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Gaspreise sinken nur wenig - trotz billigen Öls

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox | dpa

Hamburg - Die Ölpreise sind seit Monaten im Sinkflug, doch die Gaspreise wurden nur gering gesenkt. Die enge Kopplung der Preise der beiden Rohstoffe ist Geschichte.

Es ist gerade mal ein Jahr her. Vor knapp zwölf Monaten fiel der Preis für Nordsee-Öl der Sorte Brent erstmals nach etlichen Monaten unter die Marke von 100 Dollar für ein Barrel (159 Liter). Das war der Beginn einer steilen Talfahrt. In diesem Sommer kostet Rohöl weniger als 50 Dollar je Barrel. Auch viele andere industrielle Rohstoffe verloren an Wert, etwa Kupfer oder Eisenerz. Ebenso wie Öl sind sie so billig wie seit mehreren Jahren nicht mehr, gemessen am HWWI-Rohstoffpreisindex.

Auch Erdgas wurde günstiger. Im vergangenen Jahr mussten die deutschen Importeure im Durchschnitt noch 6.538 Euro für ein Terajoule (TJ) Erdgas bezahlen, im Mai dieses Jahres nur noch 5.686 Euro, nach den Zahlen des Bundesamtes für Wirtschaft. Das ist ein Rückgang um gut 13 Prozent und durchaus beachtlich. Aber doch weniger als bei anderen Rohstoffen. Zum Vergleich: Rohöl verbilligte sich, ebenfalls gerechnet in Euro, innerhalb eines Jahres um rund 40 Prozent.

Ölpreisbindung mittlerweile Geschichte

"Öl spielt nach wie vor seine Rolle als Leitprodukt für die Energiemärkte", sagt Rainer Wiek vom Energie-Informationsdienst EID in Hamburg. "Aber diese Rolle ist längst nicht mehr so dominant wie in früheren Jahren." Vor fünf bis zehn Jahren galt noch die Ölpreisbindung in Deutschland. Das hatte historische Gründe, die mehr als 50 Jahre zurückreichen. Damals ging es darum, die erheblichen Investitionen in Gas-Pipelines, Lager und Infrastruktur abzusichern.

Von den Gasquellen in Russland über die Fernhändler und die Energieversorger bis zum Endkunden wurden Gasverträge mit Preisklauseln abgeschlossen, die auf Rohöl oder Ölprodukte Bezug nahmen. Die Lieferverträge hatten Laufzeiten über Jahrzehnte. Frei verfügbare Mengen gab es kaum.

Das ist weitgehend vorbei. Längst gibt es Spotmärkte, mehr Konkurrenz, verflüssigtes Erdgas (LNG), Energiebörsen wie die EEX in Leipzig, überschüssige Mengen und neue Akteure. Wettbewerb ist eingezogen auf dem Gasmarkt. "Für den Verbraucher ist es letztlich besser, wenn diese unnatürliche Preisbindung zu Ende geht", sagt Florian Krüger vom Verbraucherportal Verivox. Wenn das Öl wieder teurer werde, müsse der Gaspreis nicht mitziehen. Tatsächlich war Gas während der mehrjährigen Hochpreisphase des Öls als Brennstoff deutlich günstiger für die Verbraucher. Das ist nun vorbei. 

Gaspreise für Endkunden sinken nur leicht

Gegenwärtig sind viele Gaskunden frustriert, weil sie wenig spüren von den sinkenden Energiepreisen. Während Heizöl bei einem aktuellen Preis von rund 56 Euro für 100 Liter (bei Abnahme von 3000 Litern, inkl. MwSt) um rund 29 Prozent günstiger ist als vor einem Jahr, beträgt der Rückgang beim Erdgas gerade einmal zwei Prozent. Der Verivox-Verbraucherpreisindex steht aktuell bei 6,37 Cent je Kilowattstunde und hat sich damit nur hinter dem Komma geringfügig verändert. Durchgreifende Besserung ist nicht in Sicht. Von August bis September haben 23 Versorgungsunternehmen angekündigt, dass sie ihre Preise senken wollen - von 710, die Verivox beobachtet. Das Ausmaß der vorgesehenen Preissenkungen liegt bei knapp fünf Prozent.

Zu welchen Konditionen sich die einzelnen Versorgungsunternehmen mit Gas versorgen, gehört zu ihren Geschäftsgeheimnissen. Langfristige Verträge mit Bezug auf die Preise von Rohöl oder Heizöl spielen im Markt durchaus noch eine Rolle.

Anbieterwechsel kann Kosten spürbar senken

"Doch für den Endverbraucher bilden sich die Preise im Wettbewerb", sagt ein Sprecher des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) in Berlin. Die Kunden könnten in den meisten Regionen unter rund 100 Anbietern auswählen.Die unterscheiden sich oft nicht nur in den Preisen, sondern versuchen sich auch mit unterschiedlichen Leistungen von der Konkurrenz abzusetzen. "Die Verbraucher können sich informieren und dann das geeignete Angebot auswählen."

Für einen Vierpersonenhaushalt gilt ein durchschnittlicher Jahresverbrauch von 20.000 kWh. Familien, die noch nie den Versorger gewechselt haben und das günstigste verfügbare Angebot (ohne Vorauskasse) wählen, können mit diesem Verbrauch nach Daten von Verivox derzeit bis zu 600 Euro pro Jahr einsparen.