Prepaid-Stromzähler

Seit 2012 haben Energieunternehmen damit begonnen, Prepaid-Stromzähler in ihr Angebot aufzunehmen. Verschiedene politische Parteien wollen die Stromzähler gezielt für finanzschwache Personengruppen fördern. Mehrere Umweltverbände sowie sozial engagierte Gruppen sprechen sich jedoch gegen die Prepaid-Zähler aus. Bisher (Stand: März 2018) sieht es so aus, als würden sich die Geräte nicht durchsetzen. Laut Bundesnetzagentur waren im Jahr 2017 knapp 20.000 Vorauskasse-Systeme bundesweit installiert, was weniger als 0,04 Prozent aller Stromabnahmestellen ausmacht.

Inhalt dieser Seite
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Wie funktioniert ein Prepaid-Stromzähler?
  3. Vorteile der Prepaid-Stromzähler
  4. Nachteile der Prepaid-Stromzähler
  5. Verwandte Themen
  6. Weiterführende Links
  7. Jetzt Stromtarif sichern

Das Wichtigste in Kürze

  • Kunden zahlen im Voraus: Bei einem Prepaid-Stromzähler erwerben Kunden eine Karte mit einem bestimmten Guthaben
  • Der Haushalt wird mit Energie versorgt, bis das Guthaben der Karte aufgebraucht ist, die in den Zähler gesteckt wird
  • Vorteile: Anpassung an finanzielle Situation, Preiskontrolle, saubere Abrechnung bei Wohnungswechsel
  • Nachteile: Wenige Verkaufsstellen, wirtschaftlich Schwache werden des erhöhten Stromverbrauchs indirekt beschuldigt

Wie funktioniert ein Prepaid-Stromzähler?

Aus dem Englischen übersetzt bedeutet "prepaid" wörtlich "vorausgezahlt". Das Wort wird im Deutschen mit "Guthaben" gleichgesetzt. Bei einem Prepaid-Stromzähler erwerben Kunden eine Karte mit einem bestimmten Guthaben – genau wie bei einem Prepaid-Tarif fürs Smartphone. Die Karte kann in den Stromzähler eingeführt werden, der darauf die Energiezufuhr freigibt. Der Haushalt wird anschließend mit Energie versorgt, bis das Guthaben aufgebraucht ist. Kunden zahlen also im Voraus.

Die heutigen Prepaid-Stromzähler haben eine lange Geschichte. Bereits vor über 100 Jahren wurden Kassier- beziehungsweise Münzzähler verwendet. Auch heute noch werden viele Prepaid-Stromzähler mit Münzen bezahlt. Bei anderen Modellen ist eine Bezahlung online möglich. In diesem Fall erhält der Kunde einen Code, den er am Gerät eintippen kann. Wer Strom noch bequemer beziehen möchte, kann mit einem Stromvergleich günstige Stromtarife finden, ohne regelmäßig Guthaben aufladen zu müssen.

Vorteile der Prepaid-Stromzähler

Befürworter der Prepaid-Stromzähler führen vor allem zwei große Vorteile der Geräte ins Feld. Zum einen sorgen die Zähler dafür, dass auch Kunden mit hohen Schulden, die ihre Stromrechnung lange nicht bezahlen konnten, wieder mit Energie versorgt werden können. Manche Anbieter regeln das so, dass sie den Strompreis für den Kunden leicht anheben, bis seine Schulden durch diesen Zusatzbetrag abgebaut sind. Da das Guthaben auch um kleinere Beträge aufgefüllt werden kann, würden sie damit finanziell weniger überfordert als mit einer monatlichen Rechnung in dreistelliger Höhe. Sozial Schwächere könnten sich genau so viel Guthaben kaufen, wie es ihre finanzielle Situation erlaube.

Als Vorteil Nummer zwei wird die Preiskontrolle angeführt, welche die Prepaid-Stromzähler ermöglichen. Vereinfacht gesagt: Durch den Kauf des Guthabens ist sichergestellt, dass Kunden keinesfalls mehr Strom verbrauchen als sie auch bezahlt haben. Mit dem Wegfall der Stromsperren müssen die Kunden auch deren Kosten nicht mehr tragen, die im dreistelligen Bereich liegen können. Zudem hat der Kunde eine Preisgarantie für die Zeit des Guthabens, denn auf der Karte ist auch die Information gespeichert, welche Summe der Zähler pro Kilowattstunde vom Guthaben abziehen soll.

Weitere kleine Vorteile, die oft genannt werden, sind vor allem technischer Natur. Bei einem Wohnungswechsel ist zum Beispiel eine saubere Abrechnung ohne Probleme möglich, da man im Zweifel einfach die Karte zieht. Alternativ kann das Restguthaben an den Neubesitzer oder Nachmieter der Wohnung beziehungsweise des Hauses verkauft werden.

Nachteile der Prepaid-Stromzähler

Der erste Nachteil liegt auf der Hand: Um nicht im Dunkeln sitzen zu müssen, wenn das Guthaben aufgebraucht ist, müssen Kunden ihren Stromverbrauch ständig überprüfen und rechtzeitig neues Guthaben besorgen. Doch es gibt bislang nur wenige Verkaufsstellen für die Guthabenkarten, die zudem nicht sonderlich transparent ausgeschrieben sind. Eine Online-Aufladung per Code wäre für Viele die unkomplizierte Alternative, doch etwa 10 Prozent der deutschen Haushalte haben keinen Internetzugang. Wer außerdem das Guthaben nicht rechtzeitig auffüllt, kann unter Umständen mangels Strom nicht mehr auf das Internet zugreifen.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die Geräte insbesondere arme Menschen in ein schlechtes Licht rücken könnten. Politisch beabsichtigt ist, dass die Stromzähler den Menschen beim Energie sparen helfen sollen. Die implizierte Annahme, dass wirtschaftlich schwache Personen unnötigerweise zu viel Energie verbrauchen, stößt jedoch auf berechtigte Kritik. So hat das Wuppertal Institut beispielsweise festgestellt, dass ärmere Bevölkerungsschichten objektiv weniger Energie verbrauchen als wohlhabendere Stromkunden. Dies sei allerdings nicht sichtbar, weil Sozialbauten oft nicht über moderne, effiziente Hausanlagen verfügen. Die Zähler können also kaum beim Stromsparen helfen, wenn die vorhandene Technik dies nicht unterstützt.

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