Massenkarambolage: Wer zahlt für den entstandenen Schaden?

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Immer wieder ist in den Nachrichten zu hören: "Massenkarambolage auf der Autobahn!" Meist sind plötzlich auftretende Witterungsänderungen, wie heftige Hagel- oder Regenschauer – in den Wintermonaten auch Blitzeis –, die Ursachen für solche Serienunfälle.

Doch nicht jeder Autounfall, in den zahlreiche Fahrzeuge verwickelt sind, wird von den Versicherern als Massenkarambolage gewertet. Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten (BdV) in Henstedt-Ulzburg erklärt: "Das größte Problem bei der Schadensregulierung ist die Suche nach dem Schuldigen."

40 Fahrzeuge müssen involviert sein

Die Kfz-Versicherer haben den Begriff "Massenkarambolage" ziemlich genau definiert. Erst wenn mindestens 40 Fahrzeuge an einem Unfall beteiligt sind, kommt dieser Begriff und die mit ihm verbundenen Regelungen ins Spiel. So können Unfallbeteiligte auf einen vereinfachte und zügige Schadensregulierung hoffen, weil die Versicherer sich in der Abwicklung auf bestimmte Eckpunkte verständigt haben. "Einzelne Beteiligte müssen sich nicht auf die Suche nach dem Unfallverursacher machen. Sie werden pauschal abgefunden", sagt Rudnik.

Vereinfachtes Regulierungsverfahren

Nach einem Massenunfall entscheidet ein Gremium des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV), ob ein vereinfachtes Regulierungsverfahren angewandt wird. Das bedeutet: Anstatt einen konkreten Unfallverursacher zu ermitteln und dessen Kfz-Haftpflicht den Schaden in Rechnung zu stellen, macht jeder Autofahrer den Schaden bei seiner eigenen Haftpflicht geltend.

Seit 2015 gilt eine 100-Prozent-Regelung, auf die sich die Versicherer damals geeinigt haben. Damit werden alle Schäden am Fahrzeug grundsätzlich zu 100 Prozent von der Kfz-Haftpflicht übernommen, wenn ein Massenunfall vorliegt. Damit bleiben die Unfallbeteiligten nicht auf ihren Kosten sitzen. Die bis dahin geltende Quotenreglung bei der Schadenregulierung ist nicht mehr gültig.

Vorteilhaft für Autofahrer: Der Schadenfreiheitsrabatt der Kfz-Haftpflichtversicherung wird bei dieser Art der Schadenregulierung nicht angetastet.

Pauschallösung ist freiwillig

Gibt es weniger als 40 Unfallbeteiligte oder wollen sich Einzelne nicht an der Pauschalregelung beteiligen, bleibt nur die Suche nach dem Schuldigen – und nach dem Beweis für seine Schuld. Ein zumeist wohl schwieriges Unterfangen und deshalb hält Rudnik "die Pauschallösung für die einfachere und damit akzeptable Variante".

Wie kann das Risiko von Auffahrunfällen vermindert werden?

Mit ein paar praktischen Fahrtipps können Sie die eigene Fahrsicherheit erhöhen und gleichzeitig das Unfallrisiko senken.

1. Geschwindigkeit an die Fahrbahn- und Witterungsverhältnisse anpassen
2. Ausreichend Sicherheitsabstand zum vorausfahrenden Fahrzeug einhalten
3. Defensiv und vorausschauend fahren, um auf plötzlich auftretende Gefahren rechtzeitig und angemessen reagieren zu können.
4. Bei einem Unfall oder Stau: Warnblinkanlage sofort einschalten, um den nachfolgenden Verkehr zu warnen.