Baufinanzierung: Nach Rekordtief steigen jetzt die Zinsen

30.03.2020

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Nachdem die Zinsen für Immobilienkredite Anfang März ein neues Allzeittief markiert hatten, sind die Konditionen nun wieder leicht gestiegen. Das berichtet der Baufinanzierungsvermittler Interhyp. In den letzten Tagen hätten einige Anbieter Zinsen erhöht oder eine Erhöhung angekündigt, teils um 0,1 bis 0,3 Prozentpunkte. Auch Förderkredite der KfW-Bank seien davon betroffen.

Baugeld immer noch sehr günstig

Interhyp ist nach eigenen Angaben der größte Vermittler privater Baufinanzierungen in Deutschland. Für die nächsten Tage und Wochen rechnen die Experten mit weiteren Zinserhöhungen. "Die Corona-Krise hat Bauzinsen zuerst auf Talfahrt geschickt und lässt sie jetzt leicht ansteigen“, sagt Mirjam Mohr, Vorständin für das Privatkundengeschäft bei Interhyp.

Trotz der Zinserhöhungen seien Baukredite aber weiterhin sehr günstig zu haben. Die Konditionen für zehnjährige Darlehen lägen immer noch oft unter 0,7 Prozent. "Baufinanzierungsinteressenten sollten eine Finanzierung immer in Ruhe und wohlüberlegt angehen“, rät Mohr. „Wer jetzt einen konkreten Finanzierungsbedarf hat, sollte die Zinsen genau vergleichen."

Banken refinanzieren sich nicht mehr so günstig

Im Zuge der Kursstürze an den Börsen und der wirtschaftlichen Unsicherheit war Anfang März zunächst eine starke Nachfrage nach sicheren Anleihen zu beobachten. Die Renditen zehnjähriger deutscher Bundesanleihen, die als Wegweiser für die Entwicklung der Bauzinsen gelten, sanken zwischenzeitlich auf ein Rekordtief von unter minus 0,80 Prozent. In der Folge waren auch die Bauzinsen für zehnjährige Darlehen auf ein Allzeittief von um 0,6 Prozent gefallen. Ein weiterer Faktor für das allgemein günstige Zinsumfeld für Baufinanzierungen ist die seit Jahren andauernde Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB).

Im weiteren Verlauf der Coronakrise seien die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen nun jedoch wieder gestiegen – auch aufgrund der erwarteten Kosten für die Hilfsprogramme des Staates. Damit können sich Banken nun nicht mehr so günstig refinanzieren wie Anfang März. In der Folge haben jetzt einige Banken ihre Zinsen erhöht. "In der Coronakrise sehen wir eine größere Volatilität bei den Bauzinsen als üblich", sagt Mirjam Mohr.

Wie sollten Verbraucher jetzt agieren?

Kreditnehmer sollten trotz des aktuellen Konditionsanstiegs in Ruhe vergleichen. Wer eine Kreditaufnahme plant, sollte langfristig agieren. Interhyp rät im aktuellen Marktumfeld zu langen Zinsbindungen und hohen Anfangstilgungen von mindestens drei Prozent. "Um trotz der Zinsfestschreibung und der vereinbarten Tilgung auf Einkommensveränderungen reagieren zu können, bietet es sich an, die Möglichkeiten für einen Tilgungssatzwechsel oder für kostenlose Sondertilgungen zu vereinbaren", empfiehlt Mohr.

Auch viele bestehende Verträge böten die Möglichkeit eines Tilgungssatzwechsels. Wer wegen der aktuellen Situation die Tilgungen aussetzen oder Tilgungssätze verändern muss, sollte auf seine Bank zugehen. Etliche Banken reagierten in der aktuellen Krise sehr kulant auf solche Anfragen.