Barrierefreies Wohnen

Barrierefreies Wohnen ermöglicht es Menschen mit körperlichen Einschränkungen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Damit in ihrer Mobilität eingeschränkte Personen ihren Alltag in Eigenregie meistern können, muss ihr Wohnraum spezielle Anforderungen erfüllen. Typische Beispiele für die Einrichtung einer behindertengerechten Wohnung sind ein Treppenlift oder Rollstuhlrampen. Laut einer Studie gelten hierzulande gerade einmal zwei Prozent aller Wohnimmobilien als barrierefrei.

Inhalt dieser Seite
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Die gesetzliche Definition von Barrierefreiheit
  3. Anforderungen an eine barrierefreie Wohnung
  4. Wohnraum barrierefrei gestalten
  5. Verwandte Themen
  6. Weiterführende Links
  7. Baufinanzierung

Das Wichtigste in Kürze

  • Wann Wohnräume als barrierefrei oder rollstuhlgerecht gelten, legt die DIN 18040 fest.
  • Eine rollstuhlgerechte Wohnung erfüllt noch strengere Anforderungen als eine barrierefreie Wohnung.
  • Wer in einer Mietwohnung die Barrierefreiheit durch Umbauten erhöhen möchte, muss die Zustimmung seines Vermieters einholen, wenn das Vorhaben die Bausubstanz betrifft.

Die gesetzliche Definition von Barrierefreiheit

Was der Gesetzgeber unter Barrierefreiheit versteht, ist definiert in Paragraph 4 des Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG): „Barrierefrei sind bauliche und sonstige Anlagen […], wenn sie für Menschen mit Behinderungen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe auffindbar, zugänglich und nutzbar sind. Hierbei ist die Nutzung behinderungsbedingt notwendiger Hilfsmittel zulässig.“

Zum aktuellen Zeitpunkt existiert lediglich für die Begriffe „barrierefrei“ und „rollstuhlgerecht“ eine gesetzliche Definition. Finden sich in einem Immobilienprospekt Bezeichnungen wie „behindertengerechtes Wohnen“ oder „barrierearm“, besteht also großer Interpretationsspielraum.

Anforderungen an eine barrierefreie Wohnung

Treppen und Schwellen, schwer erreichbare Lichtschalter und Steckdosen, zu hohe Fenster – es gibt zahlreiche Dinge, die das barrierefreie Wohnen verhindern oder zumindest deutlich erschweren können. Daher ist es wichtig, einen auf Barrierefreiheit ausgerichteten Neu- beziehungsweise Umbau eines Gebäudes oder einer Wohnung sorgfältig zu planen.

Bauliche Anforderungen für barrierefreies Wohnen durch Norm festgelegt

Ab wann ein Gebäude oder eine Wohnung als barrierefrei beziehungsweise rollstuhlgerecht gilt, definiert die DIN 18040. Diese besteht aus zwei Teilen. Da sich die DIN 18040-1 auf öffentliche Gebäude wie Einrichtungen des Bildungswesens oder Sport- und Freizeitstätten bezieht, ist sie für das barrierefreie Wohnen nicht relevant.

Die DIN 18040-2 beschreibt die für Wohngebäude beziehungsweise privat genutzten Wohnraum geltenden Bestimmungen. Die Norm unterscheidet dabei zwischen barrierefreien Wohnungen und solchen, die sich zusätzlich uneingeschränkt mit einem Rollstuhl nutzen lassen. Demzufolge gilt: Eine rollstuhlgerechte Wohnung erfüllt alle Kriterien einer barrierefreien Wohnung, was umgekehrt jedoch nicht zutrifft. Welche Anforderungen entsprechende Räumlichkeiten unter anderem erfüllen müssen, veranschaulicht die nachfolgende Liste:

  • Der Wohnungsflur und weitere Bewegungsflächen müssen mindestens eine Länge und Breite von je 1,2 Metern aufweisen. Für eine rollstuhlgerechte Wohnung gilt eine Vorgabe von 1,5 mal 1,5 Metern.
  • Die Tür muss sich leicht öffnen und schließen sowie barrierefrei passieren lassen. Für die Türbreite gibt der Gesetzgeber ein Mindestmaß von 85 Zentimetern vor. Die Mindesthöhe liegt bei 2,05 Metern.
  • Der Richtwert für Fenster liegt bei einer Brüstungshöhe von 60 Zentimetern, wohingegen sich die Fenstergriffe in einer Höhe zwischen 85 Zentimetern und 105 Zentimetern befinden sollten.
  • Sowohl die in der Wohnung installierten Waschbecken als auch technische Geräte wie der Herd, der Kühlschrank und die Spülmaschine müssen auch im Sitzen gut zu erreichen sein.

Wohnraum barrierefrei gestalten

Hausbesitzer können ihre Immobilie größtenteils nach den eigenen Wünschen umbauen. Sie müssen lediglich beachten, dass für bestimmte bauliche Maßnahmen eine behördliche Genehmigung notwendig ist. Miteigentümer eines Mehrfamilienhauses dürfen lediglich ihre eigene Wohnung umbauen. Betreffen die Baumaßnahmen dagegen Gemeinschaftsflächen, benötigen sie die Zustimmung der Eigentümergesellschaft.

Prinzipiell dürfen auch Mieter ihre Wohnung barrierefrei gestalten (lassen). Nach Paragraph 554a des Bürgerlichen Gesetzbuches haben sie das Recht, von ihrem Vermieter oder der Hausverwaltung die Zustimmung zu entsprechenden baulichen Veränderungen zu verlangen. Die Voraussetzung dafür ist ein berechtigtes Interesse an der Sache. Diese Regelung bezieht sich jedoch lediglich auf Maßnahmen, die in die Bausubstanz eingreifen.

Allerdings kann der Vermieter das Vorhaben ablehnen, „wenn sein Interesse an der unveränderten Erhaltung der Mietsache oder des Gebäudes das Interesse des Mieters an einer behindertengerechten Nutzung der Mietsache überwiegt“ (§ 554a BGB). Dabei muss der Vermieter auch die Interessen anderer Mieter berücksichtigen. Für gewöhnlich lehnen Immobilienbesitzer selbst umfangreichere Baumaßnahmen nur selten ab. Schließlich bringt eine barrierefreie Wohnung vor allem zwei Vorteile mit sich:

  • Da barrierefreies Wohnen nicht überall möglich ist, bleibt der Mieter für einen längeren Zeitraum in der Wohnung. Das Risiko, dass der Eigentümer die Räumlichkeiten neu vermieten muss, fällt damit vergleichsweise gering aus.
  • Eine barrierefreie oder sogar rollstuhlgerechte Wohnung trägt zur Wertsteigerung der Immobilie bei.

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