Wie groß ist der Wertverlust eines Autos?

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Der Wertverlust gerade beim Kauf eines Neuwagens ist ein Thema, das viele Autokäufer beschäftigt. „Kaum beim Händler vom Hof gefahren, schon hast Du 20 Prozent Wertminderung“ ist einer der Sätze, die Neuwagenkäufer häufig zu hören bekommen. Die deutlich günstigeren Tageszulassungen spiegeln diesen Sachverhalt wider. Wie hoch ist aber der Wertverlust wirklich? Wie kann man ihn verzögern und gibt es besonders preisstabile Fahrzeuge? Diese Fragen wollen wir in diesem Ratgeber beantworten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Wertverlust fällt mit fast 25 Prozent im ersten Jahr am deutlichsten aus.
  • Sorgsame Pflege hilft, den Wertverlust deutlich zu verlangsamen.
  • Der Wertverlust kann nur von einem Gutachter für jedes Auto individuell ermittelt werden.
  • Die preisstabilsten Autos verzeichnen einen Restwert von über 50 Prozent nach vier Jahren Betriebsdauer.

Wie groß ist der Wertverlust bei einem Neuwagen?

Ist der Erwerb eines Autos geplant, das nicht in die klassische Kategorie der „Gebrauchten“ fällt, stellt sich die Frage, welche Option in Bezug auf den Wertverlust die günstigere ist – Neuwagen oder Tageszulassung? Ein Jahreswagen scheidet bei dieser Überlegung aus, da er schon zu alt ist.

Der Wertverlust, gerade im ersten Jahr, hängt vom Modell ab. Eine S-Klasse verliert in absoluten Zahlen mehr an Wert als Deutschlands preisgünstigster SUV. Relativ gesehen fällt der Wertverlust in der Oberklasse aber geringer aus. Eine Berechnung zum statistischen Mittelwert ergibt, dass bei einer jährlichen Laufleistung von 15.000 Kilometern der Wertverlust im ersten Jahr bei 24,2 Prozent liegt. In den Folgejahren pendelt er sich pro Jahr um rund sieben Prozent ein (Quelle: Autobild). Nach vier Jahren kann der Verkäufer noch mit der Hälfte des Neupreises rechnen.

Wie berechne ich den Wertverlust meines Autos?

Der Wertverlust des einzelnen Autos kann nicht anhand einer Formel ermittelt werden. Es gibt dafür keine mathematische Grundlage. Die Basis bildet der Gebrauchtwagenmarkt mit Angebot und Nachfrage. Die einzige Möglichkeit, selbst den ungefähren Restwert des Autos zu ermitteln, ist über ein Onlineportal, das den DAT-Rechner hinterlegt hat oder über die Schwacke-Liste.

Eine verbindliche Aussage kann jedoch nur ein Gutachter treffen. Hat dieser den Restwert des Autos bestimmt, bedeutet dies aber noch lange nicht, dass der Preis beim Verkauf auch erzielt werden kann.

Welche Faktoren spielen für den Wertverlust eine Rolle?

Weshalb der Wertverlust nicht ohne Weiteres mathematisch ermittelt werden kann, ergibt sich zwangsläufig aus den Faktoren, die hineinspielen. Diese sind vielfältig:

  • Gefahrene Kilometer
  • Zustand Lack
  • Zustand Innenraum
  • Scheckheftgepflegt
  • Raucherfahrzeug oder Nichtraucherfahrzeug
  • Tiertransporte

Ein Umstand, der sich im Verkaufspreis in der Regel überhaupt nicht niederschlägt, sind individuelle Extras. Dazu zählen zum Beispiel 500 Watt Bass-Booster oder vergoldete Radkappen. Der Erwerber ist in erster Linie an dem Auto selbst und nicht an den Extras interessiert. Die Radkappen wird er vermutlich austauschen, den Bass-Booster dem Verkäufer überlassen.

Es spricht allerdings nichts dagegen, beim Kauf eines Neuwagens den einen oder anderen allgemeingültigen Luxus mit einbauen zu lassen. Man muss bei Sonderausstattungen wirklich zwischen ausgefallenen individuellen Merkmalen und Dingen unterscheiden, die allgemeingültig als wertsteigernd angesehen werden, beispielsweise Klimaautomatik oder Öffnen des Kofferraums per Fußbewegung.

Wie lässt sich der Wertverlust verzögern?

Die Wertstabilität eines Autos hängt beispielsweise auch von der Farbe ab. Konservative Farben wie Schwarz oder Silber bescheren einen höheren Wiederverkaufswert als rot oder neongrün. Der Wertverfall lässt sich natürlich auch durch eine regelmäßige Innen- und Außenpflege aufhalten. Gerade mit einer guten Lackpflege bleibt das Erscheinungsbild des Wagens länger attraktiv und vermittelt einen höheren Wert.

Wer in seinem Auto raucht, mindert den Wert deutlich. Tiere haben zwar kein negatives Verkaufsimage, der Transport hinterlässt dennoch Spuren. Die Haare aus dem Fahrzeug zu entfernen, wird nie ganz gelingen.

Unfallspuren oder Schäden am Lack sollten immer von einem Fachmann repariert oder ausgeglichen werden. Schon leichte Abweichungen von der Norm, beispielsweise ein Farbverlauf, mindern den Restwert.

Gibt es besonders preisstabile Autos?

In absoluten Zahlen betrachtet, sind die preiswertesten Fahrzeuge auch die preisstabilsten. Je niedriger der Neupreis ausfällt, umso geringer ist der Wertverlust in absoluten Zahlen.

Im Jahr 2019 galten folgende Modelle als die Autos mit dem geringsten Wertverlust, gegliedert nach Kategorie:

  • Kleinstwagen: Fiat 500, Restwert 52,2 Prozent
  • Kleinwagen: VW Polo, Restwert 56,5 Prozent
  • Kompaktklasse: Mercedes CLA 180 Coupé, Restwert 57 Prozent
  • Mittelklasse: Audi A5 Sportback 35 TFSI S tronic, Restwert 55 Prozent
  • Oberklasse/Obere Mittelklasse: Audi A7 45 TFSI S tronic, Restwert 52 Prozent
  • Kleine und große SUV: Range Rover Evoque D150, Restwert 61 Prozent
  • Sportwagen/Coupés/Cabrios: 718 Boxster, Restwert 58 Prozent

Neuwertentschädigung in der Kfz-Versicherung

Die meisten Versicherer schließen in der Vollkaskoversicherung auch die Neuwertentschädigung ein. Dies ist eine feine Sache, wenn das Auto sechs oder zehn Monate nach der Erstzulassung einen Totalschaden erleidet oder gestohlen wurde. Der Eigentümer hat den Vorteil, dass er in diesem Fall nicht nur den Restwert erhält, der nach einem Jahr bereits 25 Prozent unter dem Neupreis liegt.

Bei der Auswahl des Versicherers sollte man aber darauf achten, dass die Neuwertentschädigung einen möglichst langen Zeitraum abdeckt. In den Premiumtarifen sind Fristen von 18 Monaten oder 24 Monaten nach Erstzulassung möglich. Die Klausel mit einer Dauer von sechs Monaten ist eher unbefriedigend.