Im Gegensatz zu Karies und Parodontose ist Abrasion oder Zahnabnutzung als Bedrohung der Zahngesundheit ein eher weniger bekanntes Thema. Was sind die Ursachen und wie können Sie sich gegen den Verlust von Zahnsubstanz schützen?

Inhalt dieser Seite
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Was ist Abrasion?
  3. Formen der Abrasion
  4. Weitere Gründe für Abrasion
  5. Warum der RDA-Wert der Zahnpasta wichtig ist
  6. Folgen der Abrasion
  7. Abrasion verhindern
  8. Verwandte Themen
  9. Weiterführende Links
  10. Zahnzusatzversicherung - Vergleich der Zahnversicherungen

Das Wichtigste in Kürze

  • Abrasion oder Abrasio dentium bezeichnet das Abnutzen von Zahnhartsubstanz.
  • Attrition ist die Abnutzung durch starke Reibung der Zähne aneinander, etwa beim nächtlichen Zähneknirschen.
  • Bei der Erosion entsteht der Substanzverlust an den Zähnen durch Säureeinwirkung.
  • Demastikation, das Abschleifen der Zähne durch sehr harte Partikel in der Nahrung, kommt in den westlichen Industrienationen eher selten vor.

Was ist Abrasion?

Abrasion oder Abrasio dentium (lat. abrasio = Abnutzung) bezeichnet in der Zahnmedizin das Abnutzen der Zahnhartsubstanz. Ist die äußerste, relativ harte Zahnschicht, der Zahnschmelz, abgenutzt, kommt das darunterliegende Dentin oder Zahnbein an die Oberfläche. Dentin ist jedoch weicher als Zahnschmelz und die Abrasion des Zahns geht noch schneller.

Zahnabnutzung kann verschiedene Ursachen und Formen haben. So sind Attrition, Erosion und Demastikation Unterformen der Abrasio dentium mit eigenen Symptomen und Ursachen.

Formen der Abrasion

Attrition

Bei der Attrition tritt Abrasion der Zähne durch das starke Reiben der Zähne aufeinander ein. Meist sind die Kauflächen der Seitenzähne am stärksten betroffen, häufig werden aber auch einzelne Zähne oder die Frontzähne stark abgetragen. Das Zähneknirschen und Zähnepressen, durch das die Attrition entsteht, wird in der Zahnmedizin Bruxismus genannt.

Bruxismus

Bruxismus tritt häufig nachts, zum Teil aber auch tagsüber bei starker Anspannung oder Stress auf. Beim Bruxismus werden die Zähne fest aufeinandergepresst oder mit hohem Druck aneinander gerieben, so dass sich die Zahnsubstanz abreibt, verschiedene Muskelgruppen an Kopf und Kiefer beeinträchtigt und der Zahnhalteapparat extrem belastet wird.

Erosion

Als Erosion definiert die Zahnmedizin den Verlust von Zahnhartsubstanz durch Säureeinwirkungen unterschiedlicher Art. Die erodierenden Säuren können zum einen mit der Nahrung in den Mund gelangen, zum anderen aus dem eigenen Körper stammen.

  • Exogene Erosion: Zugeführte Säuren, die den Zahnschmelz angreifen, stammen häufig aus Getränken wie Säften, Eis- und Früchtetees, Limonaden oder Energy-Drinks oder Nahrungsmitteln wie Obst, Essig, Spinat und Rhabarber (Oxalsäure), Sauermilchprodukten oder Sauerkraut (Milchsäure). Auch Zucker, zum Beispiel von Bonbons, wird von den Bakterien im Speichel in Säuren umgewandelt und greift so den Zahnschmelz an.
  • Endogene Erosion: Als körpereigene Säure kann Salzsäure im Magensaft durch Erbrechen in den Mund gelangen. Erodierte Zähne sind ein häufiges Symptom bei der Essstörung Bulimie, wo das Erbrechen von den Betroffenen herbeigeführt wird, um nicht zuzunehmen. Auch bei saurem Aufstoßen in Folge von Refluxkrankheit gelangt Magensäure in den Mund und kann den Zahnschmelz angreifen und zerstören.

Demastikation

Demastikation ist eine Form der Abrasion, bei der der Verlust der Zahnsubstanz durch die Nahrung herbeigeführt wird. Das geschieht entweder weil die Nahrungsmittel selbst härter sind als der Zahnschmelz oder weil harte Verunreinigungen im Essen vorhanden sind. In beiden Fällen werden die Kauflächen, besonders der Seitenzähne, beim Kauen von den harten Partikeln im Nahrungsbrei abgeschliffen. In früheren Jahrhunderten konnten Mahlsteine, die sich etwa durch eine Unwucht stärker abnutzten und dabei Steinmehl ins Mahlgut mischten, zum schnellen Abnutzen der Zähne der Bewohner der umliegenden Siedlungen führen, wie Untersuchungen historischer Schädel zeigen.

Heute findet man Zahnschäden durch Demastikation noch bei Naturvölkern, in den westlichen Industrieländern mit ihren stark aufbereiteten und gereinigten Nahrungsmitteln kommt diese Form der Erosion kaum noch vor.

Falsche Zahnpflege

Auch durch zu harte Zahnbürsten, stark abrasive Zahncremes, flache Putztechniken und viel Druck beim Zähneputzen kann Abrasion entstehen. Auch der Zeitpunkt des Zähneputzens kann die Zahnabnutzung ungünstig beeinflussen: Beim Zähneputzen direkt nach dem Essen können Säuren in der Nahrung oder von Bakterien in Säure umgewandelter Zucker dazu beitragen, dass der Zahnschmelz beim Putzen stärker abgetragen wird.

Weitere Gründe für Abrasion

Neben mechanischen Ursachen, wie häufiges Aufbeißen auf Gegenstände – etwa auf eine Tabakpfeife, kann mangelnde Speichelproduktion eine weitere Ursache für Abrasion sein. Einige Krankheiten, aber auch die Einnahme mancher Medikamente und der Konsum von Drogen können dafür sorgen, dass durch eine Überstimulation des Sympathikus vermindert Speichel gebildet wird.

Da der Speichel für die Remineralisierung unserer Zähne zuständig ist, treten so schnell Schäden an Zahnschmelz und Dentin auf. Stark ausgeprägt ist diese Wirkung bei Amphetaminen wie Crystal Meth. Faule Zähne durch sich rasch abbauende Zahnsubstanz werden daher auch "Meth-Mund" genannt.

RDA-Wert der Zahnpasta

RDA steht für Relative Dentin Abrasion und ist die Angabe, wie stark die Putzkörper in der Zahncreme die Zahnsubstanz abtragen. Zahnpasten mit niedrigen RDA-Werten reinigen weniger stark, sind aber auch weniger abrasiv und dafür schonender für die Zahnsubstanz. Für Verbraucher wäre die Angabe des RDA-Wertes auf der Zahnpasta-Verpackung ausgesprochen nützlich für die Auswahl der richtigen Zahncreme.

RDA-Werte im Vergleich:

  • RDA > 80: sehr stark abrasiv
  • RDA = 60 – 80: stark abrasiv
  • RDA = 40 – 60: mittel abrasiv
  • RDA = 20 – 40: wenig abrasiv
  • RDA = 0 – 20: sehr wenig abrasiv

Folgen der Abrasion

Bei Abrasion der Zähne versuchen Kaumuskulatur und oft auch der restliche Körper, die Veränderung, die durch den Zahnsubstanzverlust entstanden ist, auszugleichen. Denn bei starkem Abrieb der Zahnsubstanz stimmt zunehmend die Bisshöhe nicht mehr, weil die Zähne kürzer geworden sind. Das stört nicht nur die Ästhetik und das Gesamtbild des Gebisses, sondern verursacht Funktionsstörungen wie Kiefergelenksyndrom oder Gebissfehlfunktionen und kann bis zum Verlust von Zähnen führen.

Abrasion verhindern

Je nach Ursache können Sie Abrasion der Zähne durch Attrition mit einer Aufbissschiene gegen nächtliches Zähneknirschen oder eventuell durch weniger Stress verhindern. Bei Erosion durch Säuren sollten Sie zum Beispiel Ihre Ernährungsgewohnheiten überprüfen und Nahrungsmittel mit viel Säure oder Zucker meiden. Auch eine weichere Zahnbürste, Zahnpasten mit zahnschmelzhärtendem Fluor und niedrigem RDA-Wert sowie der richtige Putzzeitpunkt können helfen, dass die Zahnsubstanz nicht weiter abgebaut wird.

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Eine Zahnzusatzversicherung kommt nicht für den Zahnersatz auf, sollte die Abrasion der Grund für diesen sein. Allerdings übernehmen Zahnzusatz-Tarife die Kosten für zahlreiche vorbeugende Maßnahmen, zur Verhinderung der Abrasion und des Zahnverlustes. Mehr dazu...

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