Alte Gaskraftwerke: E.ON will Subventionen für Kaltreserven

14.05.2012

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Hamburg - E.ON zeigt Kaltschnäuzigkeit: Der Energieriese will einem Zeitungsbericht zufolge drei Gaskraftwerke abschalten - mitten in der Angst um Versorgungsengpässe. Damit die Kraftwerke künftig als Kaltreserve bereitstehen, verlangt E.ON Subventionen vom Staat.

E.ON will einem Pressebericht zufolge trotz absehbarer Engpässe in der Stromversorgung in Süddeutschland mindestens drei große Gaskraftwerke schließen. Schon im kommenden Jahr sollen Generatoren mit mehr als 1.000 Megawatt Leistung vom Netz gehen, wie die "Financial Times Deutschland" am Montag berichtet. E.ON wolle 2013 die Blöcke Irsching 3 in Bayern und Staudinger 4 in Hessen mit einer Kapazität von zusammen 1.037 Megawatt dichtmachen. Ein Jahr später solle Franken 1 in Nürnberg mit 383 Megawatt Leistung folgen. Mit der Ankündigung wolle der Konzern eine Vergütung dafür erreichen, dass er die Generatoren als Notreserve bereitstellt, schreibt die Zeitung unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen.

Kohle- und Gaskraftwerke werden unrentabel

Das bayerische Wirtschaftsministerium wollte zu einzelnen Kraftwerken nichts sagen, bestätigte aber drohende Schließungen. "Das ist eine sehr ernste Entwicklung, da sich in Süddeutschland ohnehin ein Kapazitätsproblem stellt", zitiert die Zeitung Gerd von Laffert, Energieexperte des Ministeriums. E.ON wollte sich zu dem Thema nicht äußern. Ein offizieller Beschluss zur Schließung der Kraftwerke liege nicht vor, zitiert die Zeitung einen Sprecher. Der Konzern hat die Schließung dem Bericht zufolge aber bereits bei der Bundesnetzagentur angekündigt. Begründung: Der Betrieb der Anlagen sei unwirtschaftlich geworden.

Die Einsatzzeiten konventioneller Kraftwerke sinken immer weiter, weil Wind- und Solarstrom die Versorgung zu Spitzenzeiten im Alleingang übernehmen. Spielt das Wetter nicht mit, werden die zunehmend unrentablen Kohle- und Gaskraftwerke dennoch in vollem Umfang gebraucht. Im vergangenen Jahr seien die relativ ineffizienten Generatoren aus den 70er Jahren nicht einmal 100 Stunden gelaufen, schreibt die "FTD". Nun wolle der Konzern eine Vergütung erhalten, die über den Stromverkauf hinausgeht - nämlich für die Bereitstellung der Kraftwerke als Notreserve. Über mögliche Zahlungen seien demnächst Gespräche mit der Netzagentur geplant.

Homann hat wohl keine Wahl

Verfängt die E.ON-Taktik, würde der Konzern einen Präzedenzfall schaffen. Die von den subventionierten Erneuerbaren Energien aus dem Erzeugungsmarkt gedrängten konventionellen Generatoren gingen praktisch in eine permanente Kaltreserve - und würden ebenfalls zu Subventionsempfängern. Dies liefe auf eine Vorläuferregelung für künftige Kapazitätsmärkte hinaus. Die Kosten tragen über die Netzentgelte die Stromverbraucher.

Es ist dem Bericht zufolge fraglich, ob der Präsident der Bundesnetzagentur Jochen Homann eine andere Wahl hat, als auf die E.ON-Forderungen einzugehen. "Man kann heute niemanden zwingen, ein Kraftwerk zu betreiben", hieß es in einer bayerischen Landesregierung. Und Homann selbst hatte kürzlich vor weiteren Kraftwerksschließungen gewarnt: "Damit würde das Sicherheitsniveau auf nicht mehr akzeptable Werte sinken."