So teuer ist Wohnen in deutschen Großstädten geworden

16.01.2020

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Die Mieten in deutschen Großstädten sind in den vergangenen 10 Jahren stark gestiegen. Das zeigt eine aktuelle Analyse der Angebotsmieten von immowelt.de. Die Inflation lag im gleichen Zeitraum bei 14 Prozent, so das Immobilienportal. Doch die Mieten besonders in wirtschaftsstarken Großstädten übertreffen das bei Weitem. In fast allen untersuchten Städten lag die Mietsteigerung über der Inflation.

Am teuersten bleibt München

München ist ein besonders teures Pflaster. Die Preise in der bayerischen Landeshauptstadt befanden sich bereits 2009 auf dem heutigen Berliner Niveau. Hier sind die Mieten um weitere 61 Prozent gestiegen, sodass der mittlere Quadratmeterpreis inzwischen bei 17,70 Euro liegt. Die zweitteuerste der untersuchten Städte ist Frankfurt – mit 13,50 Euro. Die größten Mietsteigerungen verzeichnen generell wirtschaftsstarke Städte und Regionen.

Preisanstieg in Berlin am stärksten

Spitzenreiter beim Preisanstieg ist Berlin, wo sich die Mieten mit einem Plus von 104 Prozent mehr als verdoppelt haben. Vor 10 Jahren zahlten Mieter in der Hauptstadt noch 5,60 Euro pro Quadratmeter, heute müssen sie bei Neuvermietung im Median mit 11,40 Euro rechnen. Die Politik reagiert darauf mit dem geplanten Mietendeckel. Damit soll ein Rückgang der Mieten und eine geringere Belastung der Bevölkerung erreicht werden. Daran glaubt Prof. Dr. Cai-Nicolas Ziegler, CEO der Immowelt, jedoch nicht. "Mietpreisbremse und Mietendeckel werden das Problem nicht lösen – es müssen vielmehr Anreize geschaffen werden, um den Bau von Wohnungen im preisgünstigen Segment anzukurbeln."

Aufschwung führt zu höheren Mieten

Die größten Mietsteigerungen verzeichnen wirtschaftsstarke Städte und Regionen. Neben Frankfurt am Main und Hamburg befindet sich auch die Metropolregion Nürnberg darunter. Aber auch viele kleinere Städte haben einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt, was Studenten und Jobanfänger anlockt. Die erhöhte Nachfrage führt auch dort zu steigenden Mieten. Bestes Beispiel ist Heilbronn: Mit einem Plus von 67 Prozent ist dort der Preiszuwachs bei den Angebotsmieten am zweitgrößten – hinter Berlin. Mit einem mittleren Mietpreis von 10,70 Euro ist Heilbronn aber nach wie vor günstiger als das rund 50 Kilometer entfernte Stuttgart (12,70 Euro). Eine ähnliche Entwicklung hat auch Würzburg durchlaufen. Die die zahlreichen Hochschulen sorgen dafür, dass rund ein Viertel aller Einwohner Studenten sind.

Geteiltes Bild in Ostdeutschland

Im Osten Deutschlands zeigt sich abgesehen eine sehr unterschiedliche Entwicklung. Leipzig und Dresden gewinnen weiterhin an Attraktivität, während in Städten wie Chemnitz oder Cottbus die Einwohnerzahlen stagnieren und die Anstiege gerade einmal der Inflation entsprechen. Besonders junge Erwachsene locken die günstigen Mieten von rund 7 Euro pro Quadratmeter nach Dresden oder Leipzig. Auch die Berufschancen sind deutlich besser als in den strukturschwachen Regionen in der Lausitz oder dem Erzgebirge. Die einzige aller untersuchten Städte mit sinkenden Mieten ist Rostock (-5 Prozent). Innerhalb der Hansestadt sind die Preisunterschiede enorm: sehr günstige Plattenbau-Wohnungen am Stadtrand bestimmen den Mietmarkt, teure Neubauten im Touristenmagnet Warnemünde sind eher selten.

Im Ruhrgebiet steigen die Preise weniger stark

Wie im Osten treffen auch in Nordrhein-Westfalen strukturschwache und wirtschaftsstarke Städte aufeinander. Die Mieten in Studentenstädte wie Aachen, Paderborn und Münster sind stark gestiegen. Auch die beiden Rheinmetropolen Köln und Düsseldorf zählen zu den begehrtesten Städten, was Mieten jenseits der 10-Euro-Marke zur Folge hat. Auf der anderen Seite weisen besonders die Städte im Ruhrgebiet wie Gelsenkirchen, Duisburg oder Hagen geringere Anstiege auf. Die Mieten bewegen sich aktuell auf niedrigem Niveau bei circa 6 Euro pro Quadratmeter.

Mietpreise im 10-Jahres-Vergleich

  • Berlin + 104 Prozent
  • Heilbronn + 67 Prozent
  • München + 61 Prozent
  • Würzburg + 57 Prozent
  • Fürth + 52 Prozent
  • Nürnberg + 52 Prozent
  • Göttingen + 48 Prozent
  • Hannover + 48 Prozent
  • Erlangen + 47 Prozent
  • Frankfurt am Main + 44 Prozent
  • Braunschweig + 43 Prozent
  • Aachen + 42 Prozent
  • Hamburg + 42 Prozent
  • Leipzig + 42 Prozent
  • Paderborn + 42 Prozent
  • Münster + 40 Prozent
  • Dresden + 36 Prozent
  • Düsseldorf + 36 Prozent
  • Köln + 34 Prozent
  • Duisburg + 22 Prozent
  • Gelsenkirchen + 19 Prozent
  • Hagen + 17 Prozent
  • Cottbus + 14 Prozent
  • Chemnitz + 11 Prozent
  • Rostock - 5 Prozent

Hintergrund zur Berechnung

Datenbasis für die Berechnung der Mietpreise in den 80 ausgewählten deutschen Großstädten über 100.000 waren auf immowelt.de inserierte Angebote. Dabei wurden laut Immowelt ausschließlich Angebote berücksichtigt, die vermehrt nachgefragt wurden. Die Preise geben den Median der jeweils 2009 und 2019 angebotene Mietwohnungen (40 bis 120 Quadratmeter) wieder. Die Mietpreise spiegeln den mittleren Wert (Median) der Nettokaltmieten bei Neuvermietung wider.