Nord Stream

Nord Stream ist der Name einer 1224 Kilometer langen Gasleitung, die russisches Erdgas von Wyborg durch die Ostsee nach Deutschland (Lubmin) transportiert. Deshalb nennt man sie auch „Ostseepipeline“. Der Bau der Ostsee-Pipeline wurde 2005 von dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und dem damaligen und heutigen russischen Präsidenten Wladimir Putin auf den Weg gebracht.

Inhalt dieser Seite
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Das Firmenkonsortium Nord Stream
  3. Die Ostseepipeline in Zahlen
  4. Unterwirft sich Deutschland damit einem russischen Gaspreis-Diktat?
  5. Abenteuerliche Funde beim Pipeline-Bau
  6. Umweltauswirkungen unbekannt
  7. Weiterer Ausbau der Ostseepipeline in Planung
  8. Jetzt Gaspreise vergleichen

Das Wichtigste in Kürze

  • Mit dem Nord Stream kann bis zu 55 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr von Russland nach Europa fließen.
  • Die beiden jeweils 1.224 Kilometer langen Pipelinestränge bestehen je aus rund 100.000 Rohren, die jeweils 12 Meter lang sind und mit Erzbeton ummantelt wurden.
  • Umweltverbände warnen vor den derzeit noch nicht absehbaren Folgen des Pipelinebaus auf die Flora und Fauna in der Ostsee.

Das Firmenkonsortium Nord Stream

Der Bau der Ostsee-Pipeline wurde 2005 von dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und dem damaligen und heutigen russischen Präsidenten Wladimir Putin auf den Weg gebracht. Zum Bau wurde ein Joint Venture gegründet, das seit 2006 Nord Stream heißt und seinen Sitz in Zug in der Schweiz hat. Die Pipeline gehört zu 51 Prozent dem russischen Gaskonzern Gazprom, zu jeweils 15,5 Prozent den deutschen Energieversorgern E.ON SE und Wintershall Holding GmbH sowie zu neun Prozent dem niederländischen Unternehmen Gasunie und dem französischen Unternehmen GDF SUEZ.

Die Ostseepipeline in Zahlen

Am 8. November 2011 ist der erste Leitungsstrang offiziell in Betrieb gegangen. Am 8. Oktober 2012 ist der zweite Strang gefolgt: Mit der offiziellen Inbetriebnahme des zweiten Stranges der Nord Stream Pipeline wurde das vollständig automatisierte Pipelinesystem fertiggestellt. Seither können bis zu 55 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr von Russland nach Europa fließen. Das reicht aus, um rechnerisch 26 Millionen Haushalte zu versorgen.

Die beiden jeweils 1.224 Kilometer langen Pipelinestränge bestehen je aus rund 100.000 Rohren, die jeweils 12 Meter lang sind und mit Erzbeton ummantelt wurden. Der Beton verhindert einen Auftrieb der Stahlrohre. Die rund 7,4 Milliarden Euro teure Leitung wurde mit Spezialschiffen des italienischen Pipelinebauers Saipem verlegt. Dazu wurden die Rohrsegmente auf dem Verlegeschiff Stück für Stück zusammengeschweißt und dann auf den Meeresboden abgesenkt. Die tiefste Verlegestelle liegt 210 Meter unter der Wasseroberfläche. Die Betriebsdauer der Pipeline ist auf mehr als 50 Jahre ausgelegt. Die Leitung wird Nord-Stream-Angaben zufolge regelmäßig inspiziert, um mögliche Veränderungen zu erkennen. Dazu werden sogenannte Molche (Messgeräte) mit dem Gasstrom durch die Pipeline geschickt. Für den Fall einer Beschädigung – was die Nord Stream AG für unwahrscheinlich hält - seien alle notwendigen Maßnahmen in einem Pipeline-Notfallschutzplan festgelegt.

Unterwirft sich Deutschland damit einem russischen Gaspreis-Diktat?

Energieexperten sehen im fossilen Brennstoff Erdgas die eigentliche Brückentechnologie zu den erneuerbaren Energien. Der Gasanteil an der Stromerzeugung wird bis 2030 in der EU deutlich wachsen. Russland ist mit einer Fördermenge von jährlich 640 Milliarden Kubikmeter Gas nicht nur der weltweit größte Produzent, sondern zugleich auch der größte Gas-Exporteur. Rund ein Viertel der in den sibirischen Gasfeldern geförderten Menge geht ins Ausland.

Die Pipeline hat eine Kapazität von 55 Milliarden Kubikmeter pro Jahr. Sie kann damit zehn Prozent des im Jahr 2030 prognostizierten Gasbedarfs in der EU decken. Zugleich weckt die Pipeline auch Ängste vor einer wachsenden Abhängigkeit von russischem Erdgas und einem Preisdiktat durch Gazprom, die mit jahrzehntelangen Lieferverträgen westliche Energiekonzerne binden.

Abenteuerliche Funde beim Pipeline-Bau

Auf mehr als 70 archäologisch interessante Objekte sind die Planer der Gas-Pipeline in der Ostsee gestoßen: Schiffswracks, Munition und Reste von Flugzeugen. In den meisten Fällen wurde die Trasse um die Funde herum geführt.

In russischen Gewässern wurden 17 Wracks gefunden, vor Schweden 12 und vor Finnland sechs. Die dänischen Behörden identifizierten 41 archäologisch interessante Objekte nahe der Pipeline. Einige der Schiffswracks liefern nach Einschätzung von Archäologen wichtige Erkenntnisse über Bauweisen und historische Ereignisse, manche Wracks sind noch besonders gut erhalten.

Umweltauswirkungen unbekannt

Umweltverbände warnen vor den derzeit noch nicht absehbaren Folgen des Pipelinebaus auf die Flora und Fauna in der Ostsee. „Die Pipeline ist mit Abstand das größte technische Bauwerk in der Ostsee“, sagte der Leiter des WWF-Ostseebüros, Jochen Lamp. „Wir wissen nicht, ob sich die Lebensräume so erholen wie von Nord Stream prognostiziert.“

In die gesetzlich vorgeschriebenen Umweltuntersuchungen hat Nord Stream rund 100 Millionen Euro investiert. Zudem ist ein Monitoring-Programm für die kommenden 20 Jahre vorgeschrieben, um die möglichen Auswirkungen der Pipeline auf Seevögel, Fische und Meeressäuger zu erkunden. Dazu werden an rund 1000 Standorten entlang der Pipeline Proben entnommen. Bis 2016 werde Nord Stream 40 Millionen Euro für die Maßnahmen investieren.

Weiterer Ausbau der Ostseepipeline in Planung

Das Betreiberkonsortium Nord Stream plant bereits die Erweiterung der Ostseepipeline um zwei neue Stränge. Diese sollen ebenfalls in Vorpommern anlanden, wie das Ministerium für Energie, Infrastruktur und Landesentwicklung von Mecklenburg-Vorpommern im April 2013 bekannt gab. Ein entsprechendes Genehmigungsverfahren sei bereits eingeleitet worden. Doch mit Aneignung der Krim änderten sich die Erweiterungspläne. Gazprom nimmt unter Berufung von EU-Einwänden Abstand vom Projekt. Im Januar 2015 wurde die Nord-Stream-Erweiterung vorerst zurück gestellt. Die Planung und Bauvorbereitungen nahmen im Jahr 2016 wieder Fahrt auf.

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