Immer wenn im Zuge eines Verfahrens ein Rechtsbeistand beauftragt wird, fallen Anwaltsgebühren an. Diese können Klient und Anwalt generell frei miteinander verhandeln. Es gibt jedoch auch einige gesetzliche Einschränkungen, die beachtet werden müssen. Das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz gibt Aufschluss darüber, wie abgerechnet werden darf, und schützt den Klienten so vor zu hohen Kosten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Anwälten ist es nicht möglich, nach gewonnenen Prozessen besonders hohe Entgelte zu fordern.
  • Alle Berechnungsgrundlagen werden im Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) festgelegt.
  • Bei einer außergerichtlichen Einigung darf ein Anwalt außerdem eine Einigungsgebühr verlangen, die etwas höher ausfällt als die Geschäftsgebühr.

Einschränkungen bei Anwaltsgebühren

Entgegen der Meinung vieler ist es Anwälten nicht möglich, nach gewonnenen Prozessen besonders hohe Entgelte zu fordern. Ein solches Vorgehen ist laut Bundesrechtsanwaltskammer in Deutschland bis auf sehr wenige Ausnahmen nicht erlaubt. Durch eine Vergütungsvereinbarung, die immer in Textform vorliegen muss, wird eindeutig festgelegt, wie viel Geld der Anwalt erhält. Eine mündliche Vereinbarung reicht also nicht aus. Oft gibt es auch einen Hinweis darauf, dass die gegnerische Partei bei einer Niederlage nicht mehr als die gesetzliche Vergütung zahlt. Gleiches gilt, wenn ein anderer Verfahrensbeteiligter oder die Staatskasse die Kosten trägt.

Schließlich muss noch zwischen den Kosten für das Verfahren selbst und außergerichtlichen Dienstleistungen unterschieden werden. Dazu zählen beispielsweise Beratungsgespräche vor oder nach einem Verfahren. In jedem Fall verpflichtet sich ein Anwalt per Gesetz dazu, die Kosten für seinen Klienten gering zu halten.

Wovon können die Anwaltsgebühren abhängen?

Durch verschiedene Variablen lassen sich konkrete Beispiele für Anwaltskosten schwer berechnen. Alle Berechnungsgrundlagen werden im Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) festgelegt. Demnach darf ein Anwalt bei Privatpersonen maximal 190 Euro für die Erstberatung ansetzen. Weitere Gebühren sind gegebenenfalls abhängig vom Streitwert. Geht es in einem Verfahren etwa um den Diebstahl eines Gegenstands im Wert von 1000 Euro, so stellt dies den Streitwert dar. Für außergerichtliche Tätigkeiten kann ein Anwalt auch eine Geschäftsgebühr erheben. Diese beträgt bei einem Streitwert von 1000 Euro durchschnittlich rund 100 Euro – genaue Werte sind im Vergütungsverzeichnis (Anlage 1 RVG (zu § 2 Abs. 2)) zu finden.

Bei einer außergerichtlichen Einigung darf ein Anwalt außerdem eine Einigungsgebühr verlangen, die etwas höher ausfällt als die Geschäftsgebühr. Ist eine außergerichtliche Einigung nicht möglich, entstehen durch ein gerichtliches Verfahren weitere Kosten. Nur eine Honorarvereinbarung, die nicht unter dem gesetzlichen Minimum liegen darf, schützt hier.

Wann Anwaltsgebühren nicht anfallen

Grundsätzlich kann sich ein Anwalt darauf verlassen, zumindest das gesetzliche Mindestentgelt zu bekommen. Gerade für Angeklagte in einem Strafverfahren fallen aber nicht immer direkt Anwaltskosten an. Wer angeklagt ist und sich selbst keinen Anwalt leisten kann, bekommt einen Verteidiger vom Gericht gestellt. Die dafür notwendigen Kosten übernimmt dann die Staatskasse. In einem solchen Fall ist es jedoch nicht möglich, sich einen Verteidiger auszusuchen.

In einem Zivilprozess gibt es in der Regel keine Pflichtverteidiger, sodass hier alle Beteiligten ihre Anwaltsgebühren selbst tragen müssen. Wer sich außerdem eigenständig einen Anwalt aussuchen möchte, muss diesen auch in jedem Fall selbst bezahlen. Mit einer günstigen Rechtsschutzversicherungkönnen Verbraucher sich allerdings vor hohen Ausgaben bei einem Verfahren schützen. Diese übernimmt die Anwaltsgebühren, die Gerichtskosten und bei verlorenem Prozess auch die Kosten, die der gegnerischen Seite zu erstatten sind.