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Zinsentwicklung und Zinsprognose für Spar- und Kreditzinsen

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Zinsentwicklung ist stark vom Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) beeinflusst.
  • Der EZB-Leitzins beeinflusst Spar- und Kreditzinsen in etwa gleicher Weise.
  • Die Sparzinsen liegen unter der Inflationsrate.
  • Dass die Zinsen steigen, ist angesichts der Corona-Krise vorerst nicht zu erwarten.
  • Sparer sollten ihre Ersparnisse möglichst hoch verzinst anlegen. Top-Tagesgeldangebote bringen derzeit 0,2 Prozent, die besten 2-jährigen Festgelder sind mit 1 Prozent verzinst.

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+++ Dieser Ratgeber wir regelmäßig aktualisiert. Die folgenden Informationen - insbesondere die genannten Zinssätze und Zins-Charts - entsprechen dem aktuellen Stand im November 2021 . Mögliche spätere Änderungen sind noch nicht berücksichtigt. +++

Seit Jahren schon sind die Zinsen auf Talfahrt. Sparer leiden unter den niedrigen Zinsen. Häuslebauer und Kreditnehmer hingegen freuen sich über die Zinsentwicklung der letzten Jahre. Doch wann steigen die Zinsen wieder? Wir zeigen die Zinsentwicklung der letzten Jahre und Monate im Zinsschart. Unsere Zinsprognose unterstützt Sie dabei, die künftige Entwicklung von Tagesgeld-, Festgeld- und Kreditzinsen richtig einzuschätzen.

Leitzins beeinflusst Spar- und Kreditzinsentwicklung

Die Zinsentwicklung verläuft bei Spar- und bei Kreditzinsen sehr ähnlich. Sie unterscheiden sich zwar im Zinssatz, doch in ihrem Auf und Ab folgen sie im Wesentlichen der Leitzinsentwicklung. Die folgende Grafik zeigt die Zinsentwicklung von EZB-Leitzins, Hypothekenzinsen und Sparangeboten mit einer Kündigungsfrist bis zu drei Monaten (z.B. Sparbuchzinsen).

Als Folge der Finanzkrise hat die EZB den Leitzins seit 2011 immer weiter abgesenkt. Seit 2016 stagniert er bei historisch niedrigen 0,00 Prozent. Im Juni 2014 hat die EZB erstmals Negativzinsen auf Bankeinlagen erhoben. Institute, die Geld bei der EZB parkten, mussten auf die Einlagen einen Strafzins von 0,1 Prozent bezahlen. Dieser Strafzins ist später weiter gestiegen. Seit September 2019 liegt der EZB-Einlagezins bei -0,5 Prozent.

Mehr zum Thema Strafzinsen: Negativzinsen sind auch bei Privatkunden schon angekommen

Wie der Zins-Chart zeigt, folgten die Sparzinsen in der Vergangenheit im Wesentlichen der Leitzinsentwicklung. Bei den Baufinanzierungszinsen hingegen zeichnete sich eine neue Zinsentwicklung manchmal bereits ab, bevor die EZB den Leitzins anhob oder senkte. Eine steigende oder rückläufige Bauzinsentwicklung kann also ein Indikator dafür sein, wie sich mittel- bis langfristig auch die anderen Zinsen entwickeln werden.

Auch bei günstiger Zinsentwicklung lohnt der Vergleich

Übrigens: Auch wenn die Zinsentwicklung im Bereich der Baufinanzierung in den letzten Jahren generell günstig war, lohnt sich der Angebotsvergleich. Das zeigt eine einfache Beispielrechnung:

Der durchschnittliche Effektivzins für Baufinanzierungen liegt derzeit bei 1,31 Prozent – laut Zahlen der Bundesbank. Bei den günstigsten Banken hingegen erhalten Kunden einen Baukredit von 200.000 Euro mit 10-jähriger Zinsbindung zu einem Effektivzins von 0,79 Prozent. Bei einer Monatsrate von 750 Euro zahlen Kreditnehmer bei der günstigeren Finanzierung rund 8.960 Euro weniger Zinsen – allein während der ersten 10-jährigen Zinsbindungsfrist. Das Geld fließt statt dessen in die Tilgung und mindert ihre Restschuld.

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Zinsentwicklung bei Ratenkrediten

Doch nicht nur beim Hauskauf können sich Kreditnehmer die historische Zinsentwicklung der letzten Jahre zunutze machen. Ebenso günstig war der Zinsverlauf für Ratenkredite.

Im März 2014 lag der bundesweite Durchschnittszins für Ratenkredite laut Bundesbank bei 6,59 Prozent. Bei diesen Konditionen mussten Kreditnehmer für ein Darlehen in Höhe von 10.000 Euro mit 4-jähriger Laufzeit insgesamt 1.403 Euro Zinsen zahlen. Für den gleichen Kredit lag der durchschnittliche Zinssatz sieben Jahre später nur noch bei 5,35 Prozent. Bei diesem Darlehen wären die Zinskosten 273 Euro niedriger.

Auch hier lohnt sich der Angebotsvergleich. Bei Top-Banken erhalten zwei Drittel aller Kunden den Kredit zu einem Zinssatz von 2,43 Prozent oder besser. Das zeigt eine Verivox-Auswertung der Ratenkreditkonditionen von über 300 Banken. Bei diesem Zinssatz zahlen Kreditnehmer für ihr Darlehen 644 Euro weniger Zinsen als für einen Ratenkredit zum zuletzt ermittelten Durchschnittszins.

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Zinsentwicklung bei Festgeld und Tagesgeld

Der Zinsverlauf der letzten Jahre hat allerdings nicht nur Gewinner hervorgebracht. Sparer sind die großen Leidtragenden dieser historischen Zinsentwicklung. Sichere Geldanlagen wie Tagesgeld und Festgeld werfen schon lange kaum noch Erträge ab. Zugleich zog ab Herbst 2016 die Inflation wieder deutlich an. Zwar ist die Inflationsrate im Zuge der Corona-Krise vorübergehend gesunken – von Juli bis Dezember 2020 hat das Statistische Bundesamt sogar eine Inflation im negativen Bereich ausgewiesen. Mittlerweile hat die Inflation aber kräftig angezogen und liegt weit über den Sparzinsen.

Bis die Zinsen wieder steigen, verlieren die Ersparnisse auf Tages- und Festgeldkonten mit durchschnittlicher Verzinsung durch die steigenden Verbraucherpreise deshalb kontinuierlich an Wert.

Anleger können der allgemeinen Zinsentwicklung zwar nicht entfliehen, sollten Kaufkraftverluste aber zumindest begrenzen, indem sie Konditionen vergleichen. Bei Top-Banken erhalten Sparer 0,2 Prozent Zinsen auf ihr Tagesgeld. Bei 10.000 Euro Anlagesumme macht das 20 Euro Zinseinnahmen. Auf der anderen Seite zahlen 550 Banken gar keine Zinsen mehr auf Tagesgeld – vergleichen lohnt sich also.

Mehr zum Thema Nullzins: Diese Banken zahlen gar keine Zinsen auf Tagegeld

2-jähriges Festgeld ist mit bis zu 1 Prozent verzinst. Top-Angebote schlagen also nicht einmal die Inflation - das Geld auf dem Konto verliert an Wert.

Werden irgendwann wieder die Zinsen steigen?

Mit Spannung blicken Bauherren, Kreditnehmer und Sparer gleichermaßen auf die künftige Zinsentwicklung. Vor allem letztere können es kaum erwarten, dass endlich wieder die Zinsen steigen. Ob das geschieht und wann es soweit ist, hängt entscheidend von der Geldpolitik der EZB und der künftigen Leitzinsentwicklung ab. Mittelfristig ist hier allerdings kaum mit einer Erhöhung der Zinsen zu rechnen. Nicht zuletzt angesichts der Corona-Krise dürften Zinserhöhungen auf absehbare Zeit kein Thema sein.

People Component Oliver Maier

Oliver Maier

Geschäftsführer Verivox Finanzvergleich GmbH

Bis Tagesgeld wieder Zinsen über der Inflationsrate abwirft, brauchen Sparer noch Geduld. Mit top-verzinsten Tages- und Festgeldangeboten lassen sich Kaufkraftverluste aber zumindest begrenzen.

Der Zinsdruck auf die Banken ist größer geworden

Im Gegenteil: Die Notenbank kauft weiterhin im großen Stil Staats- und Unternehmensanleihen auf und flutet die Märkte auf diese Weise mit vielen Millarden Euro.

Bereits im September 2019 hatte der EZB-Rat um den damaligen Notenbank-Chef Mario Draghi zum letzten Mal den Einlagezins noch tiefer in den Minusbereich gesenkt. Seitdem zahlen Banken auf Einlagen, die sie bei der Notenbank parken, 0,5 Prozent Strafzinsen. Der Zinsdruck auf die Banken hat zuletzt also eher zu- als abgenommen. Die EZB macht den Banken wenig Hoffnung, dass sich dies so schnell ändert. Der Chef der EZB-Bankenaufsicht, Andrea Enria, erklärte in einem Interview mit Bloomberg TV, Banken sollten nicht auf eine Erhöhung der Zinsen warten, sondern lieber ihre Geschäftsmodelle anpassen.

Zinsprognose in Zeiten von Corona: hohe Zinsen bleiben Wunschtraum

Auch mittelfristig ist mit einer Fortsetzung der Niedrigzinspolitik zu rechnen. Solange die wichtigsten Rahmenbedingungen sich nicht grundlegend ändern, dürfte EZB-Präsidentin Christine Lagarde kaum Spielraum für spürbare Kurskorrekturen haben. Das Inflationsziel wurde zuletzt auf zwei Prozent festgelegt, keine große Kursänderung also. Wird die Marke moderat unter- oder überschritten, will die EZB dies zeitweise dulden.

Die momentan hohe Inflation sieht die EZB nur als vorübergehendes Phänomen. Die EZB macht deshalb weiter mit dem Notkaufprogramm für Staatsanleihen und Wertpapiere von Unternehmen (Pandemic Emergency Purchase Programme/PEPP). Das Programm hat mittlerweile ein Volumen von 1,85 Billionen Euro. Es wird bis Ende März 2022 laufen.