Was darf man am Steuer und was verbietet die StVO?

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Die Frage "Was darf man am Steuer?“ steht nicht erst seit der Diskussion um die Handynutzung im Raum. Zahlreiche Umstände können beim Autofahren dafür sorgen, dass der Fahrer abgelenkt ist oder abgelenkt sein könnte. Dazu kommen noch mögliche körperliche Beeinträchtigungen, bei denen nicht klar ist, ob man damit Autofahren darf oder nicht. Die Straßenverkehrsordnung (StVO) besagt nicht, wie man ein Fahrzeug führen muss, nur dass der Fahrer dazu selbstständig und ohne Einschränkung in der Lage sein soll. Wie verhält es sich also mit Gips am Arm oder Handy am Ohr?

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Straßenverkehrsordnung kennt nur wenige namentlich benannte Verbote in Bezug auf das Führen eines Autos.
  • Wichtig ist, dass der Fahrer keine Einschränkungen dabei hat.
  • Gerichte stützen sich bei der Rechtssprechung auf das Strafgesetzbuch, wenn es zu Klagen kommt.
  • Handelt der Fahrer grob fahrlässig, kann die Versicherung die Leistung entsprechend kürzen.

Körperliche Einschränkung kein Grund, Auto zu fahren?

Es gibt diverse körperliche Einschränkungen, welche das Autofahren auf den ersten Blick fraglich machen. Dazu zählen

  • Gips an Arm oder Bein
  • Schiene an den Extremitäten
  • Krücken
  • Eingeschränkte Sehkraft
  • Eingeschränkte Hörfähigkeit

Gips und Schienen

Die StVO besagt an keiner Stelle, dass das Fahren mit einem Gips oder einer Schiene nicht zulässig ist. Es ist allerdings fraglich, ob das Autofahren mit einem vergipsten rechten Fuß machbar ist. Vor allem bei einem Auto mit Schaltgetriebe wird es schwierig. Wer Automatik fährt und einen linken ruhiggestellten Fuß hat, mag sich das Fahren noch zutrauen.

Schwierig wird es, wenn ein Arm in Gips oder in einer Schiene ist. Theoretisch ist das Fahren möglich, aber: Kommt es zu einem Unfall, ziehen die Gerichte bei der Beurteilung des Sachverhaltes den Paragrafen 315c StGB heran. Die Berufung auf das Strafgesetzbuch lässt bereits erahnen, dass bei einem Schadensfall ein besonderes Maß angelegt wird.

"(1) Wer im Straßenverkehr ein Fahrzeug führt, obwohl er …. b) infolge geistiger oder körperlicher Mängel nicht in der Lage ist, das Fahrzeug sicher zu führen, …., und dadurch Leib oder Leben eines anderen Menschen oder fremde Sachen von bedeutendem Wert gefährdet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft."

Es spricht nichts dagegen, mit Krücken Auto zu fahren. Allerdings bleibt die Frage, weshalb der Fahrer Krücken nutzen muss. Vermutlich, weil ein Bein oder ein Fuß in Gips oder in einer Schiene ist. Damit sind wir wieder bei der Ausgangsfrage dieses Abschnitts.

Sehkraft und Hörfähigkeit

Die Frage nach der Sehkraft steht im Zusammenhang mit dem Führen eines Fahrzeugs auch immer wieder im Raum. Einige Fahrzeugführer haben einen Vermerk im Führerschein, dass es ihnen nur mit Nutzung einer Sehhilfe gestattet ist, Auto zu fahren. Die gesetzlich vorgeschriebene Sehkraft beträgt 70 Prozent. Stellt ein Polizist bei einer Verkehrskontrolle fest, dass ein Fahrer gegen diese Auflage verstößt, und ohne Sehhilfe ein Fahrzeug steuert, fällt ein Bußgeld in Höhe von 35 Euro an.

In Zusammenhang mit der Hörfähigkeit spielen zwei Aspekte hinein. Zum einen geht es um Taubheit an sich, zum anderen um Verminderung der Hörfähigkeit durch laute Musik oder Kopfhörer.

Für gehörlose Personen gilt, dass die Taubheit keinen Verlust des Gleichgewichtssinns bedingt. In diesem Fall wäre das Autofahren nicht zulässig. Es gibt auch keinerlei Vorschriften, welche extrem laute Musik im Auto oder das Tragen von Kopfhörern untersagen. Allerdings sieht die Straßenverkehrsordnung eine Einschränkung vor. Der Fahrer muss immer in der Lage sein, akustische Warnsignale anderer Verkehrsteilnehmer oder Martinshörner von Einsatzfahrzeugen wahrzunehmen.

Das Handy im Auto

Das Thema Handy im Auto ist klar geregelt. Wer bei laufendem Motor oder während der Fahrt ohne Freisprecheinrichtung telefoniert, muss mit einem Bußgeld in Höhe von 70 Euro und einem Punkt in Flensburg rechnen. Nun kann man ein Handy aber nicht nur zum Telefonieren nutzen, sondern auch zum Nachrichten tippen. Dies ist wiederum erlaubt, sofern sich das Telefon in einer festen Halterung im Auto befindet und nicht in der Hand.

Telefonieren an einer roten Ampel ist ebenfalls erlaubt, sofern der Motor aus ist. Dieser Sachverhalt greift beispielsweise bei Fahrzeugen mit Start-Stopp-Automatik. Springt der Motor allerdings wieder an, muss das Telefonat beendet werden.

Handys werden immer häufiger auch als Navigationsgerät verwendet. So, wie man auf einem Handy tippen darf während der Fahrt, ist auch der Gebrauch eines Navis erlaubt.

Darf man im Auto essen?

Die Drive-in-Restaurants der großen Fast Food Ketten würden ad absurdum geführt, wenn das Essen im Auto für den Fahrer verboten wäre. Es gibt keinerlei Einschränkung, die Essen und Trinken im Auto untersagt. Allerdings kann sich jeder selbst ausmalen, dass das Löffeln einer Suppe während der Fahrt oder die Einnahme einer Speise während der Fahrt mit Messer und Gabel eher kritisch bis unmöglich wird.

Wie weit darf die Bequemlichkeit beim Autofahren gehen?

Gerade im Sommer verleitet das Wetter dazu, auch beim Autofahren eine gewisse Leichtigkeit zu leben. Flip-Flops anstelle von Sneaker sind durchaus erlaubt. Das gilt natürlich auch für High-Heels. Es gilt jedoch immer der Grundsatz, dass die sichere Führung des Fahrzeugs an oberster Stelle steht. Es spricht auch nichts dagegen, barfuß Auto zu fahren. Allerdings muss der Fahrer im Fall eines Unfalls damit rechnen, dass ihm das Gericht eine Teilschuld vorhält. Barfuß oder mit Flip-Flops fahren bietet nicht die gleiche souveräne Kontrolle über das Fahrzeug wie festes Schuhwerk.

Es ist übrigens auch nicht verboten, bei offenem Fenster den Arm aus dem Fenster hängen zu lassen oder als Beifahrer die Füße entspannt nach draußen zu strecken. Allerdings sollte man sich bei Fahrten in das europäische Ausland im Vorfeld informieren, wie es dort bestellt ist.

Rauchverbot im Auto?

Aktuell gilt in Deutschland kein Rauchverbot im Auto. Allerdings sind einige Nachbarländer weiter. Vor einer Fahrt ins Ausland macht es für Raucher Sinn, sich über die Vorschriften dort zu informieren.

Darf ich den Hund im Auto streicheln?

Hunde müssen in Deutschland entweder gesichert auf der Rückbank fahren oder im Kofferraum des Kombis in einer Transportbox untergebracht sein.

Es ist nicht möglich, einen ordnungsgemäß gesicherten Hund auf der Rückbank zu kraulen und gleichzeitig den Oberkörper so zu halten, dass man dem Straßenverkehr die volle Aufmerksamkeit widmen kann. Die Entscheidung zwischen "dürfen" und "lieber bleiben lassen" ergibt sich aus dem persönlichen Bedürfnis nach einer unfallfreien Fahrt.

Während der Fahrt das Kind auf dem Rücksitz beruhigen

In diesem Fall gilt das Gleiche wie für den Hund. Mit Worten beruhigen ist das eine, beruhigend streicheln das andere. In diesem Fall sollte man aus Rücksichtnahme auf die Sicherheit des Kindes und aller Verkehrsteilnehmer an den Straßenrand fahren, um sich dort dem Nachwuchs zu widmen.

Fazit

Es gibt kaum etwas, das im Auto gemäß Straßenverkehrsordnung namentlich verboten ist. Mit der Definition des Fahrzeugführens ohne Einschränkung ist allerdings deutlich, dass alles verboten ist, was zu einer Einschränkung führt.

Abgesehen von der Tatsache, dass die Rechtsprechung sich auf das Strafgesetzbuch bezieht, haben Handlungen, die das Führen einschränken, auch versicherungsrechtliche Konsequenzen. Wer im Auto mit Messer und Gabel isst, handelt grob fahrlässig. Die Versicherer behalten es sich vor, die Regulierung für einen verursachten Schaden in Abhängigkeit von der Fahrlässigkeit des Fahrzeughalters zu vorzunehmen.