Reifenwechsel: Worauf man achten sollte

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Wer mit seinem Fahrzeug übers ganze Jahr hinweg und bei jedem Wetter sicher unterwegs sein möchte, kommt zwei Mal im Jahr um einen Reifenwechsel nicht herum. Seit Dezember 2010 gilt sogar Winterreifenpflicht. Das bedeutet, dass in den Wintermonaten, wenn Glatteis, starke Schneefälle und Matsch den Autofahrern das Leben schwer machen, Fahrzeuge mit Sommerreifen in der Garage bleiben müssen. Aber denken Sie nicht nur an die gesetzlichen Regelungen. Es geht um Ihre Sicherheit. Mit Sommerreifen können Sie auf Schnee nicht sicher fahren. Und mit Winterreifen haben Sie im Sommer einen längeren Bremsweg und teilweise einen höheren Spritverbrauch.

Reifenwechsel selbst gemacht

Wer die Reifen selbst wechseln möchte, spart sich die Fahrt in die Werkstatt und kommt schneller und billiger davon. Die für den Reifenwechsel notwendigen Werkzeuge befinden sich in der Regel im Kofferraum beim Reserverad. Das sind ein Wagenheber und ein Wagenkreuz bzw. ein Radmutternschlüssel. Für den Schlüssel gibt es unter Umständen auch einen Teleskoparm, der das Lockern der Muttern erleichtert.

So funktioniert der Reifenwechsel

  1. Handbremse anziehen, damit der Wagen nicht rollt.
  2. Lockern Sie die Radmuttern leicht (bis 1 Umdrehung), solange der Wagen am Boden steht.
  3. Der Wagenheber wird gerade unter das Auto gesetzt. Nun muss so lange gekurbelt werden, bis sich das Rad knapp über dem Boden befindet.
  4. Die Radschrauben können gelöst und der Reifen abgenommen werden.
  5. Beim Montieren der neuen Räder ist die Laufrichtung wichtig. Nur korrekt montierte Reifen können Wasser auf der Fahrbahn verdrängen und für den richtigen Grip sorgen. Die Laufrichtung steht auf der Flanke / Seite des Reifens. Zum Überprüfen: Wenn Sie von vorn eine V-Form auf dem Reifenprofil erkennen, ist die Laufrichtung korrekt.
  6. Ziehen Sie die Räder kreuzweise an. Achten Sie darauf, dass die Felge nicht verkantet.
  7. Nun kann der Wagenheber heruntergekurbelt und gelöst werden. Jetzt erst ziehen Sie die Radmuttern richtig fest.
  8. Es ist ratsam, nach 20 Kilometern erneut die Schrauben nachzuziehen.

Reifendruck-Kontrollsystem – neue Regeln

Seit 2014 müssen Neuwagen mit einem Reifendruck-Kontrollsystem ausgestattet sein. Das hat Auswirkungen auf den Reifenwechsel. Es gibt zwei verschiedene Systeme.

Beim indirekt messenden System analysiert die Bordelektronik den Reifendruck. Verliert der Reifen Luft, verringert sich der Durchmesser. Das registrieren die ABS- und ESP-Sensoren. Ist das Auto mit diesem System ausgerüstet, können Autofahrer die Reifen weiter selbst wechseln. Das Kontrollsystem muss aber nach dem Wechsel neu eingestellt werden. Das klappt aber in der Regel mit Hilfe der Bedienungsanleitung und mit ein paar Klicks im Bedienmenü.

Beim direkt messenden System sind Sensoren direkt im Reifen verarbeitet. Dann muss jeder Sensor einzeln eingestellt werden und die Fahrt zur Werkstatt ist wohl in der Regel unumgänglich.

Regelungen bei Glatteis und Co.

Es gibt in Deutschland keine generelle Winterreifenpflicht, aber eine situative. Das heißt, wenn abzusehen ist, dass die Straßenverhältnisse nicht für Sommerreifen geeignet sind, darf das Auto nicht mit Sommerreifen fahren. Nicht geeignet können schon niedrige Temperaturen sein. Die Gummimischung von Winterreifen ist weicher. Sie haben damit bei Temperaturen unter null die besseren Fahreigenschaften. Bei Schnee und Schneematsch sind sie ohnehin deutlich überlegen. Die Lamellen (wellenförmige Einschnitte im Reifenprofil) greifen in den Schnee und verzahnen sich mit ihm. Die Traktion wird besser und der Bremsweg kürzer.

Wer gegen die Winterreifenregelung verstößt, muss mit einem Bußgeld in Höhe von 60 Euro und einem Punkt im Verkehrszentralregister rechnen. Kommt es dabei zu einer Behinderung des Verkehrs, erhöht sich das Bußgeld auf 80 Euro.

In welchen Monaten gilt die Winterreifenpflicht?

Auch wenn in der Straßenverkehrsordnung kein bestimmter Zeitraum festgelegt ist, raten Experten Autofahrern, sich an die sogenannte O-bis-O-Regel zu halten. Das bedeutet, dass Winterreifen von Oktober an bis zum Wochenende nach Ostern auf dem Auto bleiben sollen.

Aber das ist nur eine Faustformel. Wichtiger sind die Temperaturen: Liegen sie dauerhaft sicher über dem Gefrierpunkt, dann sollten Sie Sommerräder aufziehen. Wenn Minusgrade bei der Fahrt drohen, müssen Winterräder aufgezogen sein. Früher empfahlen manche Experten, bis sieben Grad noch mit Winterreifen zu fahren. Doch der TÜV Thüringen widerspricht. Moderne Sommerreifen haben auch knapp über dem Gefrierpunkt mehr Grip und kürzere Bremswege als Winterreifen. Aber eben nicht unter null und nicht bei Eisglätte.

Die Kfz-Haftpflicht gibt es keine Probleme. Sie zahlt immer den Schaden des Gegners – egal, welcher Reifen auf dem Auto war. Beim Kaskoschaden darf die Versicherung aber einen Teil der Kosten streichen. Dafür müsste sie nachweisen, dass dem Fahrer die Gefahr klar sein musste und dass der Schaden mit Winterreifen nicht passiert wäre. Doch selbst diesen Ärger können Sie umgehen: Schließen Sie einen leistungsstarken Tarif ab, der auch grob fahrlässig verursachte Schäden versichert. Dann prüft der Versicherer nicht, welche Auswirkungen die Sommerreifen hatten, und zahlt den kompletten Schaden.

Die richtige Einlagerung der Reifen

Korrekt eingelagerte Reifen leben länger. Der optimale Ort sollte kühl, dunkel und trocken sein. Werden die Reifen heiß, kann die Elastizität und Festigkeit der Gummisubstanz in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Reifen sollten auch auf keinen Fall in Kontakt mit Öl oder Benzin geraten. Idealerweise werden Reifen auf einem Felgenbaum gelagert, der im Fachhandel erhältlich ist. Die Reifen können aber auch auf einer Holzpalette waagerecht aufeinander gestapelt werden. Bei Reifen ohne Felgen muss darauf geachtet werden, dass die Räder senkrecht stehen und von Zeit zu Zeit gedreht werden.

Reifen beim Fachhändler einlagern

Sie können die Reifen auch gegen eine geringe Gebühr beim Fachhändler einlagern. Der Händler stellt nicht nur einen geeigneten Lagerraum zur Verfügung; er kümmert sich auch um die Reinigung der Reifen und prüft, ob das Gummi Schäden aufweist. Adressen von Reifenfachhändlern gibt es im Branchenverzeichnis oder im Internet.

Allwetterreifen als Alternative zu Sommer- und Winterpneus

Wer die Mühen des Reifenwechsels und der Einlagerung scheut, kann Allwetterreifen nutzen. Ein Blick aufs Profil von Ganzjahresreifen zeigt, dass sie eine Kombination beider Reifentypen sind. So sind einerseits tiefe Längsrillen vorhanden, die auch an Sommerreifen zu finden sind und für eine gute Wasserverdrängung sorgen. Andererseits befinden sich kleine Verzahnungen in den einzelnen Profilblöcken, die für einen guten Halt bei Eis und Schnee sorgen.

Sind Allwetterreifen besser als Sommer- und Winterreifen?

Diese Frage muss klar verneint werden. Im Sommer sind reine Sommerreifen besser, ebenso ist man im Winter nur mit speziellen Winterreifen auf der absolut sicheren Seite. Allwetterreifen sind nicht mehr als ein Kompromiss zwischen beiden Reifentypen. Wer mit seinem Fahrzeug in ein Skigebiet fährt, tut gut daran, sich mit Winterreifen auf die Reise zu begeben.

Sind Allwetterreifen günstiger als Sommer- und Winterreifen?

Ja und Nein. Zunächst ist die Anschaffung nur eines Reifensatzes zwar günstiger. Aber auf lange Sicht fährt man mit Sommer- und Winterreifen günstiger. Denn der Verschleiß ist bei Ganzjahresreifen deutlich höher, sie müssen daher auch häufiger getauscht werden als Sommer- und Winterreifen. Wer sich dennoch für Allwetterreifen entscheidet, sollte auf qualitativ hochwertige Reifen Wert legen.