Visa testet Kreditkarte mit eingebautem Minicomputer

03.08.2010 | 07:59

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Frankfurt/Main - Mit einem Minicomputer in der Kreditkarte will Visa das Bezahlen mit der Karte sicherer machen. "Wir sehen, dass die Nutzung von Karten im Internet grundsätzlich steigt - mit extrem hohen Steigerungsraten", sagte der Vize-Chef von Visa Deutschland, Hans-Bernhard Beykirch, der Deutschen Presse-Agentur in Frankfurt. "Für den Karteninhaber ist unser neues Produkt der nächste konsequente Schritt, Zahlungen im Internet sicherer zu machen."

Auf der Rückseite der sogenannten CodeSure-Karten befinden sich eine zehnstellige Tastatur und ein kleines Display. Meldet sich ein Nutzer mit gültiger Geheimzahl (PIN) an, können über den eingebauten Minirechner achtstellige Zahlenkolonnen erzeugt werden, die einmalig als Code dienen sollen: Zur Bezahlung im Internet, als TAN beim Online-Banking, als Einwahlcode für das Firmennetzwerk, als elektronische Signatur wie beim neuen Personalausweis.

"Ein statisches Passwort kann per Phishing abgefangen werden, das dynamische Passwort auf den CodeSure-Karten jedoch nicht, weil es einmalig auf der Karte generiert wird", sagte Beykirch. "Missbrauch ist mit diesen Karten nur möglich, wenn die Karte und gleichzeitig die PIN geklaut werden." Karten, die mit selbst gewählten Passwörtern zum Beispiel den Einkauf im Internet sicherer machen sollen, gibt es bereits von mehreren Anbietern, auch vom Visa-Konkurrenten MasterCard.

Datenschutzprobleme sieht Beykirch nicht: "Wer Datenschutz gewährleisten will, muss den Kunden so sicher wie möglich identifizieren und authentifizieren." Das leiste das neue Produkt.

Pilotprojekt startet im Herbst

Von diesem Herbst an soll die neue Karte in sechs Ländern testweise an insgesamt 8.000 Kunden ausgegeben werden. In Deutschland dabei: 1.000 Kunden der Deutschen Kreditbank (DKB). "Wir haben das Ziel, mit dem Piloten in Deutschland im vierten Quartal dieses Jahres zu starten", sagte Beykirch. Zudem wird CodeSure von Banken in Großbritannien, Israel, Italien, der Schweiz und der Türkei ausprobiert. Der Test ist bis Ende des ersten Halbjahres 2011 angelegt.

"Eine echte Kartenausgabe im Vollbetrieb erwarte ich nach Auswertung der Pilotergebnisse etwa Ende 2011." In Deutschland sind nach Angaben des Unternehmens nach jüngsten Zahlen 11,9 Millionen Visa-Karten (Stand: Januar 2010) im Umlauf.

Die DKB will nach Beykirchs Angaben zwei Funktionen der neuen Karte nutzen: Sicheres Bezahlen im Internet mit Einmalpasswort statt mit festem Passwort sowie Online-Banking mit Hilfe einer über die Plastikkarte erzeugten TAN.

Batterie in der Kreditkarte hält drei Jahre

Etwa zwei Jahre haben Experten an der Entwicklung der neuen Karte getüftelt. Ideengeber war die australische Firma Emue, mit der Visa einen Exklusivvertrag abgeschlossen hat. "Die extreme Miniaturisierung der Technik war die Herausforderung", schilderte Beykirch. Die Batterie in der Karte sei für die gesamte Kartenlaufzeit von drei Jahren und für Vielnutzer ausgelegt: "Drei bis vier Transaktionen pro Tag über drei Jahre sind möglich."

Die aufwendige Technik kostet: Werden für die Herstellung einer herkömmlichen Kreditkarte 2 Euro bis 4,50 Euro pro Stück fällig, sind es bei dem neuen Exemplar etwa 10 Euro. "Ich kann mir vorstellen, dass sich die Stückkosten für die Herstellung der neuen Karten in eine Größenordnung um die sechs Euro drücken lässt", sagte Beykirch. "Wie die Bank das gegenüber dem Nutzer bepreist, entscheidet jede Bank individuell."