Bei der Fahrprüfung durchgefallen: Wie es danach weitergeht

Text: Verivox

Wer im ersten Anlauf bei der Fahrprüfung durchgefallen ist, sollte sich nicht entmutigen lassen, denn das passiert vielen Menschen. Viele Fahrschüler fragen sich in dieser Situation, wie es nun weitergeht. Besteht die Möglichkeit, die Prüfung sofort zu wiederholen? Welche Zusatzkosten verursacht eine nicht bestandene praktische Führerscheinprüfung?

Das Wichtigste in Kürze

  • Etwa 34 Prozent aller theoretischen und 29 Prozent aller praktischen Fahrerlaubnisprüfungen werden hierzulande nicht bestanden.
  • Sind Sie bei einer Fahrprüfung durchgefallen, müssen Sie mindestens zwei Wochen warten, bevor Sie diese wiederholen dürfen.
  • Fahrschüler haben für die theoretische und praktische Prüfung grundsätzlich beliebig viele Versuche, es ist jedoch jedes Mal erneut eine Gebühr zu bezahlen.
  • Wie oft eine Person durch die Fahrprüfung gefallen ist, wirkt sich nicht auf die Höhe der Prämie der Kfz-Versicherung aus.

Wie viele Menschen fallen durch die Führerscheinprüfung?

2020 wurden in Deutschland 1,7 Millionen theoretische und 1,5 Millionen praktische Führerscheinprüfungen durchgeführt. 66 Prozent – also knapp zwei Drittel – der theoretischen Prüfungen wurden bestanden. Bei der praktischen Fahrerlaubnisprüfung lag die Quote bei 71 Prozent. Allerdings fallen die Werte je nach Bundesland unterschiedlich aus. In Baden-Württemberg betrug der Anteil der nicht bestandenen praktischen Prüfungen beispielsweise lediglich 25 Prozent, wohingegen Bremen und Hamburg auf 40 beziehungsweise 46 Prozent kamen.

Insgesamt wurden weniger Prüfungen im Jahr 2020 durchgeführt als 2019, wohl wegen Corona. Die theoretischen Prüfungen gingen um 7 Prozent zurück, die praktischen um 11 Prozent.

Wichtiger Hinweis: Jeder Prüfling kann die Führerscheinprüfung beliebig oft wiederholen. Die Zahl der Prüfungen darf daher nicht gleichgesetzt werden mit der Anzahl der Menschen, die eine Prüfungen abgelegt haben.

Wann können die theoretische und die praktische Prüfung wiederholt werden?

Bevor Fahrschüler eine nicht bestandene theoretische oder praktische Prüfung wiederholen dürfen, muss ein gewisser Zeitraum vergehen. Paragraf 18 Fahrerlaubnisverordnung (FeV) schreibt vor, dass zwischen den Prüfungsversuchen „nicht weniger als zwei Wochen“ liegen müssen. Wenn die Prüfer einen Fahrschüler bei einem Täuschungsversuch erwischen, muss dieser mindestens sechs Wochen warten.

Außerdem gilt es zu beachten, dass ein Führerscheinantrag lediglich ein Jahr gültig ist. Ausschlaggebend dafür ist das Datum der Antragstellung. Wer die praktische Fahrprüfung nicht innerhalb dieser Frist besteht, muss demnach erneut die theoretische Prüfung ablegen.

Wie oft darf ich durch die Führerscheinprüfung fallen?

Wenn Sie bei der Fahrprüfung durchgefallen sind, müssen Sie sich keine Sorgen um etwaige Auswirkungen auf Ihre Chancen machen, denn Sie können die Prüfung beliebig oft wiederholen. Eine Obergrenze gibt es nicht, weder für die theoretische noch für die praktische Prüfung.

Allerdings sind Prüfer und Sachverständige verpflichtet, die Fahrerlaubnisbehörde zu informieren, wenn berechtigte Zweifel an der körperlichen oder geistigen Eignung des Fahrschülers existieren. Ein solcher Fall liegt beispielsweise vor, wenn sich die Fehlerpunktzahl in der theoretischen Prüfung trotz mehrerer Versuche sogar erhöht hat. Die Behörde kann dann etwa eine medizinisch-psychologische Untersuchung – eine sogenannte MPU – anordnen, um festzustellen, was die Gründe für die mehrfachen Fehlversuche sind. Für gewöhnlich erstatten die Prüfer jedoch frühestens nach dem vierten oder fünften Versuch Meldung.

Was kostet eine Prüfungswiederholung?

Sollten Sie bei einer Fahrprüfung durchgefallen sein, bedeutet dies Mehrkosten. Die Prüfungsgebühr muss nämlich jedes Mal erneut bezahlt werden. Bei der Theorieprüfung sind es nach aktuellem Stand 22,49 Euro. Welcher Betrag bei einer Wiederholung der praktischen Prüfung anfällt, hängt davon ab, auf welche Führerscheinklasse Sie hinarbeiten:

  • Führerscheinklasse A (Motorradführerschein): circa 120 Euro
  • Führerscheinklasse B (Pkw-Führerschein): circa 90 Euro
  • Führerscheinklasse C (Lkw-Führerschein): circa 150 Euro
  • Führerscheinklasse T (Traktorführerschein): circa 120 Euro

Dabei handelt es sich jedoch nur um die bei der Prüfstelle zu entrichtende Gebühr. Weitere Kosten fallen für das Fahrschulauto und gegebenenfalls für weitere Fahrstunden an.

Tipps für den Tag der Fahrprüfung

  • Eine gute Vorbereitung ist das A und O: Der Austausch mit dem Fahrlehrer oder anderen Fahrschülern ist hierbei besonders wichtig, um letzte Unklarheiten zu klären.
  • Eine letzte Fahrstunde direkt vor der Fahrprüfung kann sinnvoll sein, damit letzte Unsicherheiten beseitigt und Sie gut in die Fahrprüfung starten können.
  • Personalausweis sowie wenn nötig Brille oder Kontaktlinsen zum Prüfungstag mitbringen.
  • Unmittelbar vor der Prüfung sollte der Fahrschüler die Sitzposition, die Innen- und Außenspiegel und das Lenkrad entsprechend einstellen.
  • Es ist nicht nur wichtig, die Verkehrsregeln bei der Prüfungsfahrt zu beachten, sondern auch die Theorie im Hinterkopf zu haben. Falls Sie eine Anweisung oder Frage des Prüfers nicht verstanden haben, sind auch Rückfragen erlaubt.

Hat eine nicht bestandene Prüfung Auswirkungen auf die Kfz-Versicherungsprämie?

Nein, wer bei einer Fahrprüfung durchgefallen ist, muss nicht befürchten, dass die Versicherungsgesellschaft eine höhere Prämie verlangt. Allerdings haben andere Faktoren einen Einfluss auf die Höhe des Beitrags der Kfz-Versicherung. Von Bedeutung sind vor allem das Automodell, die Regionalklasse und die Schadenfreiheitsklasse. Mit jedem schadenfreien Jahr stuft die Versicherung Sie in eine höhere Schadenfreiheitsklasse ein und honoriert das mit einer niedrigeren Versicherungsprämie. Außerdem besteht die Möglichkeit, dass die Eltern eines Fahranfängers dessen Auto als ihren Zweitwagen versichern. Dadurch profitiert er von der Schadenfreiheitsklasse seiner Eltern und muss einen niedrigeren Beitrag zahlen.