Zinsentwicklung und Zinsprognose für Spar- und Kreditzinsen

  • Die Zinsentwicklung ist stark vom Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) beeinflusst.
  • Der EZB-Leitzins beeinflusst Spar- und Kreditzinsen in etwa gleicher Weise.
  • Seit Herbst 2016 liegen die Sparzinsen deutlich unter der Inflationsrate.
  • Aktuell spricht wenig dafür, dass allzu bald die Zinsen steigen.
  • Bis es soweit ist, können Sparer Kaufkraftverluste zumindest begrenzen, indem Sie Ihre Ersparnisse möglichst hoch verzinst anlegen. Top-Tagesgeldangebote bringen derzeit 0,7 Prozent, die besten 2-jährigen Festgelder sind mit 1,45 Prozent verzinst.

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Ratgeber / Finanzen

Bild: Glückliches junges Paar vor Laptop Bild: ©Nebosja / Adobe Stock / Text: Verivox

+++ Dieser Ratgeber wird regelmäßig aktualisiert. Die genannten Zinssätze und Charts geben den aktuellen Stand im April 2019 wieder. Spätere Entwicklungen sind noch nicht berücksichtigt. +++

Seit Jahren schon sind die Zinsen auf Talfahrt. Sparer leiden unter den niedrigen Zinsen. Häuslebauer und Kreditnehmer hingegen freuen sich über die Zinsentwicklung der letzten Jahre. Doch wann steigen die Zinsen wieder? Wir zeigen die Zinsentwicklung der letzten Jahre und Monate im Zinsschart. Unsere Zinsprognose unterstützt Sie dabei, die künftige Entwicklung von Tagesgeld-, Festgeld- und Bauzinsen richtig einzuschätzen.

Leitzins beeinflusst Spar- und Kreditzinsentwicklung

Die Zinsentwicklung verläuft bei Spar- und bei Kreditzinsen sehr ähnlich. Sie unterscheiden sich zwar im Zinssatz, doch in ihrem Auf und Ab folgen sie im Wesentlichen der Leitzinsentwicklung. Die folgende Grafik zeigt die Zinsentwicklung von EZB-Leitzins, Hypothekenzinsen und Sparangeboten mit einer Kündigungsfrist bis zu drei Monaten (z.B. Sparbuchzinsen).

Als Folge der Finanzkrise hat die EZB den Leitzins seit 2011 immer weiter abgesenkt. Seit 2016 stagniert er bei historisch niedrigen 0,00 Prozent. Im Juni 2014 hat die EZB erstmals Negativzinsen auf Bankeinlagen erhoben. Institute, die Geld bei der EZB parkten, mussten auf die Einlagen einen Strafzins von 0,1 Prozent bezahlen. Dieser Strafzins ist später weiter gestiegen. Seit März 2016 liegt er bei -0,4 Prozent.

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Wie der Zinschart zeigt, folgten die Sparzinsen in der Vergangenheit im Wesentlichen der Leitzinsentwicklung. Bei den Baufinanzierungszinsen hingegen zeichnete sich eine neue Zinsentwicklung manchmal bereits ab, bevor die EZB den Leitzins anhob oder senkte. Eine steigende oder rückläufige Bauzinsentwicklung kann also ein Indikator dafür sein, wie sich mittel- bis langfristig auch die anderen Zinsen entwickeln werden.

Auch bei günstiger Zinsentwicklung lohnt der Vergleich

Übrigens: Auch wenn die Zinsentwicklung im Bereich der Baufinanzierung in den letzten Jahren generell günstig war, lohnt sich der Angebotsvergleich. Das zeigt eine einfache Beispielrechnung:

Aktuell liegt der durchschnittliche Effektivzins für Baufinanzierungen bei 1,84 Prozent – laut Zahlen der Bundesbank. Bei den günstigsten Banken hingegen erhalten zwei Drittel aller Kunden einen Baukredit von 200.000 Euro mit 10-jähriger Zinsbindung zu einem Effektivzins von 1,36 Prozent. Bei einer Monatsrate von 800 Euro zahlen Kreditnehmer bei der günstigeren Finanzierung über 8.500 Euro weniger Zinsen – allein während der ersten 10-jährigen Zinsbindungsfrist. Das Geld fließt statt dessen in die Tilgung und mindert die Restschuld.

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Zinsentwicklung bei Ratenkrediten

Doch nicht nur beim Hauskauf können sich Kreditnehmer die historische Zinsentwicklung der letzten Jahre zunutze machen. Ebenso günstig war der Zinsverlauf für Ratenkredite.

Verivox beobachtet die Konditionen von rund 300 Banken: Im März 2014 betrug der durchschnittliche 2/3-Zins aller Ratenkreditangebote 6,41Prozent. Der 2/3-Zins ist eine Pflichtangabe der Bank, der als Orientierung bei Zinsspannen dienen soll. Zwei Drittel aller Kunden erhalten diesen oder einen günstigeren Zinssatz.

Bei diesen Konditionen mussten Kreditnehmer für ein Darlehen in Höhe von 10.000 Euro mit 4-jähriger Laufzeit 1.323 Euro Zinsen zahlen. Für dasselbe Darlehen liegt der durchschnittliche 2/3-Zins heute – fünf Jahre später – noch bei 4,7 Prozent. Bei diesem Kredit wäre die Zinsbelastung schon 355 Euro niedriger.

Doch auch hier lohnt sich der Angebotsvergleich. Bei Top-Banken erhalten zwei Drittel aller Kunden den Kredit zu einem Zinssatz von 2,92 Prozent oder besser. Bei diesem Zinssatz zahlen Kreditnehmer für ihr Darlehen sogar 724 Euro weniger Zinsen als Verbraucher, die im März 2014 einen Ratenkredit zum Durchschnittszins abgeschlossen haben. Im Vergleich zum heutigen Durchschnittszins sparen Kreditnehmer mit dem günstigen Darlehen also noch einmal 369 Euro.

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Zinsentwicklung bei Festgeld und Tagesgeld

Der Zinsverlauf der letzten Jahre hat allerdings nicht nur Gewinner hervorgebracht. Sparer sind die großen Leidtragenden dieser historischen Zinsentwicklung. Sichere Geldanlagen wie Tagesgeld und Festgeld werfen schon lange kaum noch Erträge ab. Zugleich zog ab Herbst 2016 die Inflation wieder deutlich an. 2018 erreichte sie mit 1,8 Prozent den höchsten Stand seit 2012. Bis die Zinsen steigen, verlieren die Ersparnisse auf Tages- und Festgeldkonten deshalb kontinuierlich an Wert.

Anleger können der allgemeinen Zinsentwicklung zwar nicht ganz entfliehen, sollten Kaufkraftverluste aber zumindest begrenzen, indem sie Konditionen vergleichen. Bei Top-Banken erhalten Sparer 0,7 Prozent Zinsen auf ihr Tagesgeld. Bei 10.000 Euro Anlagesumme macht das 70 Euro Zinseinnahmen. 2-jähiges Festgeld ist mit bis zu 1,45 Prozent verzinst. 10.000 Euro werfen also 145 Euro im Jahr ab – immerhin bescheidene Erträge, die sich Sparer nicht entgehen lassen sollten. Auf der anderen Seite zahlen 418 Banken gar keine Zinsen mehr auf Tagesgeld – vergleichen lohnt sich also.

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Wann steigen die Zinsen wieder?

Mit Spannung blicken Bauherren, Kreditnehmer und Sparer gleichermaßen auf die künftige Zinsentwicklung. Vor allem letztere können es kaum erwarten, dass endlich wieder die Zinsen steigen. Wann es soweit ist, hängt entscheidend von der Geldpolitik der EZB und der künftigen Leitzinsentwicklung ab. Zumindest kurzfristig ist hier nicht mit viel Bewegung zu rechnen.

Sparer brauchen noch Geduld

Ende 2018 hat die Notenbank ihr umstrittenes Anleihekaufprogramm beendet. Ihre Bestände abbauen wird sie aber zunächst nicht. Laufen Anleihen aus, wird das Kapital reinvestiert. Den Leitzins will die Zentralbank in 2019 unangetastet lassen. Daher ist es unwahrscheinlich, dass allzubald die Zinsen steigen.

Da sich zuletzt auch die Inflation wieder abgeschwächst hat und auch die Konjunktur spürbar abflaut, könnte die Notenbank die Zinsen sogar noch deutlich länger im Keller belassen. EZB-Präsident Mario Draghi hat betont, die Zinsen auch noch über das Jahr 2019 hinaus niedrig zu halten, wenn es die Zentralbank für geboten halten sollte.

Die hohe Verschuldung vieler Staaten und Unternehmen in der Euro-Zone verschärfen den Druck auf die EZB, ihre Niedrigzinspolitik fortzusetzen. Bis sichere Sparanlagen wie Tages- und Festgeld wieder Zinsen deutlich oberhalb der Inflationsrate abwerfen, brauchen Anleger also wohl noch viel Geduld.

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