Neuregelung von Gas-Fracking und die Folgen für Niedersachsen

Hannover - Die niedersächsische Landesregierung ist erleichtert über den nach langer Stille überraschend schnell erzielten Kompromiss zum Abbau von Gas per Fracking. Mit der Einigung in Berlin habe sich der Druck der vergangenen Tage ausgezahlt, sagte Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies. "Dem gemeinsamen Ziel, Ökologie und Ökonomie in Einklang bringen, sind wir jetzt ein ganzes Stück näher gekommen", bemerkte der SPD-Politiker.

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Bild: Gaskraftwerk Bild: ©Ralf Urner/fotolia.com / Text: dpa

Viele Kritiker der Fördertechnik Fracking in Niedersachsen sehen das allerdings ganz anders. "Für uns ist das ein fauler Kompromiss", sagt Andreas Noltemeyer, Sprecher der Bürgerinitiative "No Fracking" im Erdgasfeld Völkersen südlich von Bremen. Schon seit Jahren engagieren sich dort Bürger gegen Fracking - gegen eine Technik, die in Niedersachsen schon seit Jahrzehnten verwendet wird und auch weiter erlaubt sein soll. "Wir in Völkersen bleiben im Prinzip von der Regelung, die jetzt getroffen werden soll, völlig unberührt."

Unterschiedliche Formen des Fracking

Um was geht es eigentlich? Fracking ist eine Technik, mit der man Gas auch aus Gesteinsschichten fördern kann, wo das Erdgas nicht von alleine fließt. In die Gesteinsschichten wird mit hohem Druck ein Cocktail aus Wasser, Sand und Chemikalien eingepresst, so dass Risse in dem Gestein entstehen und das Gas zum Bohrloch fließen kann.

Experten unterscheiden zwischen konventionellen und unkonventionellen Lagerstätten. Unkonventionelle Lagerstätten sind Gesteinsschichten, in denen Erdgas entsteht, so genanntes Muttergestein; konventionelle Lagerstätten solche, wo das Gas hin abwandert. In konventionellen Lagerstätten wird in Niedersachsen schon seit 30 Jahren gefrackt.

Bundesweiter Wiederstand

Als um 2010 herum bekannt wurde, dass die Erdgasindustrie auch in den unkonventionellen Schiefergas- und Kohleflözlagerstätten Gas fördern will, formierten sich bundesweit Bürgerinitiativen gegen diese Vorhaben. Die Bürger haben vor allem Angst um das Grund- und Trinkwasser, aber auch vor anderen Umweltschäden. Dieser Protest hat nun auch in Niedersachsen Erfolg gehabt: Genau in diesen Lagerstätten sind in Niedersachsen per Erlass Fracks verboten.

Die Gasförderung und das Fracking in den konventionellen Lagerstätten soll nach Willen der rot-grünen Landesregierung aber auch künftig erlaubt sein, wenn auch unter höheren Umweltauflagen. Immerhin stammt 95 Prozent der deutschen Gasförderung aus Niedersachsen, 16 000 Menschen sind nach Branchenangaben direkt oder indirekt in der Erdgas- und Erdölförderung beschäftigt. Die Einnahmen aus der Förderabgabe fließen in den Länderfinanzausgleich.

Branche halbwegs zufrieden

"Mit der neuen Regelung bekommen wir Verschärfungen, die der Debatte der vergangenen Jahren Rechnung trägt", sagt der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Erdgas, Erdöl und Geoenergie, Christoph Löwer.

Die Branche begrüße, dass die Tür für die traditionelle Erdgasförderung offen bleibe. Sie kritisiert aber auch, dass viele Länder Schiefergasförderung "ohne Grund" ablehnen. Diese Vorkommen böten mittel- und langfristig einen Beitrag zur Versorgungssicherheit. "Stattdessen sperrt sich die Politik entgegen aller wissenschaftlichen Studien sogar gegen eine schrittweise Erkundung", sagt Löwer und beklagt eine "Investitionsblockade".

Dass nun aber kurzfristig wieder in Niedersachsen gefrackt wird, davon geht weder das Land noch die Industrie aus. Genehmigungsverfahren könnten Jahre dauern, hieß es am Mittwoch aus dem von dem Grünen-Politiker Stefan Wenzel geführten Umweltministerium. Derzeit sind zwei Fracking-Vorhaben bekannt: Exxon will in der Bohrung Bötersen Z 11 im Landkreis Rotenburg fracken, Wintershall im Projekt Düste Z10 bei Barnstorf - also in den traditionellen Gasfördergebieten Niedersachsens.

Probleme bleiben

Bei der Bürgerinitiative in Völkersen macht man daher aus der Enttäuschung keinen Hehl. Die Politik sei vor der Industrie eingeknickt, sagt Noltemeyer. Probleme wie Erdbeben in den Abbaugebieten oder der Umgang mit dem bei der Förderung anfallenden giftigen Lagerstättenwasser, die die Menschen in der Region zwischen Bremen und Hamburg mit der bereits bestehenden Gasförderung hätten, seien in dem neuen Gesetz gar nicht aufgegriffen worden. "Aber wir stecken den Kopf nicht in den Sand", gibt sich Noltemeyer kämpferisch.

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