Gaskosten 2021 steigen wegen CO2-Preis stark an

18.11.2020 | 08:58

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Heizen mit Gas wird im kommenden Jahr für Millionen Haushalte in Deutschland deutlich teurer. Die Kosten steigen durchschnittlich um 7,1 Prozent. Das zeigt eine Auswertung des Vergleichsportals Verivox. Neben höheren Netzgebühren treibt der neue CO2-Preis die Gasrechnung nach oben.

Gaspreise steigen um bis zu 10 Prozent an

Zum Jahreswechsel haben bisher 104 Gas-Grundversorger Preiserhöhungen von durchschnittlich 7,1 Prozent angekündigt. Für einen Musterhaushalt mit einem Gasverbrauch von 20.000 Kilowattstunden bedeutet das Mehrkosten in Höhe von rund 100 Euro pro Jahr.

Regional gibt es jedoch deutliche Unterschiede. So steigen die Preise in Berlin in der Grundversorgung um 9,7 Prozent. Gaskunden müssen hier Mehrkosten von 134 Euro einplanen. Überdurchschnittlich stark fallen die Preiserhöhungen auch in Rheinland-Pfalz (+ 8,9 Prozent), in Bayern (+ 7,7 Prozent) und in Hessen (7,5 Prozent) aus.

Während aus Bremen und Hamburg bisher keine Preiserhöhungen gemeldet wurden, steigen die Gaspreise in Sachsen-Anhalt (+2,2 Prozent) und im Saarland (+3,7 Prozent) vergleichsweise gering.

Zwei von bundesweit 712 Gas-Grundversorgern wollen aktuell ihre Preise um durchschnittlich 1,3 Prozent senken.

Bundeslandübersicht der Gaspreiserhöhungen

Netzgebühren und CO2-Preis treiben Gaspreis

Grund für die stark steigenden Gaspreise ist vor allem der neue CO2-Preis: Ab Januar 2021 werden Unternehmen aus den Bereichen Wärme und Verkehr verpflichtet, Verschmutzungsrechte für die von ihnen in Umlauf gebrachte Energie zu kaufen. Pro Tonne werden zunächst 25 Euro fällig.

Gleichzeitig steigen die Gasnetzgebühren zum Jahreswechsel um durchschnittlich 2 Prozent an. Einen leicht preisdämpfenden Effekt haben die gesunkenen Großhandelspreise. Der Importpreis, der vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) erhoben wird, ist seit Januar 2020 um mehr als ein Drittel gefallen.

„Wir stehen am Anfang einer Gaspreiswelle“, sagt Thorsten Storck, Energieexperte von Verivox. „Durch den neuen CO2-Preis, der ab Januar auf den Ausstoß klimaschädlicher Gase fällig wird, kommen viele Versorger in Zugzwang, die Mehrkosten an ihre Kunden weiterzureichen“, so Storck weiter. „Da der CO2-Preis Jahr für Jahr weiter angehoben wird, werden Verbraucher sich langfristig auf immer weiter steigende Heizkosten einstellen müssen.“

Verbraucher haben ein Sonderkündigungsrecht

Gasanbieter haben noch bis zum 20. November Zeit, Preisänderungen an ihre Kunden weiterzugeben. Wer ein solches Schreiben erhält, hat ein gesetzliches Sonderkündigungsrecht. Das bedeutet, Verbraucher können in der Regel ohne Einhaltung einer Frist aus dem Vertrag und zu einem günstigeren Anbieter wechseln. Das kann sich lohnen. Wer bei Gas noch im Grundversorgungstarif steckt, zahlt bei einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden 1.464 Euro im Jahr. Die gleiche Menge gibt es beim günstigsten Tarif mit verbraucherfreundlichen Konditionen schon für 819 Euro – eine Ersparnis von 645 Euro.

Methodik

Verivox hat die verfügbaren veröffentlichungspflichtigen Gaspreise der rund 700 örtlichen Grundversorger in Deutschland ausgewertet. In den von Erhöhungen betroffenen Gebieten leben rund 10 Millionen Haushalte. Doch nicht alle Haushalte heizen mit Gas und sind in der Grundversorgung. Laut dem aktuellen Monitoringbericht der Bundesnetzagentur findet sich 26 Prozent der privaten Gaskunden im Grundversorgungstarif, 44 Prozent haben einen anderen Tarif beim örtlichen Grundversorger. 30 Prozent sind bei einem Anbieter, der nicht der örtliche Grundversorger ist.