VGB PowerTech: Szenario für künftigen Energiemix

06.10.2004 | 11:45

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Essen (ots) - Wie soll Deutschland und Europa zukünftig Strom erzeugen? Was müssen Forschung und Entwicklung für eine weiterhin sichere, wirtschaftliche und klimaverträgliche Infrastruktur in der Stromerzeugung leisten? Diese und weitere aktuelle Schlüsselfragen versuchten Dr. Gerd Jäger, Vorstandsvorsitzender von VGB PowerTech, und Georg Wilhelm Adamowitsch, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit, am gestrigen Dienstag auf einer Pressekonferenz zu erläutern.

Nach Berechnungen seines Verbandes, so Jäger, müssen im erweiterten Europa in den nächsten 20 Jahren mehr als 200.000 Megawatt Kraftwerksleistung ersetzt werden - ohne Berücksichtigung von erwarteten Wachstumsraten beim Strombedarf. In Bezug auf Deutschland stellte der Vorsitzende des VGB ein Szenario für einen Stromerzeugungsmix im Jahr 2020 vor. Ausgangspunkt sind die politischen Vorgaben - das heisst, eine Steigerung des Anteils der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung auf etwa 20 Prozent und der Ausstieg aus der Nutzung der Kernenergie. Daneben wird von einer 45 jährigen Gesamtlaufzeit der heutigen Kohle- und Gaskraftwerke ausgegangen.

Hieraus ließen sich laut Jäger folgende Ergebnisse ableiten:

  • Regenerative Energieanlagen und konventionelle Kraftwerke ergänzten einander. Bei einem Anteil regenerativer Energien von 20 Prozent im Jahr 2020 müssten mehr als 70 Prozent der Stromversorgung durch Gas und Kohle gewährleistet werden.

  • Etwa 37.000 Megawatt Kraftwerksleistung müssten durch den Bau neuer Kohle- und Gaskraftwerke ersetzt werden.

  • Sowohl der Ersatz mit hocheffizienten konventionellen Kraftwerken, als auch die extrem anspruchsvollen Planungen beim regenerativen Ausbau würden große technologische Innovationen unumgänglich machen. Vor allem Regenerative müssten wirtschaftlich werden.

  • Dennoch sei auch mit diesem Erzeugungsmix die politische Zielsetzung, bis zum Jahr 2020 den Kohlendioxidausstoss um mindestens 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken, nicht erreichbar.

Aus all diesen Erkenntnissen, so Jäger, ließe sich folgern: "Bei einer langfristigen Betrachtung bis 2020 wird deutlich, dass die verschiedenen energiepolitischen Rahmensetzungen nicht zueinander passen. Dieses Szenario zeigt, dass der Ausstieg aus der Kernenergie und das Erreichen anspruchsvoller CO2-Ziele nicht gleichzeitig realisierbar sind."

Der Vorsitzende des VGB unterstrich ferner die Bedeutung von hocheffizienten konventionellen Kraftwerken, insbesondere der Kohle, die allein etwa 50% der zukünftigen Versorgung sichern müsse. Hier haben Forschung und Entwicklung hervorragende Aussichten, weitere Effizienzsteigerungspotenziale zu erschliessen, an deren Ende die Vision des emissionsfreien Kraftwerks Realisierungschancen hat.

Der VGB unterstreicht in einer Folgemeldung, dass ungeachtet der im Szenario gezeigten Entwicklung, die deutschen Kraftwerksbetreiber an der mit der Bundesregierung getroffenen Kernenergievereinbarung festhalten. Er verstehe das Szenario vielmehr als Versuch, die verschiedenen Wirkungsmechanismen, die sich aus den energiepolitischen Rahmenbedingungen ergeben, aufzuzeigen.

VGB PowerTech e.V. ist der europäische Fachverband von Betreibern, Herstellern und verbundenen Institutionen der Strom- und Wärmeerzeugung mit Sitz in Essen und Büros in Berlin und Brüssel. Die Mitglieder aus 28 Ländern repräsentieren eine Kraftwerksleistung von 471.500 MW.