Bei der Fahrprüfung durchgefallen: Wie es danach weitergeht

Text: Verivox

Wer im ersten Anlauf bei der Fahrprüfung durchgefallen ist, sollte sich nicht entmutigen lassen, denn das passiert vielen Menschen. Viele Fahrschüler fragen sich in dieser Situation, wie es nun weitergeht. Besteht die Möglichkeit, die Prüfung sofort zu wiederholen? Welche Zusatzkosten verursacht eine nicht bestandene praktische Führerscheinprüfung?

Das Wichtigste in Kürze

  • Etwa 37 Prozent aller theoretischen und 33 Prozent aller praktischen Fahrerlaubnisprüfungen werden hierzulande nicht bestanden.
  • Sind Sie bei einer Fahrprüfung durchgefallen, müssen Sie mindestens zwei Wochen warten, bevor Sie diese wiederholen dürfen.
  • Fahrschüler haben für die theoretische und praktische Prüfung grundsätzlich beliebig viele Versuche, es ist jedoch jedes Mal erneut eine Gebühr zu bezahlen.
  • Wie oft eine Person durch die Fahrprüfung gefallen ist, wirkt sich nicht auf die Höhe der Prämie der Kfz-Versicherung aus.

Wie viele Menschen fallen durch die Führerscheinprüfung?

2019 wurden in Deutschland 1,81 Millionen theoretische und 1,70 Millionen praktische Führerscheinprüfungen durchgeführt. Die theoretische Prüfung bestanden circa 63 Prozent – also knapp zwei Drittel – aller Fahrschüler beim ersten Versuch. Die praktische Fahrerlaubnisprüfung bestanden sogar 67 Prozent auf Anhieb. Allerdings fallen die Werte je nach Bundesland unterschiedlich aus. In Baden-Württemberg betrug der Anteil der nicht bestandenen praktischen Prüfungen beispielsweis lediglich 26 Prozent, wohingegen Hamburg und Bremen auf über 40 Prozent kamen.

Allerdings steigen die Durchfallquoten seit Jahren. 2019 sind etwa 33 Prozent aller Personen bei der praktischen Fahrprüfung durchgefallen, waren es 2016 lediglich 31 Prozent. 2008 lag der Wert im bundesweiten Durchschnitt sogar noch knapp unter 30 Prozent. Ähnliche Entwicklungen lassen sich auch in anderen Ländern beobachten. Allerdings sind sich die Experten uneins, was die Ursachen für diese Entwicklung sind.

Wann können die theoretische und die praktische Prüfung wiederholt werden?

Bevor Fahrschüler eine nicht bestandene theoretische oder praktische Prüfung wiederholen dürfen, muss ein gewisser Zeitraum vergehen. Paragraf 18 Fahrerlaubnisverordnung (FeV) schreibt vor, dass zwischen den Prüfungsversuchen „nicht weniger als zwei Wochen“ liegen müssen. Wenn die Prüfer einen Fahrschüler bei einem Täuschungsversuch erwischen, muss dieser mindestens sechs Wochen warten.

Außerdem gilt es zu beachten, dass ein Führerscheinantrag lediglich ein Jahr gültig ist. Ausschlaggebend dafür ist das Datum der Antragstellung. Wer die praktische Fahrprüfung nicht innerhalb dieser Frist besteht, muss demnach erneut die theoretische Prüfung ablegen.

Wie oft darf ich durch die Führerscheinprüfung fallen?

Wenn Sie bei der Fahrprüfung durchgefallen sind, müssen Sie sich keine Sorgen um etwaige Auswirkungen auf Ihre Chancen machen, denn Sie können die Prüfung beliebig oft wiederholen. Eine Obergrenze gibt es nicht, weder für die theoretische noch für die praktische Prüfung.

Allerdings sind Prüfer und Sachverständige verpflichtet, die Fahrerlaubnisbehörde zu informieren, wenn berechtigte Zweifel an der körperlichen oder geistigen Eignung des Fahrschülers existieren. Ein solcher Fall liegt beispielsweise vor, wenn sich die Fehlerpunktzahl in der theoretischen Prüfung trotz mehrerer Versuche sogar erhöht hat. Die Behörde kann dann etwa eine medizinisch-psychologische Untersuchung – eine sogenannte MPU – anordnen, um festzustellen, was die Gründe für die mehrfachen Fehlversuche sind. Für gewöhnlich erstatten die Prüfer jedoch frühestens nach dem vierten oder fünften Versuch Meldung.

Was kostet eine Prüfungswiederholung?

Sollten Sie bei einer Fahrprüfung durchgefallen sein, bedeutet dies Mehrkosten. Die Prüfungsgebühr muss nämlich jedes Mal erneut bezahlt werden. Bei der Theorieprüfung sind es nach aktuellem Stand 22,49 Euro. Welcher Betrag bei einer Wiederholung der praktischen Prüfung anfällt, hängt davon ab, auf welche Führerscheinklasse Sie hinarbeiten:

  • Führerscheinklasse A (Motorradführerschein): circa 120 Euro
  • Führerscheinklasse B (Pkw-Führerschein): circa 90 Euro
  • Führerscheinklasse C (Lkw-Führerschein): circa 150 Euro
  • Führerscheinklasse T (Traktorführerschein): circa 120 Euro

Dabei handelt es sich jedoch nur um die bei der Prüfstelle zu entrichtende Gebühr. Weitere Kosten fallen für das Fahrschulauto und gegebenenfalls für weitere Fahrstunden an.

Unser Rat:

Wer einen Führerschein machen möchte, sollte sich möglichst gut auf die theoretische und praktische Prüfung vorbereiten. Worauf Sie insbesondere achten sollten, erfahren Sie im Ratgeber Fahrprüfung-Tipps.

Hat eine nicht bestandene Prüfung Auswirkungen auf die Kfz-Versicherungsprämie?

Nein, wer bei einer Fahrprüfung durchgefallen ist, muss nicht befürchten, dass die Versicherungsgesellschaft eine höhere Prämie verlangt. Allerdings haben andere Faktoren einen Einfluss auf die Höhe des Beitrags der Kfz-Versicherung. Von Bedeutung sind vor allem das Automodell, die Regionalklasse und die Schadenfreiheitsklasse. Mit jedem schadenfreien Jahr stuft die Versicherung Sie in eine höhere Schadenfreiheitsklasse ein und honoriert das mit einer niedrigeren Versicherungsprämie. Außerdem besteht die Möglichkeit, dass die Eltern eines Fahranfängers dessen Auto als ihren Zweitwagen versichern. Dadurch profitiert er von der Schadenfreiheitsklasse seiner Eltern und muss einen niedrigeren Beitrag zahlen.