Europa hat keine Lösung für Atommüll

10.02.2020 | 10:20

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Die endgültige Lagerung von hochradioaktivem Atommüll ist eine große Herausforderung. Sie stellt Regierungen vor große Herausforderungen und birgt unkalkulierbare technische, logistische und finanzielle Risiken. Das stellt der erste „World Nuclear Waste Report – Focus Europe“ fest, den die Heinrich-Böll-Stiftung in Brüssel vorgestellt hat.

Laut dem Bericht werden alleine in Europa (ohne Russland und die Slowakei ) über 60.000 Tonnen abgebrannter Brennstäbe nach wie vor in Zwischenlagern gelagert. Abgebrannte Brennstäbe sind hochradioaktiver Abfall. Bisher wurde noch in keinem Land der Welt ein Endlager für hochradioaktive Abfälle aus Atomkraftwerken in Betrieb genommen. Auch Deutschland befindet sich noch in der Planungsphase. In Frankreich gibt es mit einem Anteil von 25 Prozent die meisten abgebrannten Brennstäbe, gefolgt von Deutschland mit 15 Prozent und dem Vereinigten Königreich mit 14 Prozent.

Große Mengen zusätzlicher Abfall

Darüber hinaus gibt es in Europa bis jetzt mehr als 2,5 Millionen m3 an schwach- und mittelradioaktiven Abfall. Über ihre gesamte Lebensdauer hinweg produzieren die europäischen Atomreaktoren rund 6,6 Millionen m3 verschiedenste Typen von Atommüll produzieren. Der Großteil dieser Abfallmangen fällt in insgesamt vier Ländern an: Frankreich mit 30 Prozent, Großbritannien mit 20 Prozent, die Ukraine mit 18 Prozent und Deutschland mit 8 Prozent.

Finanzielles Risiko nicht einzuschätzen

Laut dem World Nuclear Waste Report stellten zudem die unterschätzten Kosten für Zwischen- und Endlagerung ein weiteres, finanzielles Risiko für die Steuerzahler dar. In keinem Land gebe es bisher ein stimmiges Finanzierungsmodell für die Entsorgung.

„Weltweit wächst die Menge an Atommüll. Doch auch 70 Jahre nach Beginn des Atomzeitalters hat kein Land der Welt eine wirkliche Lösung für die strahlenden Hinterlassenschaften und weiteren Risiken der Atomkraft gefunden“, sagte Rebecca Harms, frühere Europaabgeordnete von Bündnis 90/DIE GRÜNEN und Initiatorin des Reports. “ Die größte Herausforderung ist der verbrauchte Brennstoff. Dieser macht zwar nur einen geringeren Teil des Atommülls aus, ist aber wegen seiner hohen und extrem langlebigen Radioaktivität sowie der Hitzeentwicklung der am schwierigsten zu lösende Teil des Problems.“, so Harms.