Der Begriff Quotelung stammt aus dem Versicherungsrecht. Er sieht vor, dass Versicherer unter bestimmten Voraussetzungen die Leistung kürzen können oder von der Leistungspflicht vollständig befreit sind. Wann kann die Quotelung greifen und bei welchen Versicherungen kommt sie vor?

Inhalt dieser Seite
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Bei welchen Versicherungen kann es zu einer Quotelung kommen?
  3. Was passiert bei einer Quotierung?
  4. Was ist, wenn die Quotelung unfair erscheint?
  5. Verwandte Themen
  6. Weiterführende Links
  7. Hausratversicherungen vergleichen

Das Wichtigste in Kürze

  • Quotelung, auch Quotierung genannt, bedeutet, dass der Versicherer die Leistung nach einem Schadensfall kürzen kann.
  • Ursache für eine Quotelung ist immer eine Obliegenheitsverletzung durch den Versicherungsnehmer.
  • Viele Versicherer schließen allerdings inzwischen die „Einrede der groben Fahrlässigkeit“ in ihren Policen aus.
  • Kommt es zu einer Quotelung, kann sich der Versicherungsnehmer dagegen juristisch wehren.

Bei welchen Versicherungen kann es zu einer Quotelung kommen?

Grundsätzlich kann ein Versicherer immer eine Quotierung der Leistung aus einem Versicherungsvertrag vornehmen, wenn der Versicherungsnehmer gegen die Obliegenheitspflicht verstoßen hat. In der Regel betrifft dies aber Verträge aus den Sparten

Eine Obliegenheitsverletzung kann sein, dass der Versicherungsnehmer die vorvertragliche Anzeigepflicht verletzte. Übersetzt heißt dies, dass es zwischen dem Abschluss der Police und dem eigentlichen Vertragsbeginn zu einer Veränderung des versicherten Risikos kam. Zieht der Versicherungsnehmer in diesem Zeitraum beispielsweise im selben Haus vom zweiten Stock in das Erdgeschoss, bekommt der Versicherer dies nicht mit. Allerdings ist das Einbruchsrisiko im Erdgeschoss höher. Der Versicherungsnehmer hätte den Umzug dem Versicherer anzeigen müssen.

Ein anderer Umstand, der eine Quotelung im Schadensfall zulässt, beschreibt Paragraf 28, Abs. 2, Versicherungsvertragsgesetz (VVG):

„Im Fall einer grob fahrlässigen Verletzung der Obliegenheit ist der Versicherer berechtigt, seine Leistung in einem der Schwere des Verschuldens des Versicherungsnehmers entsprechenden Verhältnis zu kürzen; …“

Die grobe Fahrlässigkeit ist der Punkt, an dem eine Quotierung am häufigsten auftritt. Wer beispielsweise eine Kerze anzündet, das Fenster offen stehen lässt und aus dem Zimmer geht, handelt grob fahrlässig. Fällt die Kerze um und es kommt zu einem Brand, besteht nicht zwingend Versicherungsschutz. Ausnahme ist, dass der Versicherer in seinem Bedingungswerk ausdrücklich darauf verweist, dass auch Schäden durch grobe Fahrlässigkeit versichert sind.

Was versteht man unter grober Fahrlässigkeit?

Der Begriff „grobe Fahrlässigkeit“ ist in keinem Gesetz definiert. Allerdings regelt das BGB in Paragraf 277, wann von grober Fahrlässigkeit auszugehen ist: „Wer nur für diejenige Sorgfalt einzustehen hat, welche er in eigenen Angelegenheiten anzuwenden pflegt, ist von der Haftung wegen grober Fahrlässigkeit nicht befreit.“

Als grob fahrlässig bezeichnet die Rechtssprechung, wenn ein Verursacher eine Handlung begeht, von der er bereits im Vorfeld annehmen muss, dass dadurch ein Schaden entsteht.

Grobe Fahrlässigkeit spielt auch in der Kfz-Haftpflichtversicherung eine Rolle. Fährt ein Autofahrer über eine rote Ampel, muss er damit rechnen, dass er einen anderen Verkehrsteilnehmer schädigt. Er handelt grob fahrlässig. Wartet er allerdings, bis ein Fußgänger die Straße überquert, und fährt dann los, war es Vorsatz. Viele Kfz-Versicherungen schließen grobe Fahrlässigkeit ein. Vorsatz ist jedoch bei allen Versicherungssparten als Leistungsgrund ausgeschlossen.

Geht der Schadensverursacher jedoch davon aus, dass sein pflichtwidriges Verhalten keine Folgen haben wird, ist die Rede von leichter oder unbewusster Fahrlässigkeit.

Was passiert bei einer Quotierung?

Schließt der Versicherungsvertrag den Verzicht auf die Einrede der groben Fahrlässigkeit nicht von vorneherein aus, prüft der Versicherer, ob den Versicherungsnehmer ein Mitverschulden im Rahmen der groben Fahrlässigkeit trifft. Entsprechend der Schwere des Mitverschuldens fällt dann die Leistungsquote aus. Mit dem Auto über eine rote Ampel zu fahren, wiegt schwerer, als bei offenem Fenster und brennender Kerze kurz den Raum zu verlassen.

Die Versicherungswirtschaft geht allerdings nicht grundsätzlich so weit, dass in einem Fall eine Quotierung von zehn Prozent vorsieht, in einem anderen Fall eine Quotierung von 63 Prozent. In der Regel orientiert sich die Quotelung an drei Stufen:

  • 25 Prozent bei leichter grober Fahrlässigkeit
  • 50 Prozent bei normaler grober Fahrlässigkeit und
  • 75 Prozent bei schwerer grober Fahrlässigkeit

Was ist, wenn die Quotelung unfair erscheint?

Paragraf 28, Abs. 2 VVG sieht vor, dass der Versicherungsnehmer bei teilweiser oder vollständiger Leistungsverweigerung durch den Versicherer den Nachweis erbringen muss, dass keine Obliegenheitsverletzung vorlag. Versicherungsnehmer müssen den Regulierungsvorschlag nicht wortlos hinnehmen, sondern können durchaus Schritte dagegen einleiten. Eine Möglichkeit besteht darin, den Ombudsmann der Versicherungswirtschaft einzuschalten. Eine andere wäre es, gleich einen Sachverständigen und einen Rechtsanwalt einzuschalten.

Ein Blick in den Versicherungsvergleich zeigt im Bedingungswerk der einzelnen Versicherer, wie es um den Einschluss der groben Fahrlässigkeit bestellt ist.

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