Staatsanleihen sind Schuldverschreibungen eines Staates oder staatlicher Institutionen. Staatsanleihen dienen den Nationen dazu, sich fremde Gelder als Kredit zu beschaffen.

Inhalt dieser Seite
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Was sind Staatsanleihen?
  3. Wie funktionieren Staatsanleihen?
  4. Staatsanleihen in den USA
  5. Staatsanleihen in Deutschland
  6. Die Rendite bei Staatsanleihen
  7. Wie kann man Staatsanleihen kaufen?
  8. Staatsanleihen: Risiko oder nicht?
  9. Verwandte Themen
  10. Weiterführende Links
  11. Jetzt Depots vergleichen

Das Wichtigste in Kürze

  • Staatsanleihen dienen der Finanzierung von Staatsausgaben.
  • Staatsanleihen zahlen jährlich einen festgeschriebenen Zinssatz an den Investor.
  • Sie werden an der Börse gehandelt und unterliegen Kursschwankungen.
  • Der Zinssatz und der Kurs der Anleihe orientieren sich unter anderem an der Bonität des Landes, welches eine Anleihe begibt.

Was sind Staatsanleihen?

Bei Staatsanleihen handelt es sich um festverzinsliche Wertpapiere, die über unterschiedliche Laufzeiten gehen. Der Zinssatz ist in der Regel über die gesamte Laufzeit fest und wird einmal jährlich zum Zinstermin ausgezahlt.

Der Zinssatz einer Staatsanleihe hängt von der Bonität des jeweiligen Landes ab und spiegelt wider, wie es um den wirtschaftlichen Zustand einer Nation bestellt ist. Die Bonität wiederum wird von Ratingagenturen wie Fitch oder Moody‘s eingestuft. Da es sich bei einer Staatsanleihe um einen Kredit handelt, bedarf es Sicherheiten. Die Sicherheiten sind bei einer Staatsanleihe eher abstrakt, da der Staat für die Zinszahlung und die Rückführung einstehen muss. Das Rating der Agenturen zeigt auf, wie hoch sie die Gefahr eines Zahlungsausfalls, wie ihn Anleger schon mit Argentinien erleben mussten, einschätzen.

Die Benotung erfolgt über Buchstabencodes. Als Bestnote vergeben die Agenturen "AAA" ("Triple-A"). Nach unten geht die Abstufung über AA, A, BBB und so weiter bis zu D. Die Buchstaben können auch mit Plus und Minus zur feineren Abstufung kombiniert werden. Schon ab der Note BB+ beginnt der Bereich, der als Ramsch bezeichnet wird. Jede Ratingagentur hat ihre eigenen Benotungsregeln.

Diese Ratings können Anlegern einen Hinweis geben, wie ausfallgefährdet eine Staatsanleihe eingestuft wird.

Wie funktionieren Staatsanleihen?

Staatsanleihen werden "aufgelegt". Beispiel: Am 28.11.2018 begibt der Bund für zwei Milliarden Euro eine Anleihe mit einer Laufzeit bis zum 15.8.2028 und einer jährlichen Verzinsung in Höhe von 0,25 Prozent. Anleger können diese Anleihe zeichnen und erwerben. Die Anteile fallen so klein aus, dass auch Kleinstanleger bedient werden. Ab dem Zeitpunkt der Emission werden die Staatsanleihen an der Börse gehandelt.

Bei Fälligkeit erhält der Besitzer der Anleihe immer den Nominalwert zurück, zu dem die Anleihe ausgegeben wurde. Ein Rechenbeispiel: Der Kurs einer Anleihe rutscht während der Laufzeit auf 80 Prozent des Nominalwertes. Ein Käufer deckt sich mit der Anleihe ein. Zur Rückzahlung am Fälligkeitstag kommen jedoch 100 Prozent. Der Käufer kann sich also über 20 Prozent zusätzlichen Gewinnes zu den erhaltenen Zinsen freuen.

Die Laufzeiten von Staatsanleihen fallen unterschiedlich aus, bewegen sich aber in der Regel im langfristigen Bereich.

Der Emittent kann bei Ausgabe der Anleihe den Ausgabekurs abweichend vom Nominalwert gestalten. Möchte er mehr Anleger "anlocken", liegt der Ausgabekurs beispielsweise bei 99 Prozent des Nominalwertes. Weiß er, dass die Anleihe auf jeden Fall gekauft wird, kann er seine Zinslast mindern, in dem er den Ausgabekurs auf vielleicht 101 Prozent des Nominalwertes festsetzt.

Staatsanleihen in den USA

US-Staatsanleihen werden als "Bonds" bezeichnet. Bond heißt übersetzt Anleihe. Der vollständige Name lautet Treasury Bond, kurz T-Bonds, wobei Treasury für das amerikanische Schatzamt "Department of Treasury" steht.

Die Laufzeit von Treasury Bonds bewegt sich zwischen 10 und 30 Jahren. Neben diesen Langläufern gibt es natürlich auch noch festverzinsliche Papiere, sogenannte "Notes", mit einer kürzeren Laufzeit. Die Zinsstrukturkurve der US-Anleihen beim Vergleich der Renditen von kurz- und langfristigen Anleihen gilt als Konjunkturindikator. Je stärker sich die Renditen von kurz- und langfristigen Anleihen aneinander annähern, um so kritischer ist es um die Konjunktur bestellt. Normalerweise werden langfristige Investments höher verzinst als kurzfristige.

Staatsanleihen in Deutschland

In Deutschland werden diese Papiere mit zehn Jahren oder 30 Jahren Dauer ausgegeben. Natürlich finanziert sich die Bundesrepublik auch mit kürzer laufenden Papieren, diese fallen dann aber in andere Kategorien, beispielsweise Bundesobligationen mit Laufzeiten von fünf Jahren.

Bundesanleihen genießen international einen hervorragenden Ruf in Bezug auf die Sicherheit der Zinszahlung und der Rückzahlung. In bewegten Zeiten legen Investoren ihr Geld durchaus in deutsche Anleihen an, auch wenn der Zinssatz extrem niedrig bis negativ ist. Ein negativer Zins entsteht bei kurzfristigen Papieren, wenn der Ausgabekurs mit einem Aufschlag versehen ist, der über dem Zinssatz liegt.

Die Rendite bei Staatsanleihen

Die Rendite einer Staatsanleihe muss nicht zwingend dem Nominalzins entsprechen. Sie hängt davon ab, ob der Anleger die Anleihe mit einem Kurs von 100 Prozent, weniger als 100 Prozent oder mehr als 100 Prozent des Nominalwertes erwirbt.

Angenommen, der Nominalwert beträgt 10.000 Euro, die Laufzeit zehn Jahre, der Zinssatz drei Prozent und der Kurs entspricht dem Nominalwert. In diesem Fall liegt die Rendite (Steuern und Erwerbskosten unberücksichtigt) bei drei Prozent.

Erwirbt der Anleger ein Jahr vor Rückzahlung eine Staatsanleihe mit einem Zinssatz von drei Prozent und einem Kurs von 98 Prozent, beträgt die Rendite fünf Prozent. Er erhält eine einmalige Zinszahlung von drei Prozent und macht zwei Prozent Gewinn bei Rücknahme des Papiers.

Hält er die Anleihe länger als ein Jahr, muss der Kursgewinn durch die Anzahl der Jahre geteilt und auf den Zinssatz aufgeschlagen werden, um die jährliche Rendite zu ermitteln.

Erfolgt der Kauf jedoch zu einem Kurs der über 100 Prozent des Nominalbetrages liegt, muss er den Aufschlag von den Zinsen abziehen, um seine Rendite zu ermitteln.

Wie kann man Staatsanleihen kaufen?

Bei Staatsanleihen handelt es sich um börsennotierte Wertpapiere. Anleger können an jedem Börsentag Staatsanleihen erwerben. Voraussetzung dafür ist ein Wertpapierdepot bei einer Bank, einer Sparkasse oder einem Broker. Anleihen werden nicht als effektive Stücke ausgeliefert. Es handelt sich dabei um rein buchhalterische Posten.

Vor dem Erwerb sollte sich der Anleger allerdings darüber informieren, wie es um die Bonität des Emittenten bestellt ist. Die Börsenzeitung ist das offizielle Organ der deutschen Börsen und damit glaubwürdig. Sie veröffentlicht alle Länderrankings.

Für den Kauf einer Staatsanleihe fallen neben dem Kurswert noch die Courtage für die Bank, den Börsenmakler und die Kosten des jeweiligen Börsenplatzes an. Berücksichtigt man bei der Renditeberechnung noch die Kosten für die Bank und mögliche Depotverwaltungsgebühren, hat der Anleger mit der Wahl eines günstigen Depots die Möglichkeit, die Nettorendite signifikant zu erhöhen.

Staatsanleihen: Risiko oder nicht?

Mit Staatsanleihen verhält es sich in Bezug auf das Risiko wie mit jedem anderen Herausgeber einer Anleihe auch. Ist er zahlungskräftig, vermindert sich das Risiko auf einen Zinsausfall oder die Rückzahlung gegenüber einem Emittenten mit schwacher Bonität.

Anhand der Bewertungskriterien von Moody’s soll die Risikoeinschätzung einer Staatsanleihe für Anleger transparent gemacht werden:

Anlagewürdig (englisch investment grade)

  • Aaa – Zuverlässige und stabile Schuldner höchster Qualität
  • Aa – Gute Schuldner, etwas höheres Risiko als Aaa
  • A – Wirtschaftliche Gesamtlage ist zu beachten
  • Baa – Schuldner mittlerer Güte, die momentan zufriedenstellend agieren

Spekulativ (englisch speculative grade)

  • Ba – Sehr abhängig von wirtschaftlicher Gesamtlage
  • B – Finanzielle Situation ist notorisch wechselhaft
  • Caa – Spekulativ, niedrige Einnahmen des Schuldners
  • Ca – in der Regel liegen hier bereits Zahlungsstörungen vor
  • C – in Zahlungsverzug
  • NR – keine Bewertung (englisch not rated)

Spekulative Anleihen gelten als Hochzinsanleihen, da der Zinssatz das Ausfallrisiko einpreist. Der englische Ausdruck dafür lautet "Junk Bond", Schrottanleihe.

Moody’s verwendet zusätzlich numerische Anhänge: "1", "2" und "3" für die Bonitätsnoten Aa bis Caa. Die "1" steht dafür, dass sich die Bonität im oberen Drittel der Hauptnote befindet. "2" und "3" stehen für das mittlere und das untere Drittel.

Jetzt Depots vergleichen

Depotvergleich

  • Günstiger traden – ab 2 Euro pro Order
  • Über 20 Depots im Direktvergleich
  • Top-Anbieter für ETFs und Sparpläne finden