Wildwechsel: Ausweichmanöver sind mit großem Risiko behaftet

21.04.2010

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: ddp

München - Bei Wildwechsel muss sich ein Autofahrer oft in Bruchteilen einer Sekunde entscheiden, ob er bremst, ausweicht oder drauffährt. Ein Ausweichen scheint die schlechtere Wahl zu sein. Selbst der Zusammenprall mit einer Wildschweinrotte bei 80 km/h muss für die Insassen eines Pkw nicht lebensgefährlich enden. Das ergaben Crashtests, deren Ergebnisse der ADAC in München vorstellte. "Das Auto zeigt im Frontbereich Schäden, die Fahrgastzelle bleibt aber stabil. Rückhaltesysteme wie Gurt und Airbag schützen optimal", fasst Christian Buric zusammen.

Weitaus gefährlicher sind dagegen Ausweichmanöver: Tests mit ESP zeigten, dass das elektronische Stabilitätsprogramm zwar das Schleudern verhindert, aber natürlich nicht die Kollision mit dem Gegenverkehr. "Durch riskante Ausweichmanöver gefährdet der Fahrer nicht nur die Insassen des eigenen Autos, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer", mahnt deshalb Gerhard Blümel, Leiter des Sicherheitszentrums des Österreichischen Automobil-, Motorrad- und Touring Clubs (ÖAMTC).

Beim Ausweichversuch ohne ESP zeigt sich ein ähnliches Bild. Buric: "Das schleudernde Fahrzeug trifft auf der Fahrerseite auf das entgegenkommende Auto. Weil beim seitlichen Aufprall wenig Deformationszone vorhanden ist, ist das Verletzungsrisiko hier sogar besonders hoch." Sei ein Zusammenstoß mit einem Wildtier unvermeidbar, sollte der Fahrer scharf bremsen und dabei das Lenkrad mit beiden Händen gut festhalten, empfiehlt Blümel.

Das Risiko eines Wildunfalls kann man durch vorausschauendes Fahren minimieren, sind sich die Fachleute einig. Die Geschwindigkeit sollte bei Wildwechselgefahr reduziert, die Bremsbereitschaft erhöht werden. Weiterhin sei es wichtig, einen ausreichenden Abstand zum rechten Fahrbahnrand zu halten. Durch Abblenden der Scheinwerfer werde dem Tier die Möglichkeit zur Flucht gegeben.

2008 - jüngere Zahlen liegen nicht vor - kam es laut Statistischem Bundesamt zu 2614 Wildunfällen mit Personenschäden, 27 Personen wurden getötet.