Altes Sparbuch gefunden: Sparbuch auflösen und auszahlen lassen

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Das Wichtigste in Kürze

  • Wer ein altes Sparbuch gefunden hat, kann das Sparbuch auflösen und sich das Guthaben samt zwischenzeitlich aufgelaufener Zinsen von der Bank auszahlen lassen.
  • Ist das Sparbuch noch in Deutscher Mark geführt, wird das Guthaben zum offiziellen Umtauschkurs in Euro umgerechnet (1 Euro = 1,95583 D-Mark).
  • Sparbücher, die in DDR-Mark oder Reichsmark geführt sind, müssen Banken nicht auszahlen.
  • In der aktuellen Niedrigzinsphase ist das Sparbuch nicht die optimale Geldanlage.
  • Sie sollten das Sparbuch auflösen und das Guthaben so anlegen, dass es mehr Zinsen bringt – zum Beispiel in einen Mix aus Festgeld und Indexfonds (ETFs).

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Wer beim Umzug oder Aufräumen ein altes Sparbuch findet, kann sich freuen. In den meisten Fällen ist das Guthaben auf dem Sparbuch nicht verfallen. Wir erklären, wie Sie das alte Sparbuch auflösen, welche Regeln dabei gelten und wie Sie das Geld auf dem Sparbuch sinnvoller anlegen können.

Banken müssen das Sparbuch auflösen und auszahlen

"Das Sparbuch ist wie eine Urkunde, es ist ein Inhaberpapier", sagt Julia Topar vom Bundesverband deutscher Banken mit Sitz in Berlin. Das heißt: Wer ein Sparbuch vorlegt, bekommt das Guthaben auf Wunsch ausbezahlt. Soweit die Regel. Doch in der Praxis läuft es nicht immer so glatt.

Der Frankfurter Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht Klaus Hünlein weiß von mehreren Fällen, bei denen Geldinstitute die Auszahlung verweigert haben - und das "mit lapidaren Behauptungen".

Mal war die Rede davon, dass der einstige Sparbuchinhaber das Geld vor langer Zeit schon abgehoben habe, berichtet Hünlein. In anderen Fällen hieß es, das Guthaben sei auf ein anderes Konto des Sparers übertragen worden. Insofern sei das vorgelegte Sparbuch ohne Wert.

People Component Oliver Maier

Oliver Maier

Geschäftsführer Verivox Finanzvergleich GmbH

Banken müssen Sparbücher noch Jahrzehnte nach dem letzten Kontoumsatz auszahlen. Solange das Sparbuch nicht gekündigt wurde, kann sich die Bank nicht auf Verjährung berufen.

Geld bereits ausgezahlt? Banken in der Nachweispflicht

In einem solchen Fall sollten Sie nicht zu schnell aufgeben. Zwar seien Auszahlungen auch ohne Vorlage des Sparbuchs laut Topar früher durchaus vorgekommen. „In diesem Fall hat das Geldinstitut den Kunden die Auszahlung quittieren lassen", erklärt die Bankensprecherin. Die Bank muss also beweisen, dass das Guthaben auf dem Sparbuch bereits früher ausgezahlt wurde.

Verjährung beginnt erst mit der Kündigung des Sparbuchs

"Eine Bank kann sich nicht auf Beweisnot berufen oder darauf, dass sie nicht mehr im Besitz der alten Unterlagen ist", erklärt Hünlein. Sie ist verpflichtet, das Sparguthaben auszuzahlen. Die Verjährung beginnt erst mit einer Kündigung des Sparbuchs. Die Bank kann also nicht einwenden, Ihr Anspruch sei verjährt. Teilweise können Kunden ihr altes Sparbuch noch Jahrzehnte nach der letzten Kontobewegung auflösen und auszahlen lassen.

Sparbuch auflösen: So gehen Sie vor

Wer also ein altes Sparbuch findet, sollte sich zunächst an die Bank oder Sparkasse wenden und eine Auszahlung des Betrags fordern. Lassen Sie sich beim Gang zur Bank am besten von einem Zeugen begleiten.

"Geldinstitute sind berechtigt, nicht verpflichtet, eine Legitimierung durchzuführen", sagt Topar. Sie können also prüfen, ob die Person, die das Sparbuch vorlegt, wirklich der Besitzer ist oder als rechtmäßiger Inhaber bevollmächtigt wurde. Falls das Sparbuch einem Verstorbenen gehört hat, kann die Bank einen Nachweis fordern, dass Sie erbberechtigt sind.

Geben Sie das Sparbuch nicht unnötigerweise aus der Hand und lassen Sie es keinesfalls bei der Bank zurück. "Die Bank ist nur gegen Vorlage des Originals zur Auszahlung verpflichtet", erklärt Hünlein.

Verweigert die Bank Ihnen die Auszahlung, sollten Sie sie noch einmal schriftlich und unter Fristsetzung dazu auffordern, das Sparbuch aufzulösen und auszuzahlen. Zusätzlich können Sie Kontakt zu den Ombudsleuten des Bankenverbands aufnehmen. Lässt sich der Streit nicht anders beilegen, bleibt noch der Gang zum Anwalt, um Ihre Forderung auf dem Rechtsweg durchzusetzen. Allerdings dürften die allermeisten Banken Ihrem Wunsch nachkommen und das Sparbuch auflösen, wenn Sie nachweisen können, dass Sie der rechtmäßige Inhaber sind.

Was gilt bei Sparbüchern in D-Mark oder DDR-Mark?

Bei einem Sparbuch, das noch in D-Mark geführt ist, wird das Guthaben dann zum offiziellen Umrechnungskurs in Euro übertragen: 1,95583 D-Mark entsprechen einem Euro.

Wer ein Sparbuch findet, das in DDR-Mark geführt ist, hat hingegen Pech gehabt. Es ist inzwischen wertlos. Alle Umtauschfristen sind mittlerweile ausgelaufen. Auch Sparbücher mit einem Guthaben in Reichsmark haben allenfalls noch historischen oder ideellen Wert. Ausgezahlt werden sie heute nicht mehr.

Zinsen werden nachgezahlt

Wer hingegen ein altes D-Mark-Sparbuch auflöst, erhält vorher auch noch sämtliche Zinsen seit der letzten Kontobewegung gutgeschrieben. Über die Jahre kann dadurch eine Menge Geld zusammenkommen. Wie viel genau, verdeutlicht die folgende Modellrechnung:

Angenommen Sie haben ein Sparbuch gefunden, auf dem sich 5.000 D-Mark Guthaben befinden. Die letzte Kontobewegung stammt aus dem Jahr 1997, liegt also 22 Jahre zurück. Nach offiziellem Umrechnungskurs wären 5.000 D-Mark heute 2.556,50 Euro wert. Bei einer durchschnittlichen Sparbuch-Verzinsung erhielten Sie heute aber fast 3.700 Euro ausgezahlt, wenn Sie das Sparbuch auflösen.

Sparbuch auflösen und Geld anlegen

Auf dem Sparbuch liegen lassen sollten Sie dieses Geld nicht. In der anhaltenden Niedrigzinsphase hat es als Geldanlage ausgedient. Aktuell zahlen Banken für Einlagen auf dem Sparbuch im Schnitt nur noch 0,13 Prozent Zinsen (Stand: April 2019). Damit liegt die Verzinsung weit unter der Inflation. Auf dem Sparbuch verliert das Geld also an Wert.

Besser investiert ist das Geld in einem Mix aus Festgeld und Geldanlagen mit höherem Renditepotenzial. Im Zinstief bieten vor allem Aktienanlagen die Chance auf Renditen deutlich über der Inflationsrate. Eine breite Streuung und ein langer Anlagehorizont reduzieren das Risiko von Verlusten.

Ein Indexfonds (ETF) ist günstig und zugleich breit gestreut

Um Ihr Kapital breit zu streuen, bieten sich börsengehandelte Indexfonds an – sogenannte ETFs. Sie bilden einen großen Aktienindex nahezu identisch nach – zum Beispiel den Dax oder den MSCI World, in dem über 1.600 Aktien aus 23 Ländern enthalten sind. Mit einem ETF verteilen Sie Ihr Investment automatisch auf sämtliche Werte, die in dem abgebildeten Index gelistet sind.

Auf lange Sicht relativieren sich die Risiken

Natürlich können auch ganze Aktienmärkte einbrechen. Wichtig ist deshalb ein langfristiger Anlagehorizont. In der Vergangenheit haben sich die Aktienmärkte auch nach den heftigsten Krisen stets wieder erholt. Daten des Deutschen Aktieninstituts zeigen: Wer in die 30 Standardwerte des Dax investiert und seine Anlage mindestens 15 Jahre lang gehalten hat, musste noch nie Verluste hinnehmen. In den letzten 15 Jahren warf ein Dax-Investment eine durchschnittliche Jahresrendite von 6,7 Prozent ab. Solche Erträge lassen sich mit sicheren Spareinlagen nicht erwirtschaften. Eine solide Anlagestrategie setzt deshalb auf einen Mix sicherer und renditeorientierter Anlagen.

Mehr zum Thema Geldanlage

Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, wie Sie das Geld vom Sparbuch optimal anlegen, helfen Ihnen die folgenden Ratgeber dabei, eine Anlagestrategie zu entwickeln, die optimal zu Ihrer Risikobereitschaft und Ihren persönlichen Sparzielen passt: