Kredit umschulden: Sinnvoll oder nicht?

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Wer einen Ratenkredit abzahlt, entrichtet an die Bank häufig Zinsen, die höher sind, als es dem heutigen Marktniveau entspricht. Um Kosten zu sparen, können Kreditnehmer ihren Kredit umschulden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Sinnvoll ist eine Umschuldung dann, wenn die Zinsen für den neuen Kredit deutlich niedriger sind als für den bisherigen.
  • Umschuldungen sind bei Dispo- und Ratenkrediten problemlos möglich.
  • Bei Ratenkrediten kann bei vorzeitiger Rückzahlung eine Entschädigung von maximal einem Prozent des Restbetrags anfallen.
  • Kreditnehmer sollten ihren alten Kredit erst kündigen, wenn der neue Finanzierungsgeber den Umschuldungskredit bewilligt hat.

Wann ist es sinnvoll, einen Kredit umzuschulden?

Wer einen Kredit aufnimmt, plant über mehrere Jahre hinweg die Rückzahlung seiner Verbindlichkeiten. Im Lauf der Zeit können jedoch Situationen eintreten, die eine Kredit-Umschuldung sinnvoll erscheinen lassen.

Lohnenswert ist eine Umschuldung vor allem dann, wenn sich damit Zinskosten sparen lassen. Eine Vielzahl an Kreditnehmern zahlt für ihre laufenden Ratenkredite vergleichsweise hohe Zinsen und könnte bei einem Neuabschluss einen Kredit mit niedrigerem Zinssatz erhalten.

Besonders lohnenswert ist die Umschuldung, wenn der Dispokredit des Girokontos für eine längere Finanzierung genutzt wird. Häufig beträgt der Zinssatz des Dispos mehr als das Doppelte oder Dreifache des Zinses für einen Ratenkredit. Sobald absehbar ist, dass das Girokonto nicht innerhalb von sechs bis zwölf Monaten wieder ins Plus kommt, sollten Kontoinhaber darüber nachdenken, ob sie ihren Dispo-Kredit umschulden. Sinnvoll ist hierfür zumeist ein Ratenkredit mit einer kurzen Laufzeit von 12 Monaten.

Kann ich einen Kredit während der Laufzeit kündigen?

Ob und zu welchen Bedingungen Sie einen laufenden Kredit kündigen können, hängt von der Kreditform ab.

Dispokredite

Die Rückzahlung eines Dispokredites erfolgt automatisch mit jeder Gutschrift auf dem Girokonto. Sobald Sie einen Betrag in Höhe des noch ausstehenden Dispokredites erhalten, ist somit der Kredit getilgt. Weiterhin bestehen bleibt dabei die Vereinbarung über den Kreditrahmen – somit müssen Sie bei künftiger Inanspruchnahme des Dispo-Kreditrahmens diesen nicht wieder neu beantragen. Die Ablösung von Dispo-Schulden durch einen Ratenkredit löst somit keine Kündigung aus, senkt aber Ihre Dispo-Zinskosten auf Null.

Ratenkredite

Wenn Sie einen Ratenkredit abgeschlossen haben, können Sie die noch ausstehenden Verbindlichkeiten jederzeit und ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist außerplanmäßig zurückzahlen. Mit der vollständigen Rückzahlung endet der Kreditvertrag.

Einzelne Banken ermöglichen es ihren Kunden, auch Teilrückzahlungen außerhalb des Tilgungsplans zu leisten. In diesem Fall reduziert sich der Kreditsaldo, doch der Kreditvertrag hat bis zur Zahlung der letzten Rate weiter Bestand.

Immobilienkredite

Bei mit Grundschulden besicherten Immobilienkrediten ist eine Kündigung während der Sollzinsbindung nicht möglich. Ausnahmen bestehen lediglich bei wichtigem Grund wie etwa dem Verkauf der mit dem Kredit finanzierten Immobilie.

Sind mit der vorzeitigen Rückzahlung Gebühren verbunden?

Beim Dispo-Kredit gibt es keine fest vereinbarte Laufzeit, da es sich um einen flexibel nutzbaren Kreditrahmen handelt. Somit sind auch Rückzahlungen in beliebiger Höhe jederzeit möglich, ohne dass die Bank dafür eine Gebühr in Rechnung stellt.

Beim Ratenkredit binden sich Bank und Kreditnehmer an eine vereinbarte Laufzeit und einen festen Zinssatz. Daher darf die Bank eine Entschädigung verlangen, wenn der Kreditnehmer seine Schulden vorzeitig zurückzahlt und ihr dadurch Zinseinnahmen entgehen. Die Höhe der Entschädigung ist gesetzlich geregelt:

  • Beträgt die restliche Laufzeit des Kredites mehr als 12 Monate, darf die Bank maximal 1,0 Prozent des noch ausstehenden Kreditbetrags als Entschädigung verlangen.
  • Liegt die Restlaufzeit bei weniger als 12 Monaten, ist die Höhe der Entschädigung auf 0,5 Prozent des noch ausstehenden Kreditbetrags begrenzt.

Manche Banken bieten ihren Kunden sogar die Möglichkeit, jederzeit beliebige Sondertilgungen bei Ratenkrediten zu leisten, ohne dass dafür eine Entschädigung anfällt.

Kredit umschulden: Sinnvoll Schritt für Schritt vorgehen

Wenn Sie Ihren Kredit umschulden, sollten Sie sinnvollerweise bei der Planung schrittweise vorgehen. Damit können Sie Ihre Ersparnis optimieren und gleichzeitig einen sicheren Übergang vom alten auf den neuen Kredit sicherstellen.

Schritt 1: Verbleibende Kosten ermitteln

Für die Ermittlung der noch ausstehenden Kosten benötigen Sie die restliche Anzahl der vereinbarten Monatsraten sowie den aktuellen Kreditsaldo. Den Saldo können Sie entweder über das Onlinebanking der kreditgebenden Bank oder durch Nachfrage erhalten.

Multiplizieren Sie nun die Anzahl der noch ausstehenden Monatsraten mit der Ratenhöhe. Beachten Sie dabei, dass die letzte Rate häufig einen niedrigeren Betrag als die anderen Raten aufweist. Zur Summe der Raten kommt noch eine mögliche Entschädigung für die vorzeitige Rückzahlung hinzu. Diese beträgt 1,0 Prozent – bei weniger als 12 Monaten Restlaufzeit 0,5 Prozent – des aktuellen Kreditsaldos.

Schritt 2: Konditionen für Umschuldungskredit vergleichen

Vergleichen Sie nun die Konditionen eines neuen Kredites mit dem Zinssatz Ihres Altkredites. Sind die neuen Effektivzinsen deutlich günstiger als die des bestehenden Kredites, können Sie den Kredit umschulden. Sinnvoll ist es, die neue Laufzeit an die verbleibende Restlaufzeit des Kredites anzupassen.

Wie viel Geld Sie konkret sparen, sehen Sie, wenn Sie die Gesamtkosten des neuen Kredites plus Entschädigung für die vorzeitige Rückzahlung den regulär verbleibenden Kosten des alten Kredites gegenüberstellen.

Tipp: Für den Vergleich zwischen altem und neuem Kredit können Sie den Verivox Umschuldungsrechner nutzen. Achten Sie darauf, dass Sie beim Kostenvergleich eine mögliche Entschädigung für die vorzeitige Rückzahlung berücksichtigen.

Schritt 3: Neuen Kredit beantragen

Nun können Sie den neuen Kredit bei dem Finanzierungsgeber beantragen, der Ihnen die günstigsten Konditionen bietet. Die neue Bank prüft Ihre Bonität und Ihren Schufa-Eintrag. Sind die Daten aus Sicht der Bank in Ordnung, bewilligt sie den Kredit und veranlasst die Auszahlung.

Nun können Sie Ihren alten Kredit kündigen und nach Auszahlung des neuen Kredites die verbleibenden Schulden ablösen.