Kredit kündigen: Das müssen Sie beachten

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Das Thema „Kredit kündigen“ muss man aus zwei Perspektiven betrachten. Zum einen aus der Sicht des Darlehensnehmers, der sein Darlehen umschulden oder zurückzahlen möchte. Zum anderen aus der Sicht der Bank, wenn der Darlehensnehmer den Kredit nicht vereinbarungsgemäß zurückzahlt. Interessanter für Verbraucher ist natürlich die Frage, was es damit auf sich hat, wenn sie den Kredit selbst kündigen möchten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Wer einen Kredit kündigen möchte, sollte sich vorher über die Höhe der Vorfälligkeitsentschädigung informieren.
  • Bei einer Umschuldung rentiert sich die Kreditkündigung nur, wenn die Zinsen für das neue Darlehen und die Vorfälligkeitsentschädigung in der Summe niedriger ausfallen als die Zinsen für den bestehenden Kredit.
  • Eine bestehende Restschuldversicherung muss gesondert gekündigt werden.
  • Vor einer drohenden Kreditkündigung durch die Bank sollte der Darlehensnehmer das Gespräch mit dem Institut suchen.

Warum kann einen Kredit kündigen sinnvoll sein?

Das beste Darlehen ist kein Darlehen. Steht einem Kreditnehmer unvermittelt ein größerer Betrag zur Verfügung, kommt häufig der Gedanke ins Spiel, ein laufendes Darlehen ganz oder zumindest teilweise vorzeitig abzulösen, um die Zinsen zu sparen.

Die Kosten einer Kreditkündigung

Der Gedanke ist durchaus nachvollziehbar, allerdings steht der Bank in diesem Fall eine Vorfälligkeitsentschädigung als Ausgleich für die entgangenen Zinsen zu. Bei einem klassischen Ratenkredit beträgt die Vorfälligkeitsentschädigung für eine Restlaufzeit von mehr als zwölf Monaten ein Prozent der vorzeitig zurückgezahlten Kreditsumme. Liegt die Restlaufzeit unter einem Jahr, sind es noch 0,5 Prozent.

Handelt es sich um eine Baufinanzierung, kann die Bank zwischen unterschiedlichen Ermittlungswegen für die Berechnung wählen. Darlehensnehmer sollten diese Berechnung aber grundsätzlich durch einen Verbraucherschutzverein prüfen lassen. Die Verbraucherzentrale Hamburg berichtet, dass die Berechnungen der Banken in vielen untersuchten Fällen korrekturbedürftig waren.

Für Baufinanzierungen gilt eine Besonderheit. Beträgt die Zinsbindungsfrist mehr als zehn Jahre, hat der Kreditnehmer mit einer Frist von sechs Monaten zum Ende des zehnten Vertragsjahres das Recht, den Vertrag kostenlos zu kündigen.

Muss ich den Kredit selbst kündigen?

Möchte der Darlehensnehmer den Kredit auflösen, muss dies von ihm ausgehen. Die Bank hat in der Regel kein Interesse daran, ein Darlehen, welches ordnungsgemäß bedient wird, vorzeitig aufzulösen. Natürlich kann der Kreditnehmer einen Rechtsanwalt beauftragen, die Kündigung in seinem Namen auszusprechen. Kam das Darlehen über einen Finanzmakler zustande und es liegt ein Maklerauftrag vor, kann der Vermittler namens des Kunden den Kreditvertrag kündigen.

Die Kündigung kann formlos sein, muss aber schriftlich erfolgen. Ganz wichtig ist, dass neben der Darlehensnummer auch das Datum, zu dem der Kredit enden soll, angegeben wird, falls der Kreditnehmer mehr als einen Kredit bei der Bank unterhält.

Kreditvertrag kündigen bei Umschuldung

Im Vorfeld lohnt es sich jedoch, sich von der Bank die Höhe der Vorfälligkeitsentschädigung zum geplanten Kündigungstermin mitteilen zu lassen. Dies ist insbesondere dann empfehlenswert, wenn es sich um eine Umschuldung handelt. Diese ist nämlich nur dann sinnvoll, wenn die Gesamtbelastung aus Zinsen für den neuen Kredit und die Vorfälligkeitsentschädigung in der Summe niedriger ausfällt als der bisherige Zinsaufwand.

Schloss der Kreditvertrag eine Restschuldversicherung mit ein, muss die Kreditkündigung der Versicherungsgesellschaft ebenfalls angezeigt werden. Nur so kann der Kreditnehmer die überzahlte Versicherungsprämie zurückfordern. Nicht jeder Versicherer kommt dieser Aufforderung direkt nach, sondern beruft sich auf Kündigungsfristen. Diese sind jedoch hinfällig, da der Geschäftszweck der Restschuldversicherung, die Restschuld, mit der Kreditkündigung hinfällig wird.

Kreditkündigung seitens der Bank

Der Begriff „Kreditkündigung“ greift meist, wenn die Kündigung des Darlehens von der Bank ausgesprochen wird. Dies ist der Fall, wenn der Darlehensnehmer seinen Verbindlichkeiten nicht ordnungsgemäß nachkommt. Eine Kreditkündigung kommt am häufigsten in Zusammenhang mit Dispokrediten vor.

Wurde der Dispo über den vereinbarten Rahmen über längere Zeit überzogen, stellt die Bank die ungenehmigte Überziehung „fällig“. Das heißt, der Kontoinhaber erhält ein Schreiben, dass er innerhalb einer bestimmten Frist, meist zehn Werktage, den Dispo wieder auf die vereinbarte Summe zurückführen muss.

Da Dispositionskredite im Vergleich zu einem Ratenkredit deutlich teurer sind, empfiehlt es sich von vornherein, bei absehbar längerer Inanspruchnahme gleich auf einen Ratenkredit auszuweichen.

Was tun bei einer Kreditkündigung?

Eine Kreditkündigung seitens der Bank erfolgt jedoch nicht ohne Weiteres. Die Bank darf von ihrem außerordentlichen Kündigungsrecht nur Gebrauch machen, wenn die ordnungsgemäße Rückzahlung des Kredites gefährdet ist. Dafür kann es zwei Gründe geben:

  • Der Kreditnehmer ist bereits mit einigen Raten im Verzug.
  • Die Bank hat Kenntnis davon, dass sich die wirtschaftlichen Verhältnisse des Darlehensnehmers nachweislich signifikant verschlechtert haben und damit die Rückzahlung gefährdet ist.

Beide Sachverhalte sind jedoch auch dem Kreditnehmer bekannt. Es empfiehlt sich daher in beiden Fällen, das Gespräch mit der Bank zu suchen. Gerade bei einer Baufinanzierung haben die Kreditinstitute ein größeres Interesse daran, einen gemeinsamen Weg mit dem Kunden zu finden, als die langwierige Zwangsversteigerung zu betreiben.