Handelsblatt: Versicherer wollen Tennet-Stromnetz kaufen

13.08.2012 | 13:47

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: dpa-AFX

Düsseldorf/München - Laut einem Bericht des "Handelsblatt" liebäugeln die Versicherungskonzerne  Allianz und Munich Re mit dem Kauf des Tennet-Stromnetzes. Die Bundesregierung ist nach Angaben des Blattes "sehr erfreut" über das Interesse der Versicherer.

Europas größter Versicherer und der größte Rückversicherer der Welt hätten bereits im Bundeswirtschaftsministerium vorgefühlt, schreibt das "Handelsblatt" (Montag) unter Berufung auf Verhandlungskreise. Eine Sprecherin der Munich Re sagte dazu auf Nachfrage: "Ich kann den Bericht so nicht bestätigen."

Tennet müsste 15 Milliarden Euro in die Anbindung der Offshore-Windparks investieren. Als milliardenschwere Großanleger suchen die Versicherer in Zeiten niedriger Zinsen nach stabilen und verlässlichen Anlagemöglichkeiten. Ein Allianz-Sprecher sagte, dass der Versicherer das Thema Stromnetze allgemein für spannend halte.

Thema Stromnetze attraktiv für Versicherer

Auch die Munich Re kann sich "ganz generell" weitere Investitionen in Infrastruktur gut vorstellen. Da die Regierung für Investitionen in Netze hohe Renditen garantiert, erscheine das Geschäft für die Konzerne interessant.

Der Rückversicherer ist bereits an Amprion, einem der drei weiteren deutschen Übertragungsnetzbetreiber, beteiligt. Die Allianz hatte schon Anfang des Jahres eine Milliarde Euro in Infrastruktur investiert. Außerdem stecken beide Unternehmen zunehmend Geld in Solar- und Windparks.

Tennet mit Netzanbindung überfordert

Laut "Handelsblatt" ist die Bundesregierung "sehr erfreut" über das Interesse der Versicherer. Denn in Berlin wachse die Unzufriedenheit mit Tennet. Das Unternehmen mit niederländischer Mutter räumt offen ein, mit der Finanzierung der Netzanbindung für die Offshore-Windparks in der Nordsee überfordert zu sein. Doch ohne die Windparks auf hoher See kann die Energiewende nicht gelingen.

Dort soll bis 2020 eine Kapazität von 10.000 Megawatt entstehen. Das entspricht einer installierten Leistung von zehn Kernkraftwerken. Das letzte Kernkraftwerk soll im Jahr 2022 vom Netz. Die Regierung dränge Tennet, das deutsche Netz zu verkaufen, weclhes das Unternehmen erst im Jahr 2010 vom deutschen Versorger E.ON übernommen hatte, schreibt das "Handelsblatt".

Plan B ohne Tennet, dafür mit Allianz und Munich Re

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler wolle das Thema in dieser Woche in den Niederlanden bei seinem Amtskollegen Maxime Verhagen ansprechen. Der Zeitung zufolge arbeitet Röslers Ministerium bereits an einem Plan B. In diesem komme Tennet nicht mehr vor, Munich Re und Allianz dagegen schon.

Strom- und Gasnetze sind für institutionelle Anleger äußerst interessant: Für Neuinvestitionen in Netze hat die Bundesnetzagentur eine Eigenkapitalverzinsung von 9,05 Prozent festgelegt, um Investoren anzulocken. In Zeiten, in denen zehnjährige Bundesanleihen nur noch wenig mehr als ein Prozent Rendite abwerfen, ist das sehr lukrativ. Die Allianz hat sich für ihre Investitionen in Infrastruktur ein Renditeziel von 8 bis 9 Prozent gesetzt.

Probleme bereiten Investoren noch ungeklärte Haftungsfragen: Wer trägt etwa das Risiko, wenn die Netzanbindung eines Offshore-Windparks nicht rechtzeitig steht, der Park aber schon produziert? Die Regierung arbeitet deshalb unter Hochdruck an Haftungsregeln. Ein Teil der Risiken soll sozialisiert werden, bezahlen müssen also die Stromkunden. Damit wäre der Einstieg in das Geschäft für Allianz oder Munich Re noch attraktiver. Allerdings müssen die Windparks und die Stromleitungen auf hoher See nicht nur finanziert, sondern auch versichert werden. Bisher hält sich die Versicherungsbranche mit solchen Angeboten zurück, auch weil die Risiken angesichts fehlender Erfahrungswerte schwer abzuschätzen sind.