KfW 40, KfW 55, KfW 70: Die wichtigsten Effizienzhaus-Standards im Überblick

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Das Wichtigste in Kürze

  • Der KfW-Effizienzhaus-Standard ist ein Maß für die energetischen Eigenschaften des Hauses.
  • Insgesamt gibt es neun unterschiedliche Förderstandards.
  • Im Neubau gibt es nur noch für die Effizienzhäuser KfW 55, KfW 40 und KfW 40 plus Fördermittel.
  • Die KfW beteiligt sich mit einem Darlehen von bis zu 100.000 Euro und einem Tilgungszuschuss an der Immobilienfinanzierung.
  • Die übrige Summe finanzieren Verbraucher mit einer Bank ihrer Wahl. Eine günstige Baufinanzierung finden Immobilienerwerber über den Verivox-Baufinanzierungsrechner.

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+++ Dieser Ratgeber wir regelmäßig aktualisiert. Die genannten Förderprogramme und Konditionen geben den aktuellen Stand im Juni 2019 wieder. Mögliche spätere Anpassungen sind nicht berücksichtigt. +++

Energieeffiziente Gebäude sind ein wichtiger Bestandteil der Energiewende und werden deshalb staatlich gefördert. Als Grundsatz gilt: Je effizienter das Haus, desto höher die Förderung. Gradmesser sind die Effizienzhaus-Standards der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Die wichtigsten Effizienzhäuser KfW 40 (plus), KfW 55 und KfW 70, sowie die mögliche KfW-Förderung eines entsprechenden Neubaus und für die Sanierung von Bestandimmobilien stellen wir in diesem Artikel vor.

KfW-Effizienzhaus – Maßstab für Energieeffizienz

Ein KfW-Effizienzhaus ist eine Immobilie, die bestimmte energetische Eigenschaften aufweist. Ein wichtiges Bemessungskriterium ist der Primärenergiebedarf. Dabei wird neben dem eigentlichen Energiebedarf des Hauses auch die Energiemenge berücksichtigt, die für vorgelagerte Prozesse aufgewendet werden muss – etwa für die Gewinnung und Verteilung des jeweiligen Energieträgers.

Darüber hinaus spielt der Transmissionswärmeverlust eine Rolle. Er drückt aus, wie viel Energie eine beheizte Immobilie nach draußen verliert. Im modernen Hausbau gelten bestimmte Maximalwerte, die in der Energieeinsparverordnung (EnEV) festgelegt sind. Diese EnEV-Werte sind die Referenzgröße, auf die sich die Effizienzhaus-Standards der KfW beziehen.

Diese Förderstandards gibt es

Insgesamt gibt es folgende neun Standards für KfW-Effizienzhäuser:

  • KfW-Effizienzhaus 40 plus
  • KfW-Effizienzhaus 40
  • KfW-Effizienzhaus 55
  • KfW-Effizienzhaus 70
  • KfW-Effizienzhaus 85
  • KfW-Effizienzhaus 100
  • KfW-Effizienzhaus 115
  • KfW-Effizienzhaus Denkmal

Was bedeuten die Kennzahlen beim Effizienzhaus?

Ein Gebäude, das exakt den EnEV-Regeln entspricht, ist ein KfW-Effizienzhaus 100. Je kleiner die Zahl, umso geringer der Energiebedarf der Immobilie. Ein Effizienzhaus nach dem KfW-55-Standard benötigt nur 55 Prozent der Primärenergie, die ein Neubau nach den Regeln der EnEV braucht.

Das Effizienzhaus 40

Der Energiebedarf eines KfW-40-Hauses ist dementsprechend um 60 Prozent geringer als bei einem Neubau, der nur die gesetzlichen Mindestanforderungen der EnEV erfüllt. Die KfW fördert den Hausbau nach KfW-40-Standard im Rahmen ihres Förderprogramms KfW 153 (Energieeffizient Bauen).

Die Förderbank beteiligt sich mit einem zinsgünstigen Kredit von bis zu 100.000 Euro pro Wohnung an der Immobilienfinanzierung. Der Effektivzins beträgt 0,75 Prozent. Bauherren können den Kredit entweder als endfälliges Darlehen mit 4 bis 10 Jahren Laufzeit oder als Annuitätendarlehen mit 4- bis 30-jähriger Gesamtlaufzeit abschließen. Die Zinsbindungsfrist beträgt in allen Fällen 10 Jahre. Bei einer längeren Gesamtlaufzeit, erhalten Kreditnehmer vor Ablauf der Zinsbindung ein Prolongationsangebot von der KfW.

Tilgungszuschuss für ein KfW-40-Effizienzhaus

Für den Förderkredit gewährt die KfW einen Tilgungszuschuss – Darlehensnehmer müssen also nicht den vollen Kreditbetrag zurückbezahlen. Je höher der energetische Standard der Immobilie ausfällt, desto höher ist auch der Zuschuss. Für den Bau eines KfW-40-Effizienzhauses gewährt die Förderbank 10 Prozent Tilgungszuschuss – maximal also 10.000 Euro pro Wohneinheit. Der Zuschuss wird nach Abschluss der Bauarbeiten gutgeschrieben und fließt zweckgebunden in die Rückzahlung des KfW-Darlehens. Eine Barauszahlung oder Überweisung ist ausgeschlossen.

Das Effizienzhaus 40 plus

Zum 1. April 2016 wurde mit dem Effizienzhaus KfW 40 plus ein neuer Förderstandard eingeführt. Grundsätzlich muss eine solche Immobilie dieselben Anforderungen in puncto Primärenergiebedarf und Transmissionswärmeverlust erfüllen, die auch für ein KfW-40-Haus gelten. Damit eine Immobilie den neuen Standard KfW 40 plus erfüllt, müssen aber zusätzlich folgende Geräte und Anlagen integriert werden:

  • eine stromerzeugende Anlage auf Basis erneuerbarer Energien (zum Beispiel eine Solaranlage)
  • ein stationäres Batteriespeichersystem (Stromspeicher)
  • eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung
  • eine Visualisierung von Stromerzeugung und -verbrauch über ein Benutzerinterface

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Tilgungszuschuss beim Effizienzhaus KfW 40 plus

Das Effizienzhaus KfW 40 plus ist aktuell der höchste energetische Standard im Hausbau. Das schlägt sich in der Höhe des Tilgungszuschusses nieder. 15 Prozent der Darlehenssumme – maximal 15.000 Euro pro Wohneinheit – müssen nicht zurückgezahlt werden. Die Zinskonditionen sind dieselben wie beim Effizienzhaus KfW 40.

Das Effizienzhaus KfW 55

Ein KfW-Effizienzhaus 55 verbraucht 45 Prozent weniger Primärenergie als ein vergleichbarer Neubau nach EnEV-Vorgaben. Es ist aktuell der höchste erreichbare Förderstandard bei der Sanierung einer Bestandsimmobilie. Auch für den Neubau eines KfW-55-Effizienzhauses gibt es eine Förderung – allerdings zu anderen Konditionen.

Neubauförderung für ein KfW-55-Haus

Im Rahmen des Programms „KfW 153 – Energieeffizient Bauen“ gewährt die Förderbank einen Kredit zu denselben Zinssätzen wie bei den Effizienzhäuser KfW 40 und KfW 40 plus. Wegen des schwächeren energetischen Standards gibt es für das KfW-55-Haus aber nur 5 Prozent Tilgungszuschuss (bis zu 5.000 Euro pro Wohnung).

Förderung für die Sanierung zum KfW-Effizienzhaus 55

Wer eine Bestandsimmobilie zum Effizienzhaus modernisiert, kann dafür die Förderprogramme KfW 151 oder KfW 430 (Energieeffizient Sanieren) in Anspruch nehmen. Antragsteller haben die Wahl zwischen einem Investitionszuschuss (KfW 430) oder einer Kombination aus zinsgünstigem Darlehen und Tilgungszuschuss (KfW 151). Für die Sanierung einer Bestandsimmobilie zum Effizienzhaus KfW 55 gibt es einen Investitionszuschuss von 30 Prozent der förderfähigen Kosten (höchstens 30.000 Euro).

Wer lieber das Darlehen plus Tilgungszuschuss nutzen möchte, erhält aus dem Förderprogramm KfW 151 bis zu 100.000 Euro als zinsgünstiges Darlehen zu einem Sollzins von 0,75 Prozent mit 10-jähriger Zinsbindung. Den Kredit gibt es zum gleichen Zinssatz auch als endfälliges Darlehen mit 4 bis 10 Jahren Laufzeit. Für die Sanierung zum KfW-55-Effizienzhaus werden im Rahmen des Förderprogramms 27,5 Prozent Tilgungszuschuss gewährt – also bis zu 27.500 Euro pro Wohneinheit.

Kostenfreier PDF-Dowload: Die wichtigsten KfW-Förderprogramme für Neubau, Kauf und Modernisierung

Ab dem Effizienzhaus KfW 70 wird nur die Sanierung gefördert

Seit dem 1. April 2016 wird das Effizienzhaus KfW 70 im Neubau nicht mehr gefördert. Mit der Streichung hatte die KfW auf verschärfte Anforderungen der EnEV reagiert und im selben Zuge den neuen Effizienzhaus-Standard KfW 40 plus eingeführt. Für die Sanierung einer Bestandsimmobilie bleibt das KfW-70-Haus aber förderfähig. Dasselbe gilt für die übrigen Effizienzhäuser.

Modernisierer können entweder den Investitionszuschuss aus dem Förderprogramm KfW 430 in Anspruch nehmen oder sie entscheiden sich für den Kredit mit Tilgungszuschuss. Je energieeffizienter die Immobilie nach der Sanierung ist, desto höher fallen auch die Zuschüsse aus.

Beispiele für mögliche Bau- und Sanierungsmaßnahmen

Welche Maßnahmen genau nötig sind, um einen bestimmten Effizienzhaus-Standard zu erreichen, ist unterschiedlich. In der Regel führt ein Mix aus mehreren baulichen und anlagetechnischen Maßnahmen in den Bereichen Heizung, Lüftung und Dämmung zum Ziel. Für ein Effizienzhaus nach KfW-55-Standard sind zum Beispiel folgende Maßnahmen notwendig:

  • Solarthermie-Anlage zur Trinkwassererwärmung und Heizungsunterstützung
  • Wärmepumpe oder Biomasse-/Pelletheizung
  • sehr gute Dachdämmung und Fassadendämmung
  • moderne dreifachverglaste Fenster mit Spezialrahmen

Nicht ohne Energieberater

Wer energieeffizient baut oder saniert, kommt nicht ohne Energieberater aus. KfW-Förderung gibt es nur, wenn ein solcher Experte für Energieeffizienz in die Bauplanung und -ausführung eingebunden wird. Der Energieberater muss am Ende auch die ordnungsgemäße Ausführung der Arbeiten bestätigen. Ohne diese Bestätigung werden weder Investitions- noch Tilgungszuschüsse ausgezahlt.

Einen Energieberater mit ausreichender Qualifikation finden Verbraucher zum Beispiel auf der Internetseite energie-effizienz-experten.de. Die Mehrkosten müssen die Auftraggeber übrigens nicht komplett aus eigener Tasche bezahlen. Die Hälfte der Kosten für den Energieberater (maximal 4.000 Euro) übernimmt die KfW im Rahmen des Förderprogramms 431 („Energieeffizient Bauen und Sanieren – Zuschuss Baubegleitung“).