Sind Schäden durch Grundwasser abgedeckt?

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Die verbundene Wohngebäudeversicherung versichert Schäden durch Grundwasser, allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen. Der Versicherungsschutz ist keine Standarddeckung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Grundwasserschäden sind nur versichert, wenn das Grundwasser hochwasserbedingt oberirdisch in das Haus eindringt.
  • Voraussetzung für eine Schadensregulierung ist eine Elementarschadenversicherung mit Grundwassereinschluss.
  • Die Höhe der Versicherungsprämie richtet sich nach der Wahrscheinlichkeit, mit der ein Hochwasserschaden in der Region eintritt.

Wann greift der Versicherungsschutz für Grundwasserschäden?

Die Wohngebäudeversicherung besteht, im Gegensatz zur Hausratversicherung, nicht aus einem Paket, sondern aus einzelnen Bausteinen, von denen jeder für sich ausgewählt werden kann. Bei den Hauptrisiken handelt es sich um Feuer, Leitungswasser und Sturm. Als vierten Baustein bieten die Versicherer seit einigen Jahren auch eine Elementarschadendeckung an. Dieser Baustein in der verbundenen Wohngebäudeversicherung ist entscheidend, wenn es um die Frage geht, ob Schäden durch Grundwasser abgedeckt sind. Die Elementarschadendeckung leistet unter anderem bei Schäden durch

  • Überflutung
  • Schneebruch
  • Schneelawinen
  • Schlammlawinen
  • Erdbeben
  • Vulkanausbrüchen

Wie definieren die Versicherer Schäden durch Grundwasser?

Unter Grundwasser verstehen die Versicherungsgesellschaften Wasser, welches unterirdisch im Erdreich vorhanden ist. Es stellt sich die Frage, wann Grundwasser für ein Gebäude eine Gefahr darstellen kann. Dringt es unterirdisch ein und beschädigt das Mauerwerk, besteht kein Versicherungsschutz. Anders verhält es sich jedoch, wenn Grundwasser nach oben gedrückt wird und über der Erdoberfläche steht. Dies kann beispielsweise der Fall nach einem Starkregen sein oder nach einer Überschwemmung. Das Grundwasser steht im Garten, bildet einen See und dringt durch die Kellerfenster in das Haus ein. Dieser klassische Schadenshergang ist durch die Elementarschadendeckung versichert. Bleibt das Grundwasser dagegen unterhalb der Erdoberfläche, besteht kein Versicherungsschutz.

Versicherer entscheiden über Risikoannahme

Die vergangenen Jahrzehnte haben gezeigt, dass das Hochwasserrisiko auch in Deutschland zugenommen hat. Die Rede ist dabei nicht nur von Nord- und Ostsee, sondern auch von den Überschwemmungen in Süddeutschland oder im Oderbruch.

Bei der Risikokalkulation legen die Versicherer Risikoregionen, die ZÜRS-Zonen fest. Anhand der Zone, die sich aus der Postleitzahl ergibt, wird die Prämie festgesetzt oder das Haus als nicht versicherbares Risiko deklariert.

Grundlage für die Einstufung in die jeweilige ZÜRS-Zone ist die Wahrscheinlichkeit, mit der es in der jeweiligen Region zu einer Überschwemmung kommt. Die Versicherer unterscheiden vier ZÜRS-Zonen:

  • Klasse I, sehr geringe Gefährdung. Hochwasserrisiko kleiner als einmal in 200 Jahren.
  • Klasse II, geringe Gefährdung, Hochwasserrisiko kleiner als einmal in 100 bis 200 Jahren. Region ist auch durch Deiche geschützt.
  • Klasse III, mittlere Gefährdung. Statistisch gesehen tritt ein Hochwasser einmal in 10 bis 100 Jahren auf.
  • Klasse IV, hohe Gefährdung. Das Hochwasserrisiko liegt bei einmal in zehn Jahren.

Bei der Einstufung des Risikos spielt es auch eine Rolle, ob das Gebäude in der Nähe eines Gewässers steht. Laut dem Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GdV) werden 1,7 Prozent der Gebäude in Deutschland in den Risikoklassen I und II eingestuft.

Pflichten der Versicherungsnehmer

Das Hochwasserrisiko setzt voraus, dass die Versicherungsnehmer diesem besonderen Risiko auch über den Abschluss einer Versicherung hinaus entgegenwirken. Versicherungsnehmer haben grundsätzlich eine sogenannte Schadensminderungspflicht. In hochwassergefährdeten Gebieten muss der Versicherungsnehmer dafür sorgen, dass im Gebäude Rückschlagklappen vorhanden sind und diese auch funktionieren. Die Abflussleitungen auf dem Grundstück müssen freigehalten werden.

Wurde die Elementarschadenabsicherung in Verbindung mit einer Hausratversicherung abgeschlossen, gelten noch weitere Vorgaben. So muss der Versicherungsnehmer im Keller aufbewahrte Hausrat mindestens zwölf Zentimeter über dem Fußboden verstauen.