EEG: Staatliche Strompreiserhöhung um 7,5 Prozent

14.10.2010

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Heidelberg - Die EEG-Umlage steigt laut der Nachrichtenagentur AFP von 2,05 Cent/kWh im Jahr 2010 auf 3,5 Cent/kWh im Jahr 2011. Geben die Stromanbieter diese Umlage direkt an die Verbraucher weiter, steigt der Strompreis zum Jahreswechsel um 7,5 Prozent. Durch diese Erhöhung muss ein privater Musterhaushalt künftig pro Jahr 69 Euro brutto mehr für Strom bezahlen.

Die EEG-Umlage ist eine Abgabe, mit welcher der Ausbau der Erneuerbaren Energien finanziert wird. Das unabhängige Verbraucherportal Verivox erklärt die Auswirkungen auf private Stromkunden und die Hintergründe der staatlichen Strompreiserhöhung.

Mit der Erhöhung der EEG-Umlage steigt der Staatsanteil am Strompreis für private Verbraucher von 41 auf 46 Prozent. Die Netzgebühren haben einen Anteil von 22 Prozent am Verbraucherendpreis. Die Stromversorger selbst erhalten 32 Prozent des Strompreises für Beschaffung, Vertrieb und Marge.

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Stromkosten für private Haushalte erhöhen sich um 7,5 Prozent

Der Verivox-Verbraucherpreisindex Strom liegt im Oktober 2010 bei einem Preis von 23,08 Cent pro Kilowattstunde. Für einen Musterhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 4.000 kWh ergeben sich daraus Stromkosten von durchschnittlich 923 Euro.

Ohne die Mehrwertsteuer liegt der Kilowattstundenpreis im Durchschnitt bei 19,40 Cent. Mit dem Anstieg der EEG-Umlage von 2,05 Cent auf 3,5 Cent kommen 1,45 Cent zum Nettopreis hinzu (20,85 Cent/kWh). Da die Mehrwertsteuer auch auf die Energiesteuern aufgeschlagen wird, ergibt dies einen Bruttopreis von 24,81 Cent/kWh. Für den Musterhaushalt erhöhen sich die jährlichen Stromkosten damit um 69 Euro auf durchschnittlich 992 Euro pro Jahr.

Warum steigt die EEG-Umlage so stark?

Der Hauptgrund für den Anstieg der EEG-Umlage ist der starke Ausbau der Erneuerbaren Energien, insbesondere der teuren Stromerzeugung aus Sonnenenergie. Der Anteil der Photovoltaik an der gesamten Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien ist niedrig. Im Jahr 2008 lag er laut Bundesnetzagentur bei etwa 6 Prozent. Dennoch verursacht die Solarenergie einen großen Teil der Gesamtkosten.

So wurden 2008 Mindestvergütungen von rund 9 Milliarden Euro für die Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien ausbezahlt. Davon gingen 2,2 Milliarden Euro an die Betreiber von Solaranlagen, was einem Anteil von rund 25 Prozent entspricht. Kurz gefasst: Ein Viertel der Gesamtkosten für den Ausbau der Erneuerbaren Energien wurde für ein Sechzehntel der tatsächlichen Ökostromproduktion ausgegeben.

„Der Ausbau der Erneuerbaren Energien ist eine ökonomisch und ökologisch sinnvolle Investition in die Zukunft. Doch bei der Solarenergie liegt eine Fehlsteuerung des Fördersystems vor. Die Subventionen werden nicht optimal eingesetzt“, sagt Peter Reese, Leiter Energiewirtschaft bei Verivox. „Hinzu kommt, dass der Staat durch die Mehrwertsteuer an den Ausgaben für die Erneuerbaren Energien mitverdient.“

Von den Geldern profitieren hauptsächlich süddeutsche Häuslebauer. Mehr als die Hälfte der Solarvergütungen (1,4 Milliarden Euro) floss 2008 nach Bayern und Baden-Württemberg.

Deutschland ist Solarweltmeister

In den letzten beiden Jahren fand ein beispielloser Zubau von Solarenergie statt. Im Jahr 2008 waren in Deutschland Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von rund 6 Gigawatt installiert. Im Jahr 2009 wurden 3,8 Gigawatt Leistung zugebaut. Bis August 2010 sind bereits weitere 4,8 Gigawatt installiert worden, was eine derzeitige Gesamtkapazität von rund 14,6 Gigawatt ergibt. Damit ist Deutschland klarer Solarweltmeister. Weltweit waren Ende 2009 insgesamt 22 Gigawatt Photovoltaikleistung installiert.

Laut Verbraucherzentrale Bundesverband wird der Sonnenstrom im nächsten Jahr ein Sechstel der gesamten Strommenge aus Erneuerbaren Energien ausmachen. Aufgrund der hohen Kosten dieser Art der Stromerzeugung werde die Photovoltaik aber fast die Hälfte der EEG-Umlage 2011 verschlingen.