Zinsentwicklung und Zinsprognose für Spar- und Kreditzinsen

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Das Wichtigste in Kürze

  • Die Zinsentwicklung ist stark vom Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) beeinflusst.
  • Der EZB-Leitzins beeinflusst Spar- und Kreditzinsen in etwa gleicher Weise.
  • Seit Herbst 2016 liegen die Sparzinsen deutlich unter der Inflationsrate.
  • Aktuell spricht wenig dafür, dass allzu bald die Zinsen steigen. Im Gegenteil: Zuletzt hat die EZB ihre Geldpolitik sogar noch weiter gelockert.
  • Sparer sollten ihre Ersparnisse möglichst hoch verzinst anlegen. Top-Tagesgeldangebote bringen derzeit 0,4 Prozent, die besten 2-jährigen Festgelder sind mit 1,2 Prozent verzinst.

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+++ Dieser Ratgeber wird regelmäßig aktualisiert. Die genannten Zinssätze und Charts geben den aktuellen Stand im Februar 2020 wieder. Spätere Entwicklungen sind noch nicht berücksichtigt. +++

Seit Jahren schon sind die Zinsen auf Talfahrt. Sparer leiden unter den niedrigen Zinsen. Häuslebauer und Kreditnehmer hingegen freuen sich über die Zinsentwicklung der letzten Jahre. Doch wann steigen die Zinsen wieder? Wir zeigen die Zinsentwicklung der letzten Jahre und Monate im Zinsschart. Unsere Zinsprognose unterstützt Sie dabei, die künftige Entwicklung von Tagesgeld-, Festgeld- und Kreditzinsen richtig einzuschätzen.

Leitzins beeinflusst Spar- und Kreditzinsentwicklung

Die Zinsentwicklung verläuft bei Spar- und bei Kreditzinsen sehr ähnlich. Sie unterscheiden sich zwar im Zinssatz, doch in ihrem Auf und Ab folgen sie im Wesentlichen der Leitzinsentwicklung. Die folgende Grafik zeigt die Zinsentwicklung von EZB-Leitzins, Hypothekenzinsen und Sparangeboten mit einer Kündigungsfrist bis zu drei Monaten (z.B. Sparbuchzinsen).

Als Folge der Finanzkrise hat die EZB den Leitzins seit 2011 immer weiter abgesenkt. Seit 2016 stagniert er bei historisch niedrigen 0,00 Prozent. Im Juni 2014 hat die EZB erstmals Negativzinsen auf Bankeinlagen erhoben. Institute, die Geld bei der EZB parkten, mussten auf die Einlagen einen Strafzins von 0,1 Prozent bezahlen. Dieser Strafzins ist später weiter gestiegen. Seit September 2019 liegt der EZB-Einlagezins bei -0,5 Prozent.

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Wie der Zins-Chart zeigt, folgten die Sparzinsen in der Vergangenheit im Wesentlichen der Leitzinsentwicklung. Bei den Baufinanzierungszinsen hingegen zeichnete sich eine neue Zinsentwicklung manchmal bereits ab, bevor die EZB den Leitzins anhob oder senkte. Eine steigende oder rückläufige Bauzinsentwicklung kann also ein Indikator dafür sein, wie sich mittel- bis langfristig auch die anderen Zinsen entwickeln werden.

Auch bei günstiger Zinsentwicklung lohnt der Vergleich

Übrigens: Auch wenn die Zinsentwicklung im Bereich der Baufinanzierung in den letzten Jahren generell günstig war, lohnt sich der Angebotsvergleich. Das zeigt eine einfache Beispielrechnung:

Aktuell liegt der durchschnittliche Effektivzins für Baufinanzierungen bei 1,31 Prozent – laut Zahlen der Bundesbank. Bei den günstigsten Banken hingegen erhält die Mehrheit der Kunden einen Baukredit von 200.000 Euro mit 10-jähriger Zinsbindung zu einem Effektivzins von 0,72 Prozent. Bei einer Monatsrate von 750 Euro zahlen Kreditnehmer bei der günstigeren Finanzierung über 10.000 Euro weniger Zinsen – allein während der ersten 10-jährigen Zinsbindungsfrist. Das Geld fließt statt dessen in die Tilgung und mindert die Restschuld.

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Zinsentwicklung bei Ratenkrediten

Doch nicht nur beim Hauskauf können sich Kreditnehmer die historische Zinsentwicklung der letzten Jahre zunutze machen. Ebenso günstig war der Zinsverlauf für Ratenkredite.

Verivox beobachtet die Kreditkonditionen von rund 300 Banken: Im Januar 2015 betrug der durchschnittliche Zwei-Drittel-Zins aller Ratenkreditangebote 5,73 Prozent. Der Zwei-Drittel-Zins ist eine Pflichtangabe der Bank und repräsentativ für breite Kundengruppen. Zwei Drittel aller Kunden erhalten diesen oder einen günstigeren Zinssatz.

Bei diesen Konditionen mussten Kreditnehmer für ein Darlehen in Höhe von 10.000 Euro mit 4-jähriger Laufzeit 1.182 Euro Zinsen zahlen. Für dasselbe Darlehen lag der durchschnittliche Zwei-Drittel-Zins fünf Jahre später nur noch bei 4,78 Prozent. Bei diesem Kredit wäre die Zinsbelastung rund 200 Euro niedriger.

Doch auch hier lohnt sich der Angebotsvergleich. Bei Top-Banken erhalten zwei Drittel aller Kunden den Kredit zu einem Zinssatz von 2,48 Prozent oder besser. Bei diesem Zinssatz zahlen Kreditnehmer für ihr Darlehen sogar 673 Euro weniger Zinsen als Verbraucher, die im Januar 2015 einen Ratenkredit zum Durchschnittszins abgeschlossen haben. Im Vergleich zum heutigen Durchschnittszins sparen Kreditnehmer mit dem günstigen Darlehen noch einmal 476 Euro.

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Zinsentwicklung bei Festgeld und Tagesgeld

Der Zinsverlauf der letzten Jahre hat allerdings nicht nur Gewinner hervorgebracht. Sparer sind die großen Leidtragenden dieser historischen Zinsentwicklung. Sichere Geldanlagen wie Tagesgeld und Festgeld werfen schon lange kaum noch Erträge ab. Zugleich zog ab Herbst 2016 die Inflation wieder deutlich an. Für Januar 2020 hat das Statistische Bundesamt ein Inflationsrate von 1,7 Prozent ausgewiesen. Bis die Zinsen wieder anziehen, verlieren die Ersparnisse auf Tages- und Festgeldkonten durch die steigenden Verbraucherpreise kontinuierlich an Wert.

Anleger können der allgemeinen Zinsentwicklung zwar nicht ganz entfliehen, sollten Kaufkraftverluste aber zumindest begrenzen, indem sie Konditionen vergleichen. Bei Top-Banken erhalten Sparer 0,4 Prozent Zinsen auf ihr Tagesgeld. Bei 10.000 Euro Anlagesumme macht das 40 Euro Zinseinnahmen. 2-jähiges Festgeld ist mit bis zu 1,2 Prozent verzinst. 10.000 Euro werfen also 120 Euro im Jahr ab – immerhin bescheidene Erträge, die sich Sparer nicht entgehen lassen sollten. Auf der anderen Seite zahlen 441 Banken gar keine Zinsen mehr auf Tagesgeld – vergleichen lohnt sich also.

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Wann steigen die Zinsen wieder?

Mit Spannung blicken Bauherren, Kreditnehmer und Sparer gleichermaßen auf die künftige Zinsentwicklung. Vor allem letztere können es kaum erwarten, dass endlich wieder die Zinsen steigen. Wann es soweit ist, hängt entscheidend von der Geldpolitik der EZB und der künftigen Leitzinsentwicklung ab. Mittelfristig ist hier allerdings kaum mit einer Erhöhung der Zinsen zu rechnen.

People Component Oliver Maier

Oliver Maier

Geschäftsführer Verivox Finanzvergleich GmbH

Bis Tagesgeld wieder Zinsen über der Inflationsrate abwirft, brauchen Sparer noch Geduld. Mit top-verzinsten Tages- und Festgeldangeboten lassen sich Kaufkraftverluste aber zumindest begrenzen.

Der Zinsdruck auf die Banken ist größer geworden

Im Gegenteil: Zuletzt hat die Notenbank im September 2019 ihre ohnehin schon expansive Geldpolitik sogar noch gelockert und die Geldschleusen weiter geöffnet. Seit November pumpt die EZB jeden Monat 20 Milliarden Euro für neue Anleihen in den Markt. Das neue Anleihekaufprogramm ist zeitlich nicht befristet.

Ebenfalls auf der September-Sitzung hatte der EZB-Rat um den damaligen Notenbank-Chef Mario Draghi eine weitere Senkung des Einlagezinses beschlossen. Bankeinlagen, die bei der Notenbank geparkt werden, werden nun mit -0,5 Prozent verzinst. Der Zinsdruck auf die Banken hat zuletzt also eher zu- als abgenommen. Es ist deshalb unwahrscheinlich, dass für Sparer kurzfristig die Zinsen steigen.

Wenig Spielraum für höhere Zinsen

Im November rückte die Französin Christine Lagarde an die Spitze der EZB. Auch Sie hält eine lockere Geldpolitik derzeit für notwendig. Kurzfristig ist von der Zentralbank also kein Kurswechsel zu erwarten. Allerdings hat die neue EZB-Präsidentin bis zum Ende des Jahres eine Überprüfung der geldpolitischen Strategie angekündigt, um mögliche negative Nebenwirkungen der extremen Niedrigzinspoltik zu erkennen und gegebenenfalls zu korrigieren.

Solange die Rahmenbedingungen unverändert bleiben, dürfte Christine Lagarde allerdings nicht allzu viel Spielraum für spürbare Kurskorrekturen haben: Die Inflation entwickelte sich zuletzt sehr moderat und blieb meist deutlich unterhalb des angestrebten Niveaus von knapp 2 Prozent. Der geringe Inflationsdruck sowie eine schwächelnde Konjunktur und die anhaltend hohe Verschuldung der Staaten und Unternehmen im Euroraum setzen der EZB auch unter ihrer neuen Führung enge Grenzen für eine Straffung der Geldpolitik.

Deutliche Zinserhöhungen sind unter diesen Voraussetzungen auf absehbare Zeit nicht zu erwarten. Bis sichere Sparanlagen wie Tages- und Festgeld wieder Zinsen deutlich oberhalb der Inflationsrate abwerfen, brauchen Anleger also weiterhin viel Geduld.