Betrug mit dem Plastikgeld: Abrechnungen regelmäßig überprüfen

16.09.2010 | 10:15

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Frankfurt/Main - Mehr als 80 Prozent der Deutschen sehen laut Euro Kartensysteme in Frankfurt die Girocard, ehemals EC-Karte, als ihre beliebteste Zahlungskarte an. Das Plastikgeld ist hierzulande also sehr beliebt. An mehr als neun Millionen Akzeptanzstellen weltweit können Reisende laut dem Bundesverband deutscher Banken in Berlin bargeldlos zahlen.

Die Betrugsfälle mit verlorenen und gestohlenen Karten sind zwar im ersten Halbjahr 2010 um rund 40 Prozent gesunken - trotzdem kommt es weiterhin zu falschen Kartenabrechnungen. Die Betrüger setzen beispielsweise kleine Lesegeräte ein, die sich in der Handfläche verstecken lassen, sagen Experten von Euro Kartensysteme. Der sogenannte Hand-Skimmer kopiere die Daten von den Zahlungskarten. Wird zusätzlich noch die dazugehörige PIN ausgespäht - beispielsweise durch eine Videoüberwachung -, könne die Karte dupliziert und somit das Konto leergeräumt werden.

Karte nie aus der Hand geben

Deshalb darf die Karte niemals aus der Hand gegeben werden. Kartenbesitzer sollten den Verkäufer oder Kellner niemals mit der Karte unbeaufsichtigt lassen. Wenn das Lesegerät nicht auf den Verkaufstresen oder im Restaurant an den Tisch gebracht wird, dann sollte der Karteninhaber seiner Karte zum Bezahlvorgang folgen.

Vor der Abbuchung sollten die Besitzer den eingegebenen Betrag kontrollieren. Beim Eingeben der PIN ist zudem auf einen Sicherheitsabstand zu Umstehenden zu achten, die Hand sollte die Eingabe der PIN verdecken. Und bei der Rückgabe der Karte muss kontrolliert werden, dass es sich um die echte Karte handelt.

Bei falschen Abbuchungen notwendige Schritte einleiten

"Fehlerhafte Abrechnungen sollten Betroffene unverzüglich der kartenausgebenden Bank mitteilen", rät Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart. Auch er kann einen Rückgang bei den Betrügereien bestätigen, da "per Kartenzahlung im Ausland bei uns aktuell keine Reklamationen vorliegen."

Bei betrügerischen Abbuchungen sollten Betroffene sich zudem an die Polizei wenden und Anzeige erstatten. Bestenfalls die Karte sofort sperren lassen, empfiehlt Margit Schneider von Euro Kartensysteme. Sie beobachtet derzeit einen leichten Anstieg an Betrugsfällen bei Geldautomaten.

Allerdings könnten die Betrüger, die die Kartendaten an einem manipulierten Geldautomaten kopieren und die PIN ausspähen, nur eine Dublette anfertigen. Diese sei nichts anderes als weißes Plastik mit einem Magnetstreifen. "In Deutschland können diese Karten nicht eingesetzt werden, weil wir hier ein Kartenechtheitsmerkmal in den Kartenkörper eingepasst haben - das sogenannte MM-Merkmal", erklärt Schneider. Das Merkmal wird bei allen deutschen Geldautomaten geprüft, bei den europäischen Nachbarn oft nicht.

EMV-Chip soll Magnetstreifen ablösen

Deshalb soll der EMV-Chip, der die gespeicherten Daten gegen Verfälschung und Kopieren schützt, mittelfristig den Magnetstreifen ablösen. Damit verbunden sei ein Umrüsten von 650 000 Kundenterminals und 54 000 Geldautomaten alleine in Deutschland. Bei 80 Prozent sei bereits erfolgt. "Ab 1. Januar 2011 müssen in Europa alle Geräte und Karten auf EMV umgestellt sein", sagt Schneider.

Ansonsten gilt eine Haftungsumkehr - von Visa und MasterCard 2005 eingeführt. "Das bedeutet, wenn in Deutschland eine EMV-Chipkarte mit Magnetstreifen kopiert wird und die Dublette an einem nicht auf EMV umgerüsteten Geldautomaten in Italien zum Einsatz kommt, haftet die Geldautomaten betreibende Bank für den Schaden", erklärt Schneider. Umgekehrt gilt das auch: Ist der italienische Geldautomat auf EMV umgerüstet und die Originalkarte der eingesetzten Dublette nicht, dann haftet der Kartenausgeber.

Im Notfall sollte der Kunde seine Karte telefonisch sperren lassen. Dazu muss er die Kontonummer, Bankleitzahl beziehungsweise Kartennummer bereithalten. Das gleiche gilt für die Kreditkarte. Allerdings fallen hier Abbuchungen meist erst am Ende des Monats auf. Der Bankenverband rät daher, auf keinen Fall eine Blanko-Unterschrift zu leisten, sondern immer darauf zu achten, dass der Rechnungsbetrag vor dem Unterzeichnen eingetragen wurde. Die Belege sollten aufbewahrt und später mit der Abrechnung verglichen werden.

Rufnummern zur Kartensperrung

Die zentrale Telefonnummer, um eine Karte rund um die Uhr sperren zu lassen, lautet +49 1805 021021. Sie kostet 14 Cent pro Minute aus dem deutschen Festnetz. Oder der Betroffene wendet sich direkt an seine Bank. Zusätzlich gibt es die Karten-Sperr-Notrufnummer 116 116 für alle Girocards und Kreditkarten teilnehmender Institute. Sie ist mobil und über das Festnetz innerhalb Deutschlands kostenfrei, gebührenpflichtig aus dem Ausland sowie rundum die Uhr erreichbar. Der Kunde sollte sich bei seinem Kreditinstitut erkundigen, ob es diesen Service anbietet.