Baulastenverzeichnis

Wer ein Grundstück kauft, wird in den meisten Fällen einen Blick ins Baulastenverzeichnis werfen wollen. Hierfür wenden sich die Kaufinteressenten mit einer mündlichen oder schriftlichen Anfrage an die zuständige Bauaufsichtsbehörde. Warum ist das wichtig und was steht im Baulastenverzeichnis?

Inhalt dieser Seite
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Definition: Was ist das Baulastenverzeichnis?
  3. Wer ist für das Baulastenverzeichnis zuständig?
  4. Baulastenverzeichnis vs. Grundbuchauszug: der Unterschied
  5. Wer darf das Baulastenverzeichnis einsehen?
  6. Baulastenverzeichnis rechtzeitig einsehen
  7. Was kostet es, das Baulastenverzeichnis einzusehen?
  8. So wird eine Einsicht ins Baulastenverzeichnis beantragt
  9. Verwandte Themen
  10. Weiterführende Links
  11. Baufinanzierung

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Baulastenverzeichnis ist eine amtliche Ergänzung zum Grundbuch, das sämtliche Baulasten auflistet, die auf dem jeweiligen Grundstück „lasten“.
  • Bei der Baulast handelt es sich um eine öffentlich-rechtliche Verpflichtung des Grundstücksbesitzers gegenüber der Bauaufsichtsbehörde.
  • Die Bauaufsichtsbehörden der Bundesländer sind für die Verwaltung der Baulastenverzeichnisse zuständig. Eine Ausnahme ist Bayern: Hier ist das Grundbuchamt verantwortlich.
  • Eine mündliche Auskunft über das Baulastenverzeichnis ist meistens kostenlos. Eine schriftliche Auskunft ist gebührenpflichtig und kostet in der Regel zwischen 20 und 150 Euro.

Definition: Was ist das Baulastenverzeichnis?

Das Baulastenverzeichnis ist eine amtliche Ergänzung zum Grundbuch. Es listet alle etwaigen Baulasten auf, die auf einem Grundstück „lasten“. Eine Baulast ist eine sogenannte dingliche Last, also eine öffentlich-rechtliche Verpflichtung des Grundstücksbesitzers gegenüber der Bauaufsichtsbehörde. Es gibt verschiedene Arten von Baulasten. Zum Beispiel:

  • Die Abstandsflächenbaulast: Der Abstand zum Nachbargrundstück muss eingehalten werden.
  • Die Anbaubaulast: Ein Gebäude, das an eine Straße grenzt, muss mit dem nächsten Gebäude in einer geschlossenen Front anschließen.
  • Die Stellplatzbaulast: Stellplätze von Dritten müssen auf dem Grundstück geduldet werden.

Wer ist für das Baulastenverzeichnis zuständig?

In der Regel sind die Bauaufsichtsbehörden der Gemeinden, Landkreise und Städte für das Baulastenverzeichnis zuständig. Das Bundesland Bayern ist eine Ausnahme: Hier ist das Grundbuchamt für die Verwaltung des Baulastenverzeichnisses verantwortlich. Dieses trägt die Baulasten einfach in das Grundbuch ein. Zwischen den Jahren 1994 und 2016 war dies auch im Bundesland Brandenburg der Fall.

Baulastenverzeichnis vs. Grundbuchauszug: der Unterschied

Das Grundbuch hält die privaten Eigentumsverhältnisse eines Grundstücks und die Rechte Dritter am jeweiligen Grundstück fest. Diese Informationen können im Grundbucheintrag eingesehen werden. Das Baulastenverzeichnis informiert ausschließlich über etwaige Baulasten eines Grundstücks. Die darin enthaltenen Angaben sind grundsätzlich nicht im Grundbuchauszug zu finden.

Wer darf das Baulastenverzeichnis einsehen?

In der Regel gewährt die Bauaufsichtsbehörde, beziehungsweise in Bayern das Grundbuchamt, nur ausgewählten Personen eine Einsicht ins Baulastenverzeichnis. Dazu zählt in erster Linie der Eigentümer des Grundstücks oder ein bevollmächtigter Grundstücksmakler. Auch Kaufinteressenten können das Baulastenverzeichnis ihres Wunsch-Grundstücks einsehen. Hierfür muss der Grundstücksbesitzer vorab eine Vollmacht ausstellen. Eine grundsätzliche Voraussetzung ist, dass ein berechtigtes Interesse für die Einsicht ins Baulastenverzeichnis vorliegen muss.

Kaufinteressenten sollten das Baulastenverzeichnis rechtzeitig einsehen

Für die Kaufinteressenten eines Grundstücks ist eine rechtzeitige Einsicht ins Baulastenverzeichnis sehr zu empfehlen. Im Idealfall werfen sie noch vor der Unterzeichnung des Kaufvertrages einen Blick ins Baulastenverzeichnis ihres Wunsch-Grundstücks. Dies ist aus den folgenden Gründen wichtig:

  • Die Kaufinteressenten können feststellen, ob und welche Baulasten bestehen.
  • Die Kaufinteressenten können den geforderten Kaufpreis des Grundstücks besser einordnen.
  • Die Kaufinteressenten können prüfen, ob sich ihr Bauvorhaben tatsächlich realisieren lässt.

Was kostet es, das Baulastenverzeichnis einzusehen?

Für eine mündliche Auskunft über das Baulastenverzeichnis erhebt die Bauaufsichtsbehörde beziehungsweise das Grundbuchamt keine oder nur eine geringe Gebühr, die sich nach der Bearbeitungszeit richtet. Eine schriftliche Auskunft ist gemäß der Baugebührenordnung gebührenpflichtig. Die Kosten sind von Bundesland zu Bundesland und von Behörde zu Behörde unterschiedlich. Oftmals liegen sie zwischen 20 bis 150 Euro. Einheitliche Preise für eine schriftliche Auskunft über das Baulastenverzeichnis gibt es nicht. Das Baulastenverzeichnis lässt sich nicht im Internet einsehen.

So wird eine Einsicht ins Baulastenverzeichnis beantragt

Die schriftliche Auskunft über das Baulastenverzeichnis wird nur auf einen schriftlichen Antrag hin erteilt. Manche Gemeinden stellen ein Antragsformular für die Einsicht ins Baulastenverzeichnis online zur Verfügung. Bei der Anfrage sollten die Antragsteller auf Folgendes achten:

  • Die Antragsteller müssen das abzufragende Grundstück explizit bezeichnen.
  • Die Antragsteller müssen in jedem Fall Straße und Hausnummer des Grundstücks nennen. Gegebenenfalls ist auch der Flur oder das Flurstück relevant.
  • Die Antragsteller müssen eine Vollmacht des Eigentümers oder einen Eigentümernachweis in Form eines Grundbuchauszugs beziehungsweise Kaufvertrags als Kopie beifügen.

Im Anschluss senden die Antragsteller den ausgefüllten und unterschriebenen Antrag per E-Mail an die zuständige Bauaufsichtsbehörde in der jeweiligen Gemeinde, im Landkreis oder der Stadt.

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