denen Verbraucher Stunde um Stunde mit den verschiedenen Versicherungsvertretern verbringen mussten erfreulicherweise vorbei.

Onlinevergleiche lassen die Gegenüberstellung der unterschiedlichen Anbieter in aller Ruhe am heimischen Computer zu.

Die Laufzeitfalle beim Bündelnachlass

Es war Mitte der achtziger Jahre, als der Bundesgerichtshof die damals noch weit verbreiteten Verträge mit einer Laufzeit von zehn Jahren als sittenwidrig erklärte. Dennoch wurden diese Verträge bis vor wenigen Jahren immer noch von einigen Versicherern angeboten. Das Argument gegenüber dem Kunden war der Preisvorteil.

Eine Vertragslaufzeit von zehn Jahren wurde mit einem zehnprozentigen Preisnachlass honoriert. Das Versicherungsvertragsgesetz sieht inzwischen vor, dass Verträge mit einer Laufzeit von fünf Jahren, welche durchaus noch zulässig ist, nach Ablauf des dritten Versicherungsjahres vom Versicherungsnehmer gekündigt werden können. Für diese Vertragsdauer räumen die Assekuranzen noch einen Nachlass in Höhe von fünf Prozent gegenüber der Prämie für Verträge mit einjähriger Laufzeit ein. Dies klingt auf den ersten Blick auch wieder verlockend, aber:

Interessanterweise sind es die Gesellschaften mit den günstigsten Prämien, die von sich aus generell auf mehrjährige Vertragsdauern als Rabattköder verzichten. Sie beschränken sich auf Policen mit einjähriger Laufzeit, welche sich stillschweigend verlängern.

Was passiert im Schadensfall?

Versicherer kalkulieren betriebswirtschaftlich. Sowohl dem Versicherungsnehmer als auch dem Versicherer steht es zu, nach Eintritt eines Schadensfalls den Vertrag zu kündigen, da der Vertragsinhalt erfüllt war. Es ist nicht auszuschließen, dass ein Versicherer das Gesamtprämienaufkommen eines Kunden betrachtet, um zu entscheiden, ob er den Vertrag fortführt oder nicht. Eine Privathaftpflicht allein mit einer Prämie von 60 Euro im Jahr wird sich nach einem Schaden in Höhe von 10.000 Euro nie mehr amortisieren.

Anders verhält es sich, wenn der Versicherungsnehmer über die Sparten verteilt ein Prämienaufkommen von 1.000 Euro jährlich entrichtet. Eine Bündelung der Verträge bei einer Gesellschaft kann durchaus sinnvoll sein, am Anfang sollte jedoch neben dem Prämien- auch der Leistungsvergleich der einzelnen Policen stehen.

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