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Die Zentralbank eines Landes legt den Zinssatz fest, zu dem sich die Geschäftsbanken Liquidität verschaffen. Dieser Leitzins genannte Zinssatz bestimmt, zu welchen Konditionen sich die Banken bei der Zentralbank Geld leihen können.

Inhalt dieser Seite
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Aktuelle Leitzinsentwicklung
  3. Die Zentralbanken steuern den Leitzins
  4. Auswirkungen
  5. Das bedeutet ein hoher Leitzins
  6. Das bedeutet ein niedriger Leitzins
  7. Einfluss auf Privatanleger
  8. Kritik am Leitzins
  9. Verwandte Themen
  10. Weiterführende Links
  11. Festgeldangebote vergleichen

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Leitzins hat Einfluss auf die Höhe von Kredit- und Sparzinsen.
  • Im Euro-Raum legt die Europäische Zentralbank den Leitzins fest.
  • Niedrige Leitzinsen sollen die Konjunktur ankurbeln.

Aktuelle Leitzinsentwicklung

  • Nach den Zinssenkungen in den Jahren 2024 und 2025 hat die Europäische Zentralbank (EZB) in ihrer Zinssitzung am 11. Juni 2026 die Zinswende eingeleitet und die Zinsen zum ersten Mal seit Jahren erhöht.
  • Der Einlagenzins liegt aktuell bei 2,5%, der Zinssatz für Hauptrefinanzierungsgeschäfte bei 2,65% und der Zinssatz für die Spitzenrefinanzierungsfazilität bei 2,9%.
  • Der EZB-Rat entscheidet, ob eine Anpassung der Marktzinsen erforderlich ist. Dem Gremium gehören die Präsidenten der nationalen Zentralbanken der Euro-Länder sowie die Mitglieder des EZB-Direktoriums an. Die letzte leitzinsrelevante EZB-Sitzung fand am 10. September 2026, mit einer Zinserhöhung auf 2,5%, statt. Die nächste leitzinsrelevante EZB-Sitzung findet am 29. Oktober 2026 statt.
  • Die Leitzinsen haben großen Einfluss auf die Spar- und Kreditzinsen. Insbesondere die Zinsen für Tagesgeld und Festgeld können sich je nach Leitzinsentwicklung schnell ändern.
  • Bei Ratenkrediten hat neben dem Leitzins auch die interne Zinsstrategie der jeweiligen Bank und die Bonitätseinschätzung großen Einfluss. Mit einem Kreditvergleich bei Verivox können Sie die günstigsten Angebote schnell finden.

Leitzins: Instrument zur Geldmarktsteuerung

Leitzinsen beeinflussen die Situation auf dem Geldmarkt wesentlich, was sie zu maßgeblichen Instrumenten der Geldpolitik macht. Denn über die Geschäftsbanken wirkt sich der Leitzins mittelbar auch auf das alltägliche Leben aus. Zum Beispiel hängen von ihm die Höhe der Zinserträge von Spareinlagen ebenso ab wie die Zinsrate bei Krediten. Dadurch haben Änderungen der Leitzinsen Auswirkungen auf die Kosten von Geldanlagen und Krediten. Die Folgen betreffen Wirtschaftswachstum, Konsumklima und die Arbeitslosenquote

Die Zentralbanken steuern den Leitzins

Der Staat ist daran interessiert, das Preisniveau und den Geldwert in einem Währungsraum stabil zu halten und auf Ereignisse wie eine Inflation reagieren zu können. Diesen Zweck erfüllt die Zentralbank, auch Notenbank genannt. In Deutschland verfolgte die Deutsche Bundesbank bis 1998 dieses Ziel. Seitdem übernimmt die Europäische Zentralbank (EZB) die Aufgabe, die Preisniveaustabilität im Euro-Raum zu gewährleisten. Der bis 1998 geltende Diskontsatz – der Zins, zu dem die Bundesbank den Euro von den Geschäftsbanken ankaufte –, wurde durch den Basiszinssatz ersetzt. Als Beispiel für Banken in nationalen Währungsräumen sind die US-Notenbank Federal Reserve System (FED), die Bank of England und die Schweizerische Nationalbank zu nennen.

Auswirkungen des Leitzinses

Mit der Änderung des Leitzinses beeinflusst die Zentralbank die Geldmenge und die ökonomische Entwicklung im gesamten Währungsraum. Erhöht sich der Leitzinssatz, steigen die Kapitalmarktzinsen. Das dient zur Bekämpfung der Inflation. Eine Senkung der Leitzinsen soll zur Erholung einer schwachen Konjunktur führen. Die Korrekturen des Leitzinses haben auch eine Wirkung auf die Stärke der eigenen Währung im Vergleich zu ausländischen Währungen. Die Leitzinssenkung drückt zugleich den Preis der eigenen Währung – und umgekehrt. Auf diese Weise steuern Zentralbanken den Import und Export.

Das bedeutet ein hoher Leitzins

Eine Anhebung des Zinses bewirkt eine Geldverteuerung, die schließlich zur Geldverknappung führt. Für Geschäftsbanken ist das Leihen von Geld teurer geworden und sie geben diese Kostenerhöhung an die Verbraucher weiter. Auch für diese wird die Aufnahme von Krediten dann teurer. Die Anreize in der Privatwirtschaft sinken, Kredite aufzunehmen. Auf der anderen Seite werden verzinste Anlagen lukrativer. Gesamtwirtschaftlich gesehen führt die Leitzinssenkung zum Abkühlen der Konjunktur und ein Absenken der Inflationsrate. Die Sparrate steigt, die Investitionsrate sinkt.

Das bedeutet ein niedriger Leitzins

Die Senkung des Leitzinses hat modelltheoretisch gegenteilige Effekte. Kredite werden billiger, was sich auf die Konsum- und die Investitionsbereitschaft auswirkt. Folglich steigt die Investitionsrate, die Sparrate hingegen sinkt. Die wachsende Nachfrage nach Geld fördert das Wirtschaftswachstum und belebt den Aktienmarkt. Die Gefahr einer erhöhten Inflationsrate steigt jedoch.

Einfluss des Leitzinses auf Privatanleger

Die Zinsentscheidungen der Zentralbank sind folglich auch für die Privatverbraucher rasch spürbar. Die Leitzinserhöhung treibt die Zinsen für Festgeldanlagen und Tagesgeldkonten in die Höhe. Eine Senkung macht Kredite preiswerter, die Zinsen für Geldanlagen schmelzen allerdings. Gerade ein anhaltend niedriger Leitzins bedeutet für Sparer schwierige Zeiten. Mit klassischen Sparkonten können sie Geld langfristig gar nicht mehr vermehren und sollten sich hinsichtlich alternativer Geldanlagen wie Aktien oder Fonds umorientieren. Für kurzfristiges Anlegen, etwa beim Sparen auf eine größere Ausgabe, sind Festgeld und Tagesgeld weiterhin Möglichkeiten. Hier kann der Sparer außerdem schnell auf Zinsveränderungen reagieren.

Kritik am Leitzins

Die modelltheoretische Funktion des Leitzinses schlägt sich nicht immer in der ökonomischen Realität nieder. So ist seit der Wirtschaftskrise 2008 eine relative Entkopplung von Leitzins und der von den Geschäftsbanken erhobenen Zinsen zu beobachten. Der seit der Krise gravierend reduzierte Leitzins hatte nicht zum entsprechenden Verhalten der Kreditzinsen geführt. Einige Experten halten die Mindestreserve und Geldschöpfung bei der Kreditvergabe für wichtiger. Außerdem darf der Faktor Angebot/Nachfrage nicht unterbewertet werden.

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