Zins ist beim Kreditgeschäft nicht gleich Zins: Banken vergeben Zinsen für Privatkunden entweder als bonitätsunabhängigen Festzins – oder in Abhängigkeit von der Bonität des Kunden, die Banken aus der Einnahmen-Ausgaben-Rechnung, der Schufa-Auskunft usw. ableiten. Das kann für Kunden mit schlechter Bonität durchaus sinnvoll sein. Sie haben die Chance auf einen Kredit zu höheren Zinsen, den sie trotzdem noch zurückzahlen können. Bei einem Festzins würden sie vielleicht gar kein Angebot mehr erhalten. Wenn die Zinsen eines Darlehensvertrages jedoch deutlich über dem marktüblichen Durchschnitt liegen, handelt es sich um Wucherzinsen.

Inhalt dieser Seite
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Wann gilt ein Zinssatz als Wucherzins?
  3. Welche Rechtsfolgen hat Zinswucher?
  4. Wie hoch ist der marktübliche Zins?
  5. Sonderfall Restschuldversicherung
  6. Verwandte Themen
  7. Weiterführende Links
  8. Jetzt Kreditvergleich starten

Das Wichtigste in Kürze

  • Wucherzinsen liegen bei Privatkundenkrediten vor, wenn ein Zinssatz relativ um 100 Prozent oder absolut um 12 Prozentpunkte über dem marktüblichen Zins liegt.
  • Es handelt sich ebenfalls um Wucher, wenn Kreditgeber die Notsituation oder Unwissenheit eines Kreditnehmers zu ihrem Vorteil ausnutzen.
  • Verbraucher sind durch das Gesetz vor Wucher geschützt: Ein solches Kreditgeschäft ist sittenwidrig und nicht rechtskräftig.

Wann gilt ein Zinssatz als Wucherzins?

Es gibt keine gesetzlich festgelegte Obergrenze für Zinssätze – aber einen rechtlich vorgegebenen Rahmen für Kreditgeschäfte:

  • Subjektives Kriterium: Banken dürfen die Lebenssituation ihrer Kunden bei der Kreditvergabe nicht zu ihrem eigenen Vorteil ausnutzen. Dazu zählen laut Bürgerlichem Gesetzbuch (BGB §138) mangelndes Urteilsvermögen und Unerfahrenheit des Kreditnehmers oder die Ausbeutung in Zwangslagen.
  • Objektives Kriterium: Zinswucher liegt vor, wenn der vertraglich festgelegte Zins relativ um 100 Prozent (also doppelt so hoch) oder absolut um 12 Prozentpunkte über dem Marktzins liegt. Leistung und Gegenleistung stehen bei einem solchen Darlehensvertrag in einem Missverhältnis – zulasten des Kreditnehmers.

Welche Rechtsfolgen hat Zinswucher?

Treffen die objektiven und subjektiven Kriterien für Zinswucher zu, so ist der Kreditvertrag sittenwidrig. Das Gesetz schützt Kreditnehmer vor derartigen Darlehensverträgen – und erklärt sie für nichtig und nicht rechtsgültig.

  • Für Kreditgeber kann dies strafrechtliche Folgen haben, sofern sie die Situation des Kreditnehmers ausgenutzt haben.
  • Für Kreditnehmer entfallen die Zinsen. Sie müssen nur die reine Kreditsumme an den Kreditgeber zurückzahlen.

Bei Krediten, die im Ausland abgeschlossen wurden, gilt die Rechtsprechung des jeweiligen Landes.

Wie hoch ist der marktübliche Zins?

Wucherzinsen werden im Verhältnis zum marktüblichen Zins festgestellt – doch wie hoch ist dieser marktübliche Zinssatz? Früher galt der sogenannte Schwerpunktzins der Bundesbank als Vergleichsmaßstab. Seit 2003 bieten die Zinsstatistiken der Europäischen Zentralbank (EZB) eine Orientierung.

Verdacht auf Zinswucher liegt vor, wenn der effektive Jahreszins eines Kreditvertrages nach den oben genannten Kriterien von den Durchschnittszinsen abweicht. Zusätzliche Kosten, die den Kreditnehmer belasten, werden dabei mit eingerechnet – beispielsweise weitere Bearbeitungs- oder Antragsgebühren.

In den letzten Jahren gingen die Zinsen für Ratenkredite kontinuierlich nach unten – Kredite wurden damit für Kreditnehmer insgesamt günstiger. Seit 2017 liegen die durchschnittlichen Zinsen, die zwei Drittel aller Kreditnehmer bei Ratenkrediten erhalten, bei 5 Prozent oder darunter.

Sonderfall Restschuldversicherung

Eine Restschuldversicherung kann Kreditnehmer absichern, wenn sie die Raten – beispielsweise durch Krankheit oder Todesfall – nicht mehr zahlen können. Eine solche Versicherung macht den Kredit aber auch teurer und erhöht damit die finanzielle Belastung für den Kreditnehmer. Eine teure Restschuldversicherung kann unter Umständen dazu führen, dass ein Kreditvertrag zu stark von den marktüblichen Zinssätzen abweicht.

Da die Versicherung als vermögenswirksame Leistung gilt, muss sie außerdem zur Hälfte an die Bank zurückerstattet werden – auch wenn der Kreditvertrag als sittenwidrig eingestuft wurde und damit nicht rechtsgültig ist.

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