Essstörungen treten insbesondere bei Mädchen und jungen Frauen auf. In Deutschland weist etwa ein Drittel der 14- bis 17-Jährigen erste Symptome eines gestörten Essverhaltens auf. Bei Männern lassen sich hohe Zuwachsraten beobachten. Wer unter einer Essstörung leidet, solltet diese unbedingt behandeln lassen.

Inhalt dieser Seite
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Was sind Essstörungen?
  3. Welche Arten von Essstörungen gibt es?
  4. Ursachen
  5. Woran lässt sich eine Essstörung erkennen?
  6. Therapiemöglichkeiten
  7. Essstörungen verhindern
  8. Hilfe finden
  9. Essstörungen bei Kindern
  10. Verwandte Themen
  11. Weiterführende Links
  12. Gesetzliche Krankenversicherungen im Vergleich

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei einer Essstörung handelt es sich um eine psychisch bedingte Störung des Essverhaltens.
  • Zu den häufigsten Essstörungen gehören Magersucht, Bulimie sowie die Binge-Eating-Störung.
  • Eine Störung des Essverhaltens kann die Gesundheit ernsthaft beeinträchtigen und beispielsweise in Adipositas (Fettsucht) resultieren.
  • Mithilfe einer geeigneten Therapie lassen sich Essstörungen behandeln.

Was sind Essstörungen?

Mediziner ordnen Essstörungen den psychosomatischen Erkrankungen zu, denn für gewöhnlich gehen sie mit einer gestörten Einstellung zum eigenen Körper einher. Genau genommen handelt es sich um eine Verhaltensstörung, bei der sich der Betroffene gedanklich und emotional ohne Unterlass mit dem Thema "Essen" beschäftigt. Je nach Ausprägung der Erkrankung schränken Menschen mit Essstörungen die Nahrungsaufnahme übermäßig ein oder verlieren komplett die Kontrolle über ihr Essverhalten. Dies kann zu schwerwiegenden und langfristigen Gesundheitsschäden führen.

Welche Arten von Essstörungen gibt es?

Essstörungen können sich vollkommen unterschiedlich äußern. Am häufigsten sind Magersucht, Bulimie und die Binge-Eating-Störung. Jedoch lassen sich die verschiedenen Krankheitsbilder im Einzelfall nicht immer eindeutig voneinander abgrenzen. Häufig treten Symptome verschiedener Essstörungen in Kombination auf; Mediziner sprechen in solchen Fällen von einer Mischform.

Magersucht (Anorexia nervosa)

Von Magersucht Betroffene leiden unter einer ausgeprägten Angst vor einer Gewichtszunahme. Infolgedessen kontrollieren sie ihr Essverhalten sehr streng. Das charakteristische Merkmal der Erkrankung ist Untergewicht beziehungsweise ein extremer, bewusst herbeigeführter Gewichtsverlust. Als weitere Magersucht-Symptome gelten ein Ausbleiben der Regelblutung und ein gesteigerter Bewegungsdrang. Die Unterernährung kommt je nach Persönlichkeitstypus des Magersüchtigen durch Hungern und/oder übermäßige sportliche Aktivitäten zustande; manche verwenden auch Abführmittel oder erbrechen sich willentlich. Magersucht tritt am häufigsten bei jungen Menschen zwischen 10 und 25 Jahren auf.

Bulimie (Bulimia nervosa)

An Bulimie erkrankte Menschen haben häufig Normalgewicht und wirken auf den ersten Blick gesund. Bei dieser Essstörung leiden die Erkrankten unter regelmäßigen Fressattacken, die sie nicht kontrollieren können. Im Anschluss treten Schuldgefühle auf. Die Betroffenen versuchen dann, die Nahrungsaufnahme "ungeschehen" zu machen, indem sie sich erbrechen oder Abführmittel einnehmen. Aus diesem Grund ist für die Erkrankung auch die Bezeichnung Ess-Brech-Sucht geläufig. Die Folgen einer Bulimie können lebensbedrohlich sein. Durch das häufige Erbrechen beziehungsweise die Einnahme von Abführmitteln bilden sich nämlich oftmals Symptome einer deutlichen Mangelernährung aus.

Binge-Eating-Störung (Esssucht)

Von einer Binge-Eating-Störung sprechen Ärzte, wenn über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten mindestens zweimal wöchentlich Heißhungerattacken auftreten. Während einer solchen Attacke schlingen Betroffene große Mengen an Nahrung förmlich herunter. Dabei haben sie weder Kontrolle darüber, was sie essen noch wie viel sie essen. Daher ist für diese Störung auch die Bezeichnung Fresssucht beziehungsweise Esssucht geläufig. Anders als Menschen mit Bulimie ergreifen von einer Binge-Eating-Störung Betroffene keine Gegenmaßnahmen, weswegen Sie häufig mit Adipositas (Fettsucht) zu kämpfen haben.

Ursachen von Essstörungen

Prinzipiell kann eine Essstörung verschiedene Ursachen haben. Für gewöhnlich sind an ihrer Entstehung mehrere Faktoren beteiligt. Zu diesen zählen im Wesentlichen:

  • Biologische Faktoren: zum Beispiel Einfluss von Hormonen, genetische Veranlagung
  • Individuelle Faktoren: zum Beispiel geringes Selbstwertgefühl, hoher Perfektionismus
  • Familiäre Faktoren: zum Beispiel psychische Erkrankungen innerhalb der Familie, Fehlen von Personen mit Vorbildfunktion
  • Soziokulturelle Faktoren: zum Beispiel medial vermittelte Schönheitsideale

Psychische Begleiterkrankungen bei Essstörungen

Essstörungen treten in vielen Fällen in Kombination mit weiteren psychischen und psychosomatischen Erkrankungen auf. Am häufigsten kommen die folgenden Begleiterkrankungen vor:

  • Depressionen (gedrückte Stimmung, Antriebslosigkeit, Hoffnungslosigkeit)
  • Angststörungen wie soziale Phobie oder Agoraphobie
  • Zwangsstörungen
  • Suchterkrankungen (Alkohol und Drogen)
  • Persönlichkeitsstörungen

Woran lässt sich eine Essstörung erkennen?

Für Außenstehende ist es oft relativ schwierig, Essstörungen zu erkennen. Allerdings gibt es Warnsignale, die auf eine entsprechende Erkrankung hindeuten und Familienmitglieder sowie Freunde aufhorchen lassen sollten. Dazu zählen insbesondere:

  • Negatives Körperbild: Der oder die Betroffene ist in steigendem Maße unzufrieden mit dem eigenen Körper beziehungsweise der Figur. Dies äußert sich beispielsweise in ersten Diätversuchen und sportlichen Aktivitäten, die einzig und allein der Gewichtsbeeinflussung dienen.
  • Auffälliges Essverhalten: Die betroffene Person beschäftigt sich ständig mit dem Thema Essen und kontrolliert ihre Nahrungsaufnahme sehr stark. Indizien dafür sind etwa der Verzicht auf kalorienreiche Lebensmittel oder der zunehmende Konsum von Diätprodukten sowie das Auslassen von Mahlzeiten.
  • Veränderung des Gewichts: Je nach Ausprägung der Essstörung lässt sich oftmals ein deutlicher Gewichtsverlust beziehungsweise eine Gewichtszunahme beobachten. Im Fall von Magersucht nimmt die entsprechende Person stark ab. Adipositas kann hingegen auf eine Binge-Eating-Störung hinweisen.
  • Körperliche Folgen: Essstörungen haben vor allem über einen längeren Zeitraum sichtbare Auswirkungen auf den Körper. So macht sich Unterernährung unter Umständen beispielsweise in Haarausfall und Muskelschwund bemerkbar.

Wie werden Essstörungen behandelt?

Die Behandlung kann ambulant (im häuslichen Umfeld), stationär (in einer Klinik) sowie tagesklinisch (lediglich tagsüber in einer Klinik) erfolgen. Grundsätzlich besteht das Ziel der Behandlung darin, dass der Patient zu einem gesunden Essverhalten zurückkehrt und dieses auch beibehält. Zu den wichtigsten therapeutischen Verfahren zur Behandlung einer Essstörung gehört die Psychotherapie; möglich sind sowohl Einzel- als auch Gruppensitzungen. Auch Bewegungs- und Entspannungstherapien kommen zum Einsatz.

Achtung beim Versicherungsschutz

Überprüfen Sie bei angeratenen Behandlungsmethoden den Leistungsumfang Ihrer aktuellen Krankenversicherung. Sind Sie in einer privaten Krankenversicherung versichert, so wird Ihnen die stationäre Behandlung im Krankenhaus angenehmer gestaltet. Eine Behandlung durch den Chefarzt, einen Spezialisten und die Unterbringung im 1- oder 2-Bett-Zimmer können angefragt werden. Sind Sie noch gesetzlich versichert und möchten gerne in eine private Krankenversicherung wechseln, um dortig angebotene Leistungen nutzen zu können, dann Achtung: Einige Versicherer schließen bei einer Vorerkrankung mit Essstörungen einen privaten Versicherungsabschluss aus.

Essstörungen verhindern

Es gibt verschiedenen Faktoren, die dazu beitragen können, die Ausbildung einer Essstörung zu verhindern. Im familiären Umfeld lassen sich beispielsweise die folgenden Maßnahmen umsetzen:

  • Offene Streitkultur
  • Rollenvielfalt leben
  • Positive Vorbilder schaffen
  • Kritisches Hinterfragen der durch die Medien propagierten Schönheitsideale
  • Soziale Integration (etwa durch Hobbys)
  • Vorbildliche Esskultur in der Familie (regelmäßige gemeinsame Mahlzeiten, gesunde Ernährung)

Hilfe bei Essstörungen finden

Sollten Sie sich fragen, ob Sie oder ein Angehöriger unter einer Essstörung leiden, können Sie sich beispielsweise an Ihren Haus- oder den Kinderarzt wenden. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, eine Spezialambulanz oder verschiedene Beratungsstellen aufzusuchen.

Eine gute erste Anlaufstelle ist die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die auf ihrer Website alle bundesweiten Beratungsstellen auflistet und eine telefonische Beratung anbietet.

Essstörungen bei Kindern

Auch Babys und Kleinkinder können unter einer Essstörung leiden. Besonders häufig treten bei ihnen ein sehr wählerisches Essverhalten sowie Appetitmangel auf. Meist dauert ein solches Verhalten mindestens einen Monat an. Klassische Ausprägungen wie Magersucht oder Bulimie treten bei Kindern nur sehr selten auf. Häufig kommen Essstörungen bei geistig behinderten sowie autistischen Kindern vor. Allerdings können die Probleme ebenso durch ein gestörtes Eltern-Kind-Verhältnis entstehen.

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