Zinsentwicklung und Zinsprognose für Spar- und Kreditzinsen

  • Die Zinsentwicklung ist stark vom Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) beeinflusst.
  • Der EZB-Leitzins beeinflusst Spar- und Kreditzinsen in etwa gleicher Weise.
  • Seit Herbst 2016 liegen die Sparzinsen deutlich unter der Inflationsrate.
  • Aktuell spricht wenig dafür, dass allzu bald die Zinsen steigen. Im Gegenteil: Kurzfristig sind weitere Zinssenkungen wahrscheinlicher.
  • Sparer können Kaufkraftverluste begrenzen, indem Sie Ihre Ersparnisse möglichst hoch verzinst anlegen. Top-Tagesgeldangebote bringen derzeit 0,8 Prozent, die besten 2-jährigen Festgelder sind mit 1,55 Prozent verzinst.

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Ratgeber / Finanzen

Bild: Paar berechnet Ausgaben am Laptop Bild: ©bernardbodo / Adobe Stock / Text: Verivox

+++ Dieser Ratgeber wird regelmäßig aktualisiert. Die genannten Zinssätze und Charts geben den aktuellen Stand im Juli 2019 wieder. Spätere Entwicklungen sind noch nicht berücksichtigt. +++

Seit Jahren schon sind die Zinsen auf Talfahrt. Sparer leiden unter den niedrigen Zinsen. Häuslebauer und Kreditnehmer hingegen freuen sich über die Zinsentwicklung der letzten Jahre. Doch wann steigen die Zinsen wieder? Wir zeigen die Zinsentwicklung der letzten Jahre und Monate im Zinsschart. Unsere Zinsprognose unterstützt Sie dabei, die künftige Entwicklung von Tagesgeld-, Festgeld- und Bauzinsen richtig einzuschätzen.

Leitzins beeinflusst Spar- und Kreditzinsentwicklung

Die Zinsentwicklung verläuft bei Spar- und bei Kreditzinsen sehr ähnlich. Sie unterscheiden sich zwar im Zinssatz, doch in ihrem Auf und Ab folgen sie im Wesentlichen der Leitzinsentwicklung. Die folgende Grafik zeigt die Zinsentwicklung von EZB-Leitzins, Hypothekenzinsen und Sparangeboten mit einer Kündigungsfrist bis zu drei Monaten (z.B. Sparbuchzinsen).

Als Folge der Finanzkrise hat die EZB den Leitzins seit 2011 immer weiter abgesenkt. Seit 2016 stagniert er bei historisch niedrigen 0,00 Prozent. Im Juni 2014 hat die EZB erstmals Negativzinsen auf Bankeinlagen erhoben. Institute, die Geld bei der EZB parkten, mussten auf die Einlagen einen Strafzins von 0,1 Prozent bezahlen. Dieser Strafzins ist später weiter gestiegen. Seit März 2016 liegt er bei -0,4 Prozent.

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Wie der Zinschart zeigt, folgten die Sparzinsen in der Vergangenheit im Wesentlichen der Leitzinsentwicklung. Bei den Baufinanzierungszinsen hingegen zeichnete sich eine neue Zinsentwicklung manchmal bereits ab, bevor die EZB den Leitzins anhob oder senkte. Eine steigende oder rückläufige Bauzinsentwicklung kann also ein Indikator dafür sein, wie sich mittel- bis langfristig auch die anderen Zinsen entwickeln werden.

Auch bei günstiger Zinsentwicklung lohnt der Vergleich

Übrigens: Auch wenn die Zinsentwicklung im Bereich der Baufinanzierung in den letzten Jahren generell günstig war, lohnt sich der Angebotsvergleich. Das zeigt eine einfache Beispielrechnung:

Aktuell liegt der durchschnittliche Effektivzins für Baufinanzierungen bei 1,68 Prozent – laut Zahlen der Bundesbank. Bei den günstigsten Banken hingegen erhält die Mehrheit der Kunden einen Baukredit von 200.000 Euro mit 10-jähriger Zinsbindung zu einem Effektivzins von 0,72 Prozent. Bei einer Monatsrate von 800 Euro zahlen Kreditnehmer bei der günstigeren Finanzierung über 16.500 Euro weniger Zinsen – allein während der ersten 10-jährigen Zinsbindungsfrist. Das Geld fließt statt dessen in die Tilgung und mindert die Restschuld.

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Zinsentwicklung bei Ratenkrediten

Doch nicht nur beim Hauskauf können sich Kreditnehmer die historische Zinsentwicklung der letzten Jahre zunutze machen. Ebenso günstig war der Zinsverlauf für Ratenkredite.

Verivox beobachtet die Konditionen von rund 300 Banken: Im Juni 2014 betrug der durchschnittliche 2/3-Zins aller Ratenkreditangebote 6,1 Prozent. Der 2/3-Zins ist eine Pflichtangabe der Bank, der als Orientierung bei Zinsspannen dienen soll. Zwei Drittel aller Kunden erhalten diesen oder einen günstigeren Zinssatz.

Bei diesen Konditionen mussten Kreditnehmer für ein Darlehen in Höhe von 10.000 Euro mit 4-jähriger Laufzeit 1.259 Euro Zinsen zahlen. Für dasselbe Darlehen lag der durchschnittliche 2/3-Zins fünf Jahre später nur noch bei 4,52 Prozent. Bei diesem Kredit wäre die Zinsbelastung schon 329 Euro niedriger.

Doch auch hier lohnt sich der Angebotsvergleich. Bei Top-Banken erhalten zwei Drittel aller Kunden den Kredit zu einem Zinssatz von 2,89 Prozent oder besser. Bei diesem Zinssatz zahlen Kreditnehmer für ihr Darlehen sogar 666 Euro weniger Zinsen als Verbraucher, die im Juni 2014 einen Ratenkredit zum Durchschnittszins abgeschlossen haben. Im Vergleich zum heutigen Durchschnittszins sparen Kreditnehmer mit dem günstigen Darlehen also noch einmal 337 Euro.

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Zinsentwicklung bei Festgeld und Tagesgeld

Der Zinsverlauf der letzten Jahre hat allerdings nicht nur Gewinner hervorgebracht. Sparer sind die großen Leidtragenden dieser historischen Zinsentwicklung. Sichere Geldanlagen wie Tagesgeld und Festgeld werfen schon lange kaum noch Erträge ab. Zugleich zog ab Herbst 2016 die Inflation wieder deutlich an. 2018 erreichte sie mit 1,8 Prozent den höchsten Jahreswert seit 2012. Bis die Zinsen steigen, verlieren die Ersparnisse auf Tages- und Festgeldkonten deshalb kontinuierlich an Wert.

Anleger können der allgemeinen Zinsentwicklung zwar nicht ganz entfliehen, sollten Kaufkraftverluste aber zumindest begrenzen, indem sie Konditionen vergleichen. Bei Top-Banken erhalten Sparer 0,8 Prozent Zinsen auf ihr Tagesgeld. Bei 10.000 Euro Anlagesumme macht das 80 Euro Zinseinnahmen. 2-jähiges Festgeld ist mit bis zu 1,55Prozent verzinst. 10.000 Euro werfen also 155 Euro im Jahr ab – immerhin bescheidene Erträge, die sich Sparer nicht entgehen lassen sollten. Auf der anderen Seite zahlen 414 Banken gar keine Zinsen mehr auf Tagesgeld – vergleichen lohnt sich also.

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Wann steigen die Zinsen wieder?

Mit Spannung blicken Bauherren, Kreditnehmer und Sparer gleichermaßen auf die künftige Zinsentwicklung. Vor allem letztere können es kaum erwarten, dass endlich wieder die Zinsen steigen. Wann es soweit ist, hängt entscheidend von der Geldpolitik der EZB und der künftigen Leitzinsentwicklung ab. Mittelfristig ist hier allerdings kaum mit einer Erhöhung der Zinsen zu rechnen.

Kurzfristig sind weitere Zinssenkungen denkbar

Zwar hat die Notenbank ihr umstrittenes Anleihekaufprogramm Ende 2018 vorerst beendet. Ihre Bestände abbauen wird sie aber zunächst nicht. Laufen Anleihen aus, wird das Kapital reinvestiert. Eine Leitzinserhöhung hat die EZB bis mindestens Mitte 2020 ausgeschlossen. Bis dahin werde sie die Zinsen höchstens auf dem aktuellen Niveau halten. Die Option weiterer Zinssenkungen hat sich EZB-Chef Mario Draghi hingegen ausdrücklich offen gelassen.

Daher ist es unwahrscheinlich, dass für Sparer kurzfristig die Zinsen steigen. Im Gegenteil: Sollte die Notenbank den sogenannten Einlagezins – also den Strafzins auf Bankeinlagen – noch weiter als bisher in den negativen Bereich absenken, könnten auch die Sparzinsen für Privatanleger weiter sinken. Einige große Volksbanken und Sparkassen haben bereits erklärt, dass bei einer weiteren Absenkung auch Negativzinsen für die Einlagen privater Sparer nicht mehr ausgeschlossen seien. Für sehr hohe Guthaben verlangen einige Institute heute schon Negativzinsen.

Was bringt die neue EZB-Präsidentin?

Im November wird die Französin Christine Lagarde an die Spitze der EZB rücken. In ihrer bisherigen Funktion als Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) hat sie die ultralockere Geldpolitik der Zentralbank stets mitgetragen. Eine deutliche Kurskorrektur in der geldpolitischen Ausrichtung der EZB ist also auch nach dem Personalwechsel eher unwahrscheinlich.

Schon die gegebenen Rahmenbedingungen setzen der neuen EZB-Präsidentin enge Grenzen: Die Inflation hat sich zuletzt wieder spürbar abgeschwächt und blieb meist deutlich unter dem angestrebten Wert von knapp 2 Prozent. Eine abflauende Konjunktur und die nach wie vor hohe Verschuldung der Staaten und Unternehmen im Euroraum verengen den Spielraum der EZB für eine straffere Geldpolitik. Deutliche Zinsanstiege sind unter diesen Voraussetzungen wenig realistisch. Bis sichere Sparanlagen wie Tages- und Festgeld wieder Zinsen deutlich oberhalb der Inflationsrate abwerfen, brauchen Anleger also wohl noch viel Geduld.

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