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Wasser weg - RWE-Tochter Thames Water hat in London viel Ärger

23.06.2006 | 12:03

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: dpa

London (dpa) - Was man mit 894 Millionen Liter Wasser nicht alles anstellen könnte - zum Beispiel könnten damit jeden Tag 358 olympische Schwimmbecken gefüllt, 18 000 Fußballplätze gesprenkelt oder auch einige Millionen Gärten gegossen werden. Außer, man ist im Großraum London zu Hause: Dort versickert jeden Tag die gleiche Menge Wasser ungenutzt wieder im Erdreich, weil das Leitungsnetz der britischen Hauptstadt völlig veraltet ist. Der Wasserversorger Thames Water - eine Tochter des Essener Versorgungskonzerns RWE - steht deshalb massiv in der Kritik.

Allzu oft kommt es nicht vor, dass sich ein Unternehmen aus deutschem Besitz auf den Titelseiten fast aller Londoner Tageszeitungen befindet - und zwar vom Boulevardblatt "Daily Mail" bis hin zur hochseriösen "Financial Times". Doch diese Woche kam es soweit. Überall wird die RWE-Tochter dafür gescholten, dass sie die Preise anhebt (+26 Prozent in den vergangenen beiden Jahren) und Rekordgewinne macht (504 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2005/06), aber zu wenig in die Sanierung der Leitungen investiert.

Bei den mehr als acht Millionen Thames-Water-Kunden im Großraum London ist der Unmut auf die deutschen Eigentümer groß. Nicht nur wegen der Preiserhöhungen, sondern vor allem, weil zugleich auch noch Wasser gespart werden muss. Bei der Gartenarbeit müssen die Londoner schon seit Anfang April auf Schlauch und Sprinkleranlage verzichten. Wer sich nicht daran hält und vom Nachbarn verpfiffen wird, riskiert bis zu 1500 Euro Strafe. Weitere Einschränkungen hat Thames Water bereits beantragt.

Die Londoner fürchten sich jetzt schon vor Zuständen wie im "Supersommer" 1976, als auf den Straßen Standrohre aufgestellt werden mussten, um die Leute mit Wasser zu versorgen. Wenn es tatsächlich dazu kommt, liegt dies daran, dass es weniger geregnet hat als üblich. Aber eben auch daran, dass die 32 000 Kilometer Wasser- und 64 000 Kilometer Abwasserleitungen, die es in London und entlang des Themse-Tals gibt, zu großen Teilen aus viktorianischer Zeit stammen - also aus dem 19. Jahrhundert.

Thames Water verweist zwar darauf, dass mehrere hundert Kilometer Leitung schon saniert sind und künftig noch mehr getan werden soll, um die Sanierungsziele zu erreichen. Aber den Kunden und auch der Politik reicht das nicht aus. Umweltminister David Miliband rief die Regulierungsbehörde Ofwat bereits dazu auf, "weitere Schritte" gegen Thames Water zu prüfen. Eine Strafzahlung ist wahrscheinlich, wobei theoretisch eine Summe von bis zu 200 Millionen Euro denkbar wäre. Aber vermutlich wird sich die Strafe eher in einer viel geringeren Größenordnung bewegen.

Für den RWE-Konzern, der den Versorger im November 2000 nach Presseberichten für damals 4,3 Milliarden Pfund gekauft hatte, kommt der Ärger zu einem ziemlich ungünstigen Zeitpunkt. Derzeit bereiten die Essener gerade den Weiterverkauf von Thames Water vor, weil sich das Geschäft mit der privaten Wasserversorgung trotz der hohen Gewinne mittelfristig nicht lohnt. Gehofft wird nach Presseberichten auf einen Erlös von acht Milliarden Pfund (mehr als elf Mrd Euro).

Derweil denken die Londoner weiter darüber nach, wie sie mit dem Wasser sparsamer umgehen können. Bürgermeister Ken Livingstone - immer für etwas exzentrische Äußerungen gut - verriet seinen Mitbürgern vor einer Weile schon, wie er selbst die Wasserrechnung in Grenzen hält. "If it’s yellow, let it mellow" ("Wenn es gelb ist, stehen lassen.") Anders übersetzt: Mehrmals pinkeln, erst später abziehen.