Damit ein Kraftfahrzeug hinsichtlich seiner Bauart überhaupt zur Teilnahme am öffentlichen Straßenverkehr zugelassen ist, benötigt es einen Fahrzeugbrief. Des Weiteren ist der Fahrzeugbrief eine amtliche Urkunde, die ein Indiz für den Besitz eines Fahrzeugs darstellt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Rahmen der „Verordnung über den Kraftfahrzeugverkehr“ wurde am 11. April 1934 in Deutschland der Fahrzeugbrief eingeführt.
  • Den Fahrzeugbrief im eigentlichen Sinne gibt es seit Oktober 2005 nicht mehr. Er stellt seitdem einen Bestandteil der Zulassungsbescheinigung dar.
  • Mit einer Kaskoversicherung kann es große Probleme geben, wenn der Fahrzeughalter die Zulassungsbescheinigung Teil II im Auto aufbewahrt.

Geschichte des Fahrzeugbriefs

Im Rahmen der „Verordnung über den Kraftfahrzeugverkehr“ wurde am 11. April 1934 in Deutschland der Fahrzeugbrief eingeführt. Zuvor gab es keine einheitliche Regelung, um die Eignung eines Kraftfahrzeugs für den öffentlichen Straßenverkehr nachzuweisen. Meist geschah dies durch eine formlose Bescheinigung des Herstellers oder Händlers. Auch der Besitz eines Fahrzeugs konnte zu dieser Zeit noch nicht durch ein amtliches Dokument belegt werden. Wer den Schlüssel hatte, dem gehörte der Wagen auch. Mit Einführung des Fahrzeugbriefs erfolgte hier erstmals eine klare gesetzliche Regelung.

Neuregelung ab 2005

Den Fahrzeugbrief im eigentlichen Sinne gibt es seit Oktober 2005 nicht mehr. Er stellt seitdem einen Bestandteil der Zulassungsbescheinigung gem. EU-Recht dar. Dazu muss man wissen: Die Zulassungsbescheinigung für ein Kraftfahrzeug besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil ist mit dem früheren Fahrzeugschein vergleichbar, er muss also vom Fahrzeugführer stets mitgeführt werden. Teil zwei (offiziell: „Teil II“) der Zulassungsbescheinigung ersetzt den bis dahin bekannten Fahrzeugbrief.

Die Neuregelung der Zulassungsnachweise für ein Kraftfahrzeug im Jahr 2005 erfolgte vor allem aufgrund der Vereinheitlichung des Leseverfahrens und der Datenfelder innerhalb der EU, und aufgrund der Notwendigkeit besserer Fälschungssicherheit. Allerdings brachte die Neuregelung auch einen großen Nachteil mit sich, insbesondere für Gebrauchtwagenkäufer. Während im alten Fahrzeugbrief bis zu sechs ehemalige Halter aufgeführt werden konnten, erlaubt die Zulassungsbescheinigung Teil II nur noch die Angabe des aktuellen Halters sowie des Vorbesitzers. Somit ist die Ermittlung der vorigen Halter faktisch unmöglich, und auch die Wertermittlung des Fahrzeugs erschwert sich.

Übrigens: Wer heute noch mit den alten Dokumenten unterwegs ist, muss diese nicht zwingend umtauschen. Es gibt keine Pflicht dazu. Erst dann, wenn Veränderungen vorgenommen werden müssen, werden die Dokumente gegen die neue Variante ausgetauscht – jedoch immer paarweise, niemals einzeln. Ein Mix, beispielsweise aus altem Brief und neuer Zulassungsbescheinigung Teil I, ist also nicht möglich.

Die Zulassungsbescheinigung Teil II – der neue Fahrzeugbrief

Im Gegensatz zum alten Fahrzeugbrief handelt es sich bei der Zulassungsbescheinigung Teil II um ein einseitiges Dokument, das auf der Rückseite lediglich einen farbigen Unterdruck aufweist. Zum Einsatz kommt dabei fälschungssicheres Spezialpapier, ähnlich wie bei Banknoten.

Statt einer detaillierten Angabe der Vorhalter des Fahrzeugs finden sich in der neuen Zulassungsbescheinigung nur noch ein Feld für den Tag der Erstzulassung sowie eines mit der Anzahl der Vorhalter. Für den dritten und jeden zweiten weiteren Halter (fünfter, siebter usw.) wird jeweils eine neue Zulassungsbescheinigung ausgestellt.

Irrtümlicherweise wird immer wieder davon ausgegangen, dass die im Fahrzeugbrief bzw. in der Zulassungsbescheinigung Teil II eingetragene natürliche oder juristische Person auch gleichzeitig der Eigentümer des Fahrzeugs ist. Tatsächlich stellt der Eintrag jedoch nur ein Verfügungsrecht über das Fahrzeug dar. Das heißt: Ein Übertrag des Eigentums an einem KFZ kann auch ohne die Übergabe der Zulassungsbescheinigung Teil 2 geschehen, allerdings ist das Vorhandensein für Gerichte in der Regel ein Indiz für den Besitz des Fahrzeugs.

Die Zulassungsbescheinigung Teil II in der Praxis

In der Praxis ist die Indizfunktion der Zulassungsbescheinigung Teil II so bedeutend, dass ohne eine entsprechende Vorlage bei der Zulassungsstelle keine Halteränderung vorgenommen werden kann. Auch die Zuteilung eines neuen amtlichen Kennzeichens nimmt das Amt nicht ohne Vorlage der Bescheinigung vor. Des Weiteren ist ein Verkauf ohne Übergabe des Dokumentes faktisch nicht möglich, da der Käufer kein Eigentum an dem betreffenden Fahrzeug erwirbt, wenn sich herausstellt, dass der Veräußerer nicht zu einem Verkauf berechtigt war.

Die Zulassungsstelle möchte durch die Vorlagepflicht der Zulassungsbescheinigung außerdem verhindern, dass gestohlene Fahrzeuge in den öffentlichen Straßenverkehr gebracht werden. Auch finanzierende Parteien (z. B. Banken) können sich durch eine Überlassung der Bescheinigung absichern.

Tipp: Die Zulassungsbescheinigung Teil II niemals im Auto lassen

Mit einer Kaskoversicherung kann es große Probleme geben, wenn der Fahrzeughalter die Zulassungsbescheinigung Teil II im Auto aufbewahrt. Bei einem Diebstahl lehnen es Versicherungen regelmäßig ab, entsprechenden Schadenersatz zu leisten. Zwar urteilten einzelne Gerichte in der Vergangenheit zugunsten der Fahrzeughalter, der Weg durch die verschiedenen Instanzen dürfte sich jedoch als sehr beschwerlich erweisen.