Als Zins wird die Vergütung bezeichnet, die jemand für die zeitlich befristete Überlassung von Kapital oder Geld zahlt. Meist ist die Rede von Zinsen in Zusammenhang mit Geldgeschäften. Kunden erhalten beispielsweise von Banken Zinsen für ihr dort angelegtes Geld. Ebenso müssen der Bank Zinsen für einen Kredit gezahlt werden. Die Höhe der Zinsen ist grundsätzlich vertraglich vereinbart. Je nach Marktlage kann der Zins höher oder niedriger ausfallen.

Inhalt dieser Seite
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Zinsen für Geldanlagen
  3. Zinsen für Darlehen
  4. Wiederverzinsung: Der Zinseszinseffekt
  5. EZB-Leitzins auf historischem Tief
  6. Bedeutung in der Geschichte
  7. Verwandte Themen
  8. Weiterführende Links
  9. Festgeldangebote vergleichen

Das Wichtigste in Kürze

Zinsen für Geldanlagen

Verbraucher müssen Zinsen am Häufigsten bei der Suche nach Anlagemöglichkeiten oder Darlehen berechnen. Kunden suchen zum Beispiel nach Banken, die einen möglichst hohen Zinssatz für Tagesgeld- oder Festgeldkonten anbieten. Tagesgeldkonten sind Konten, die höhere Zinsen bieten als Girokonten. Sie haben aber genauso wie Girokonten den Vorteil, dass man jederzeit über sein Geld verfügen kann. Ein Festgeldkonto eignet sich hingegen für Anleger, die eine bestimmte Summe für einen festen Zeitraum anlegen wollen, zum Beispiel drei, sechs oder zwölf Monate. Vor Ablauf der Frist kommt der Kunde nicht an sein Geld. Dafür garantiert die Bank für die gesamte Laufzeit einen festen Zins, der meist höher ist als bei Tagesgeldkonten.

Rechenbeispiel

Bietet eine Bank beispielsweise für ein Festgeldkonto einen Zinssatz von 2 Prozent p. a. ("per annum" – "pro Jahr") bei einer Laufzeit von zwei Jahren, errechnen sich die Zinsen für eine Einlage von 1.000 Euro folgendermaßen:

Zinsen = 1.000 Euro * 0,02 * 2 = 40 Euro

Steuern und Inflation mindern den Zinsertrag

Der Sparer-Pauschbetrag erlaubt deutschen Verbrauchern steuerfreie Zinseinnahmen bis 801 Euro jährlich. Liegen die Zinseinnahmen über diesem Betrag, müssen sie versteuert werden. Außerdem muss die Geldentwertung, also die Inflation, berücksichtigt werden. Die Inflationsrate wird häufig durch die heutzutage sehr niedrigen Zinsen gerade so ausgeglichen – 2017 lag die Inflationsrate in Deutschland bei 1,8 Prozent.

Zinsen für Darlehen

Historisch gesehen waren im Regelfall die Sollzinsen für Kredite immer höher als die Guthabenzinsen für Spareinlagen. Denn mit Tagesgeld, Festgeld und Sparplänen leihen sich Banken faktisch von Verbrauchern Geld und zahlen ihnen dafür Guthabenzinsen. Dieses geliehene Geld verleihen sie dann an andere Verbraucher als Ratenkredit oder Baufinanzierung. Durch die Differenz in Zinsen zwischen Geldanlagen und Darlehen erzielen Banken Gewinne.

Wiederverzinsung: Der Zinseszinseffekt

Auf die Zinserträge von Erspartem können Anleger erneut Zins erhalten – dieser wird als Zinseszins bezeichnet. Während bei einigen Bankprodukten die Auszahlung der Zinsen jährlich an den Sparer erfolgt, werden bei anderen Produkten, die den Zinseszinseffekt nutzen, die Zinsen mit angelegt. In der Folge fallen die Zinserträge ein Jahr später noch höher aus als im Jahr davor. Der Nachteil: Geht es um ein Festgeldkonto, kann der Sparer auf den Zinsertrag nicht zugreifen.

Rechenbeispiel

Der Anleger investiert im 1. Jahr 10.000 Euro und erhält angenommene 5% Zinsen. Am Beginn des zweiten Jahres hat er 10.500 Euro und bekommt auch für den Zinsertrag (500 Euro) 25 Euro Zinsen, sodass am Ende des zweiten Jahres schon 11.025 Euro vorhanden sind. Dieser Zinseszinseffekt führt über viele Jahre betrachtet zu einem gewaltigen Vermögen, das nur dem Zeitfaktor geschuldet ist.

Zinseszinseffekt bei Schulden

Wer sich verschuldet und seine Raten nicht mehr zurückzahlen kann, dessen Schuldenberg wächst von ganz alleine nur durch den Zinseszinseffekt. Deshalb sollte es zur obersten Regel werden, sich nur dann Geld zu leihen und das über einen möglichst kurzen Zeitraum, wenn man in der Lage ist, mit seinem Einkommen bequem die Raten zu tilgen.

EZB-Leitzins auf historischem Tief

Im Kampf gegen die Finanz- und Schuldenkrise senkte die Europäische Zentralbank (EZB) im Juli 2012 ihren Leitzins von 1,0 auf 0,75 Prozent. Damit lag der Schlüsselzins für die Banken erstmals in der EZB-Geschichte unter einem Prozent. Mit niedrigen Zinsen wollte die EZB die Kreditvergabe in der Euro-Zone ankurbeln und auf diesem Wege die schwache Konjunktur in einer Reihe von Mitgliedsländern anregen. Seitdem sank er immer tiefer, bis er 2016 0 Prozent erreichte. Der EZB-Leitzins bestimmt die Konditionen, zu denen sich Banken und Sparkassen bei der Zentralbank mit Geld versorgen können. Je niedriger der Leitzins, desto größer ist jedoch die Inflationsgefahr.

Bedeutung in der Geschichte

Die Geschichte der Zinsen begann schon vor der des Geldes. Vor der Entstehung von Metallgeld verlangten Bauern beispielsweise einen Naturalzins für das Verleihen von Getreide. Nach der Ernte mussten die Schuldner die geliehene Menge Korn mit einem Aufschlag von teils bis zu 50 Prozent zurückgeben. Der Aufschlag sollte ein Ausgleich für den Ertragsausfall des Bauern sein, da er das verliehene Saatgut nicht selbst anbauen konnte. Diesem Grundsatz folgt auch der heutige Geldzins.

Es gibt verschiedene Theorien zum Sinn und Zweck von Zinsen. Der österreichische Ökonom Eugen von Böhm-Bawerk kam zu dem Schluss, dass Zinsen in Zusammenhang mit steigendem Einkommen stehen. Ein Mensch erwarte für sein verliehenes Geld in Zukunft mehr zurück, da auch das Einkommen und der Lebensstandard steigen. Ohne Zinsen wäre niemand bereit, durch das Verleihen von Geld selbst sparsamer zu leben. Nach Böhm-Bawerk sind Zinsen kurz gesagt der Preis für die Zeit und Belohnung für den Verleiher, da er das Geld während dieser Zeit nicht selbst ausgeben kann.

Festgeldangebote vergleichen

Festgeld

  • Mehr als 1.700 Tages- und Festgeldprodukte
  • Nur Angebote mit 100% Einlagensicherung
  • Kombinierter Tages- und Festgeldvergleich