Was tun gegen Schneedruck?

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Für viele Menschen ist Schneefall ein beruhigender Anblick. Leise fallen die Flocken, absorbieren die Geräusche ringsum und hüllen die Welt in eine weiße Verpackung. Allerdings geht für Hausbesitzer auch eine gewisse Gefahr von der weißen Pracht aus. Schneedruck ist nicht zu unterschätzen und führte schon zu dramatischen Ereignissen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Schneedruck gefährdet aufgrund des hohen Gewichtes insbesondere Flachdächer.
  • Das Gewicht des Schnees hängt von seiner Konsistenz ab. Profis messen die Schneehöhe immer an drei Stellen am Dach und wiegen die Schneeproben.
  • Muss das Dach vom Schnee befreit werden, empfiehlt es sich, das Dach nicht zu betreten und gegebenenfalls den Bürgersteig entsprechend zu sichern.
  • Versicherungsschutz bei Schäden durch Schneedruck besteht nur über den Einschluss der Elementarschadenabsicherung.

Für Hausbesitzer gilt: Schneehöhe messen

Was so leicht anmutend vom Himmel schwebt, hat in der Masse einiges an Gewicht. Eine Schneehöhe von 20 Zentimeter Pulverschnee belastet einen Quadratmeter der Dachoberfläche mit 20 Kilogramm. Als Berechnungsformel für das Gewicht auf dem Dach gilt: Schneehöhe in Metern (hier 0,2) * 100 kg = Last pro Quadratmeter.

Altschnee, der nass geworden ist, bringt es auf bis zu 80 kg pro Quadratmeter. Gerade bei den klassischen Fertighaus-Bungalows der 70er Jahre mit Flachdach kann das bittere Konsequenzen durch den Schneedruck mit sich bringen: Das Dach gibt unter der Last nach. Grundsätzlich gilt für Flachdächer ein höheres Risiko bei Schneefall als bei Dächern mit entsprechendem Neigungswinkel. Diese Dächer ermöglichen es, dass der Schnee abrutschen kann. Aber auch hier gilt Vorsicht: Herabstürzende Schneemassen stellen eine Gefährdung für die Umwelt dar.

Es empfiehlt sich bei anhaltendem Schneefall, die Schneehöhe zu messen und gegebenenfalls das Dach von der Schneelast zu befreien. Dies hilft auch davor, dass sich aus angetautem Schnee eine Eisschicht bildet. Eine nur 1 cm dicke Eisschicht wiegt so viel wie zehn Zentimeter Pulverschnee.

Wer den Schnee nicht von unten mittels einer Teleskopstange vom Dach bekommt, muss über das Dachfenster oder die Dachluke die Reinigung vornehmen. Gerade bei Dächern mit Gauben ergibt sich noch eine andere Gefahr. Durch Windverwehungen kann sich überall in möglichen Ecken eine höhere Schneedecke bilden, die dann an dieser Stelle mit deutlich höherem Schneedruck auf das Dach einwirkt. Durch Sonneneinstrahlung kann der Schnee an einigen Stellen nasser und damit schwerer sein als an Stellen, die permanent im Schatten liegen. Die Feuerwehr testet bei Proben der Schneehöhe auf einem eventuell gefährdeten Dach an drei Stellen und wiegt die Schneeproben aus, um sich ein genaues Bild über die Massenverhältnisse zu machen.

Wie befreit man das Dach ohne Gefahr vom Schneedruck?

Ist es nicht möglich, den Schnee aus einer Dachluke heraus vom Dach wegzuräumen, hilft nur die Beseitigung von außen. Zur Minderung der Gefahr sollten Hausbesitzer das Dach aber nicht betreten. Zum einen ist es glatt, zum anderen erhöhen sie damit noch einmal das Gewicht. Folgendes Vorgehen empfehlen die Profis von der Feuerwehr:

  • Das Dach nicht betreten.
  • Entweder von der Dachluke aus arbeiten oder eine Leiter am Dach anlegen.
  • Wer mit Leiter arbeitet, sollte sich genauso absichern wie ein Bergsteiger. Die Vorsicht ist angebracht, da er möglicherweise auf der Leiter steht, ohne sich mit einer Hand festhalten zu können.
  • Den Schnee mit einem weichen Besen vom Dach abkehren.
  • Nicht wild auf dem Dach herumkehren, sondern systematisch Abschnitt für Abschnitt vorgehen.
  • Geht das Dach zum Bürgersteig hinaus, den Bürgersteig entsprechend sichern, um Passanten vor herabfallendem Schnee zu schützen.

Schneefanggitter – Schutz vor Dachlawinen

Hausbesitzer müssen im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht dafür sorgen, dass andere Personen vor möglichen Dachlawinen von ihrem Haus geschützt sind. Einige Bundesländer schreiben sogar vor, in welchem Fall ein Schutz vor Dachlawinen am Haus angebracht sein muss. In allen anderen Fällen ist es eine Frage des gesunden Menschenverstandes.

Welche Versicherungen greifen bei Schäden durch Schneedruck?

Abhängig davon, was durch Schneedruck beschädigt wurde, besteht eine Deckung für Gebäudebestandteile durch die Wohngebäudeversicherung oder für den beweglichen Hausrat des Versicherungsnehmers durch die Hausratversicherung. Voraussetzung ist allerdings, dass die Police die sogenannte Elementarschadenklausel enthält. Ohne diesen gesonderten Einschluss leistet kein Versicherer bei Schäden durch Schneedruck.