Pfandkredite: Schnelles Geld, aber sehr hohe Kosten

23.07.2021 | 09:09

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox | dpa/tmn

In einem Pfandleihhaus können Verbraucherinnen und Verbraucher Wertgegenstände hinterlegen und erhalten im Gegenzug Bargeld. Wenn sie das Geld plus Zinsen zurückzahlen, bekommen sie auch ihre Sachen wieder. So ein Pfandkredit ist schnell und unkompliziert, aber auch sehr teuer.

Für Pfandkredite gelten klare Regeln

Pfandleihhäuser haben einen oft etwas zweifelhaften Ruf. Dort machen Menschen ihre letzten Wertstücke zu Geld, weil sie bei der Bank keinen Kredit mehr bekommen, so eine verbreitete Annahme. Doch die Realität sieht oft anders aus. Pfandkredite haben neben Bankkrediten und Dispokredit durchaus ihren Platz. Für das Geschäft gelten klare Regeln, die Verbrauchern Sicherheit geben.

Dennoch sollte man wissen, worauf man sich einlässt. Verglichen mit einem Ratenkredit sind Pfandkredite extrem teuer. Wegen der hohen Kosten sind Pfandkredite vor allem zur Überbrückung eines kurzfristigen Engpasses geeignet und taugen nicht für längerfristige Finanzierungen mit mehreren Jahren Laufzeit.

Ratenkredite sind um ein Vielfaches günstiger

Die Zinsen für einen Pfandkredit sind in allen Leihhäusern gleich. Sie sind gesetzlich geregelt und betragen pro angefangenem Monat für den gesamten Monat ein Prozent der Darlehenssumme. Hinzu kommen Gebühren für Schätzung, Lagerung sowie Versicherung der als Sicherheit hinterlegten Werte. Für eine Summe von 500 Euro werden beispielsweise nach einem Monat fünf Euro Zinsen und 15 Euro sonstige Gebühren fällig.

„Das sind immerhin Kosten in Höhe von 48 Prozent für ein Jahr“, gibt Roland Stecher von der Verbraucherzentrale Bremen zu bedenken. „Da ist selbst der teuerste Dispokredit bei der Bank deutlich günstiger.“ Zum Vergleich: Für Konsumentenkredite zahlten Kreditnehmerin Deutschland 2020 im Schnitt 5,82 Prozent Zinsen. Verivox-Kunden erhielten ihren Kredit noch einmal 40 Prozent günstiger.

Die Gebühren sind beim Pfandkredit verhandelbar

Allerdings: Der Pfandkredit habe systemisch bedingt höhere Kosten, etwa für die Schätzung des Wertes, die Aufbewahrung und Versicherung des Pfandes, die für sich genommen einzelne Dienstleistungen sind und vergütet werden müssen, erklärt Susanne Rothfuss-Wamsler, Vorsitzende des Zentralverband des Deutschen Pfandkreditgewerbes (ZdP). „Die Gebühren sind außerdem keine feste Größe, sondern ab einem Darlehen von 300 Euro frei verhandelbar, was aufgrund der Konkurrenzsituation vor allem in größeren Städten auch zu niedrigeren Gebühren führt.“

So funktioniert ein Pfandkredit

Beliehen wird fast alles, was wertvoll ist: Gold- und Silberschmuck, Goldmünzen und -barren, Markenuhren, Markentaschen, hochwertige technische Geräte, Küchengeräte sowie auch werthaltiges Porzellan oder Kunstgegenstände. Am besten ist es, vorab telefonisch mit dem Pfandhaus Kontakt aufzunehmen und zu klären, ob es die gewünschten Wertgegenstände annimmt.

Stellt der Kunde sein Pfand vor, begutachtet der Pfandleiher die Sache und macht ihm ein unverbindliches Darlehensangebot. Ist er einverstanden, wird ihm der Pfandvertrag ausgehändigt und an der Kasse das Darlehen in bar ausgezahlt oder überwiesen. Das Pfand wird in Verwahrung genommen.

Der Kunde hat drei Monate zuzüglich eines weiteren Karenzmonats Zeit, den Kredit zurückzuzahlen und den Gegenstand auszulösen. Kann der Verbraucher nach vier Monaten das Pfand nicht auslösen, muss es innerhalb von sechs Monaten in die Versteigerung gehen, sofern der Pfandvertrag nicht verlängert wurde.

Für den Kredit bürgt das Pfand und nicht der Kunde

Wird bei der Versteigerung ein höherer Erlös erreicht, als Zinsen, Gebühren und die anteiligen Versteigerungskosten ausmachen, hat der Kunde die Möglichkeit, diese Summe innerhalb von drei Jahren gegen Vorlage des Originalpfandscheins abzuholen. Ansonsten wird der Mehrerlös an die zuständige Behörde abgeführt.

„Wird ein Mindererlös erzielt, haftet der Kunde nicht. Das ist das Risiko des Pfandleihers“, erklärt Susanne Rothfuss-Wamsler. Versteigerungen seien aber relativ selten, denn mehr als 90 Prozent der Pfänder werden wieder ausgelöst. „Das zeigt, dass der Pfandkredit in der Mehrheit so genutzt wird, wie er gedacht ist, als unbürokratische und alternative Finanzierungsquelle bei unerwarteten Liquiditätsengpässen.“

Nicht alle Menschen, die ins Pfandhaus gehen, treibe ausschließlich finanzielle Not. „Sie schätzen die unkomplizierte Abwicklung“, so die Verbands-Chefin. Anders als beim Bankkredit haftet nicht der Kunde für die Rückzahlung des Darlehens, der Zinsen und der Gebühren, sondern ausschließlich das Pfand. Deshalb müssen die persönlichen, wirtschaftlichen und finanziellen Verhältnisse des Kunden nicht überprüft werden. „Für einen Pfandkredit genügen das Pfand und die Vorlage des Personalausweises.“

Volldigitale Onlinekredite als günstige Alternative

Verbraucher sollten aber genau überlegen, ob die hohen Kosten für sie noch akzeptabel sind. Ein Pfand länger im Leihhaus zu lassen, wird teuer. „Dann sollte man lieber mit einer Bank über einen Ratenkredit verhandeln“, empfiehlt Verbraucherschützer Stecher. Gerade Onlinekredite lassen sich heute ebenfalls schnell und unkompliziert abschließen – und zwar zu einem Bruchteil der Kosten eines Darlehens aus dem Pfandhaus.

„Immer mehr Banken bieten bereits einen volldigitalen Kreditabschluss“, sagt Oliver Maier. „Dann läuft von der Kreditanfrage, über die Legitimierung bis hin zur Signatur des Kreditvertrags alles online – innerhalb weniger Minuten und ganz bequem von zu Hause.“ Bei einigen Banken erfolgt auch die Bonitätsprüfung bereits vollautomatisch und in Echtzeit über den digitalen Kontoblick. Dann wird der Kredit meist innerhalb von 24 Stunden ausgezahlt und das Geld ist kurze Zeit später auf dem Konto.