Zinsentwicklung und Zinsprognose für Spar- und Kreditzinsen

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Das Wichtigste in Kürze

  • Die Zinsentwicklung ist stark vom Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) beeinflusst.
  • Der EZB-Leitzins beeinflusst Spar- und Kreditzinsen in etwa gleicher Weise.
  • Seit Herbst 2016 liegen die Sparzinsen deutlich unter der Inflationsrate.
  • Dass die Zinsen steigen, ist angesichts der Corona-Krise vorerst nicht zu erwarten. Zuletzt hatte die EZB ihre Geldpolitik sogar mehrfach gelockert.
  • Sparer sollten ihre Ersparnisse möglichst hoch verzinst anlegen. Top-Tagesgeldangebote bringen derzeit 0,5 Prozent, die besten 2-jährigen Festgelder sind mit 1,25 Prozent verzinst.

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+++ Dieser Ratgeber wir regelmäßig aktualisiert. Die folgenden Informationen - insbesondere die genannten Zinssätze und Zins-Charts - entsprechen dem aktuellen Stand im Juli 2020 . Mögliche spätere Änderungen sind noch nicht berücksichtigt. +++

Seit Jahren schon sind die Zinsen auf Talfahrt. Sparer leiden unter den niedrigen Zinsen. Häuslebauer und Kreditnehmer hingegen freuen sich über die Zinsentwicklung der letzten Jahre. Doch wann steigen die Zinsen wieder? Wir zeigen die Zinsentwicklung der letzten Jahre und Monate im Zinsschart. Unsere Zinsprognose unterstützt Sie dabei, die künftige Entwicklung von Tagesgeld-, Festgeld- und Kreditzinsen richtig einzuschätzen.

Leitzins beeinflusst Spar- und Kreditzinsentwicklung

Die Zinsentwicklung verläuft bei Spar- und bei Kreditzinsen sehr ähnlich. Sie unterscheiden sich zwar im Zinssatz, doch in ihrem Auf und Ab folgen sie im Wesentlichen der Leitzinsentwicklung. Die folgende Grafik zeigt die Zinsentwicklung von EZB-Leitzins, Hypothekenzinsen und Sparangeboten mit einer Kündigungsfrist bis zu drei Monaten (z.B. Sparbuchzinsen).

Als Folge der Finanzkrise hat die EZB den Leitzins seit 2011 immer weiter abgesenkt. Seit 2016 stagniert er bei historisch niedrigen 0,00 Prozent. Im Juni 2014 hat die EZB erstmals Negativzinsen auf Bankeinlagen erhoben. Institute, die Geld bei der EZB parkten, mussten auf die Einlagen einen Strafzins von 0,1 Prozent bezahlen. Dieser Strafzins ist später weiter gestiegen. Seit September 2019 liegt der EZB-Einlagezins bei -0,5 Prozent.

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Wie der Zins-Chart zeigt, folgten die Sparzinsen in der Vergangenheit im Wesentlichen der Leitzinsentwicklung. Bei den Baufinanzierungszinsen hingegen zeichnete sich eine neue Zinsentwicklung manchmal bereits ab, bevor die EZB den Leitzins anhob oder senkte. Eine steigende oder rückläufige Bauzinsentwicklung kann also ein Indikator dafür sein, wie sich mittel- bis langfristig auch die anderen Zinsen entwickeln werden.

Auch bei günstiger Zinsentwicklung lohnt der Vergleich

Übrigens: Auch wenn die Zinsentwicklung im Bereich der Baufinanzierung in den letzten Jahren generell günstig war, lohnt sich der Angebotsvergleich. Das zeigt eine einfache Beispielrechnung:

Der durchschnittliche Effektivzins für Baufinanzierungen liegt derzeit bei 1,37 Prozent – laut Zahlen der Bundesbank. Bei den günstigsten Banken hingegen erhalten Kunden einen Baukredit von 200.000 Euro mit 10-jähriger Zinsbindung zu einem Effektivzins von 0,55 Prozent. Bei einer Monatsrate von 750 Euro zahlen Kreditnehmer bei der günstigeren Finanzierung rund 14.000 Euro weniger Zinsen – allein während der ersten 10-jährigen Zinsbindungsfrist. Das Geld fließt statt dessen in die Tilgung und mindert ihre Restschuld.

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Zinsentwicklung bei Ratenkrediten

Doch nicht nur beim Hauskauf können sich Kreditnehmer die historische Zinsentwicklung der letzten Jahre zunutze machen. Ebenso günstig war der Zinsverlauf für Ratenkredite.

Verivox beobachtet die Kreditkonditionen von rund 300 Banken: Im März 2014 betrug der durchschnittliche 2/3-Zins aller Ratenkreditangebote 6,41 Prozent. Der 2/3-Zins ist eine Pflichtangabe der Banken, der als Orientierung bei Zinsspannen dienen soll. Zwei Drittel aller Kunden erhalten diesen oder einen günstigeren Zinssatz.

Bei diesen Konditionen mussten Kreditnehmer für ein Darlehen in Höhe von 10.000 Euro mit 4-jähriger Laufzeit insgesamt 1.323 Euro Zinsen zahlen. Für dasselbe Darlehen lag der durchschnittliche 2/3-Zins sechs Jahre später nur noch bei 4,96 Prozent. Bei diesem Darlehen wären die Zinskosten 301 Euro niedriger.

Doch auch hier lohnt sich der Angebotsvergleich. Bei Top-Banken erhalten zwei Drittel aller Kunden den Kredit zu einem Zinssatz von 2,43 Prozent oder besser. Bei diesem Zinssatz zahlen Kreditnehmer für ihr Darlehen 524 Euro weniger Zinsen als für einen Ratenkredit zum aktuellen Durchschnittszins.

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Zinsentwicklung bei Festgeld und Tagesgeld

Der Zinsverlauf der letzten Jahre hat allerdings nicht nur Gewinner hervorgebracht. Sparer sind die großen Leidtragenden dieser historischen Zinsentwicklung. Sichere Geldanlagen wie Tagesgeld und Festgeld werfen schon lange kaum noch Erträge ab. Zugleich zog ab Herbst 2016 die Inflation wieder deutlich an. Zwar ist die Inflationsrate im Zuge der Corona-Krise zuletzt wieder gesunken – für Juni 2020 hat das Statistische Bundesamt eine Inflation von 0,9 Prozent ausgewiesen. Trotzdem liegen die durchschnittlichen Sparzinsen noch immer deutlich unterhalb laufenden Teuerung.

Bis die Zinsen wieder anziehen, verlieren die Ersparnisse auf Tages- und Festgeldkonten mit durchschnittlicher Verzinsung durch die steigenden Verbraucherpreise deshalb kontinuierlich an Wert.

Anleger können der allgemeinen Zinsentwicklung zwar nicht ganz entfliehen, sollten Kaufkraftverluste aber zumindest begrenzen, indem sie Konditionen vergleichen. Bei Top-Banken erhalten Sparer 0,5 Prozent Zinsen auf ihr Tagesgeld. Bei 10.000 Euro Anlagesumme macht das 50 Euro Zinseinnahmen. Auf der anderen Seite zahlen schon 497 Banken gar keine Zinsen mehr auf Tagesgeld – vergleichen lohnt sich also.

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2-jähriges Festgeld ist mit bis zu 1,25 Prozent verzinst. Top-Angebote schlagen also sogar die Inflation und bringen eine positive Realrendite. Bei 10.000 Euro Anlagesumme dürfen sich Sparer über 125 Euro Zinsen im Jahr freuen – immerhin bescheidene Erträge, die sich niemand ohne Not entgehen lassen sollte.

Werden irgendwann wieder die Zinsen steigen?

Mit Spannung blicken Bauherren, Kreditnehmer und Sparer gleichermaßen auf die künftige Zinsentwicklung. Vor allem letztere können es kaum erwarten, dass endlich wieder die Zinsen steigen. Ob das geschieht und wann es soweit ist, hängt entscheidend von der Geldpolitik der EZB und der künftigen Leitzinsentwicklung ab. Mittelfristig ist hier allerdings kaum mit einer Erhöhung der Zinsen zu rechnen. Nicht zuletzt angesichts der Corona-Krise dürften Zinserhöhungen auf absehbare Zeit kein Thema sein.

People Component Oliver Maier

Oliver Maier

Geschäftsführer Verivox Finanzvergleich GmbH

Bis Tagesgeld wieder Zinsen über der Inflationsrate abwirft, brauchen Sparer noch Geduld. Mit top-verzinsten Tages- und Festgeldangeboten lassen sich Kaufkraftverluste aber zumindest begrenzen.

Der Zinsdruck auf die Banken ist größer geworden

Im Gegenteil: Zuletzt hat die Notenbank im September 2019 ihre ohnehin schon expansive Geldpolitik sogar noch gelockert und die Geldschleusen weiter geöffnet. Sie kauft im großen Stil Staats- und Unternehmensanleihen auf und flutet die Märkte auf diese Weise mit vielen Millarden Euro.

Bereits im September 2019 hatte der EZB-Rat um den damaligen Notenbank-Chef Mario Draghi zum letzten Mal den Einlagezins noch tiefer in den Minusbereich gesenkt. Seitdem zahlen Banken auf Einlagen, die sie bei der Notenbank parken, 0,5 Prozent Strafzinsen. Der Zinsdruck auf die Banken hat zuletzt also eher zu- als abgenommen.

Zinsprognose in Zeiten von Corona: Kaum Spielraum für die EZB

Auch mittelfristig ist mit einer Fortsetzung der Niedrigzinspolitik zu rechnen. Solange die wichtigsten Rahmenbedingungen sich nicht grundlegend ändern, dürfte EZB-Präsidentin Christine Lagarde kaum Spielraum für spürbare Kurskorrekturen haben. Die ohnehin schwache Inflation brach in der Corona-Krise noch weiter ein und ist vom angestrebten Zielwert knapp unterhalb der Marke von 2 Prozent weit entfernt. Aus Sicht der Währungshüter ist die Inflation damit deutlich zu niedrig.

Die niedrige Inflation wird der EZB auch künftig enge Grenzen für eine Straffung der Geldpolitik setzen. Außerdem belasten die Folgen der Corona-Epidemie die Konjunktur und die umfangreichen Hilfspakete zur Stützung der Wirtschaft dürften die Verschuldung der Euro-Staaten weiter erhöhen. Zinserhöhungen sind unter diesen Voraussetzungen auf absehbare Zeit nicht zu erwarten.