Angestellte Berufstätige müssen in Deutschland jeden Monat einen bestimmten Prozentsatz ihres Gehalts für die Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung abgeben. Die Abgabe des Arbeitnehmeranteils übernimmt der Arbeitgeber automatisch, indem er den Anteil bereits vom Gehalt abzieht. Etwa denselben Beitrag für die Sozialversicherung leistet auch der Arbeitgeber. Die genaue Höhe des Arbeitgeberanteils hängt vom tatsächlich gezahlten Gehalt ab. Welche Beitragssätze und gesetzlichen Vorgaben gibt es?

Das Wichtigste in Kürze

  • Für jede versicherungspflichtige Beschäftigung gibt es einen Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil, der an die Sozialversicherungen abgeführt wird.
  • In den meisten Fällen zahlen Angestellte und Arbeitgeber dieselben Beitragssätze.
  • Die gesetzliche Unfallversicherung ist für Arbeitnehmer beitragsfrei. Ausschließlich Arbeitgeber haben dafür Abzüge.

Woraus besteht die Sozialversicherung?

In Deutschland unterteilt sich die Sozialversicherung in fünf Zweige:

  • die gesetzliche Krankenversicherung (GKV)
  • die Arbeitslosenversicherung (ALV)
  • die Pflegeversicherung (PV)
  • die Rentenversicherung (RV)
  • die gesetzliche Unfallversicherung (GUV)

Gesetzliche Grundlage aller Sozialversicherungszweige ist das Sozialgesetzbuch (SGB). Der Arbeitgeberanteil fällt für jeden der genannten Versicherungszweige an.

Gesetzliche Krankenversicherung (GKV)

Die gesetzliche Krankenversicherung ist für den Erhalt, die Wiederherstellung und die Verbesserung des Gesundheitszustands der Versicherten zuständig. Dazu gehören auch Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahmen. Alle in Deutschland lebenden Personen sind verpflichtet, sich entweder der gesetzlichen oder der privaten Krankenversicherung anzuschließen. Rechtliche Grundlage für die gesetzliche Krankenversicherung bildet das Fünfte Buch Sozialgesetzbuch (SGB V). Pflichtversichert sind unter anderem alle Arbeitnehmer, Arbeitslosengeldempfänger, Landwirte, Künstler, Rentner, Studenten, Bezieher von Waisenrente, Praktikanten, deren Verdienst weniger als 800 Euro beträgt, sowie in Werkstätten tätige behinderte Menschen.

Arbeitslosenversicherung (ALV)

Die Arbeitslosenversicherung soll Arbeitslosigkeit verhindern oder verkürzen. Auf Grundlage des Dritten Buches Sozialgesetzbuch (SGB III) ermöglicht die Versicherung unter anderem Leistungen wie Berufsberatung, Arbeitsvermittlung, Arbeitslosen- oder Insolvenzgeld.

Pflegeversicherung (PV)

Die Pflegeversicherung tritt im Falle einer Pflegebedürftigkeit in Kraft. Sie soll Pflegebedürftigen Hilfestellung geben und ihnen eine gewisse Selbstständigkeit ermöglichen. Das Elfte Buch Sozialgesetzbuch (SGB XI) ist die gesetzliche Basis für die soziale Pflegeversicherung. Pflichtversichert sind all diejenigen, die auch für die gesetzliche Krankenversicherung als pflichtversichert gelten.

Rentenversicherung (RV)

Die gesetzliche Rentenversicherung stellt etwa zwei Drittel aller Kosten für die Alterssicherung in Deutschland (Stand: 2018). Auf Grundlage des Sechsten Buches Sozialgesetzbuch (SGB VI) ist die Rentenversicherung beispielsweise für die Zahlung von Alters-, Witwen- oder Erwerbsminderungsrenten zuständig. Pflichtversichert sind alle Arbeitnehmer, Auszubildende und Personen, die ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr absolvieren. Wer eine geringfügige Beschäftigung mit einem Verdienst von bis zu 450 Euro monatlich ausübt, ist ebenso pflichtversichert, kann sich davon jedoch befreien lassen.

Gesetzliche Unfallversicherung (GUV)

Die gesetzliche Unfallversicherung soll Arbeitsunfälle verhindern und zur allgemeinen Gesundheit während der Arbeit beitragen. Krankheiten und Gefahren, die mit dem spezifischen Beruf zu tun haben, sollen durch Vorsorgemaßnahmen verhindert werden. Kommt es zu einem Arbeitsunfall oder einer Berufskrankheit, dient die gesetzliche Unfallversicherung außerdem dem Zweck, die Gesundheit und Leistungsfähigkeit des Betroffenen so gut wie möglich wiederherzustellen. Grundlage für die gesetzlichen Regelungen ist das Siebte Buch Sozialgesetzbuch (SGB VII).

Von wenigen Ausnahmen wie Beamten, Richtern oder selbstständigen Unternehmern abgesehen sind die meisten Menschen in Deutschland in der gesetzlichen Unfallversicherung pflichtversichert. Der Vorteil für Angestellte: Für die gesetzliche Unfallversicherung gibt es ausschließlich einen Arbeitgeberanteil. Der Arbeitnehmer hat dafür keine Beiträge zu zahlen.

Wie funktioniert die Abgabe des Arbeitgeberanteils?

Zunächst prüft der Arbeitgeber anhand des Gehalts des jeweiligen Angestellten, ob dieser versicherungs- und damit abgabepflichtig ist. Als beitragspflichtig gelten

  • das monatliche Grundgehalt
  • zusätzliche Gehälter
  • vermögenswirksame Leistungen
  • Anwesenheitsprämien
  • Zulagen für Arbeit an Sonn- und Feiertagen sowie in der Nacht
  • Leistungs- und Erschwerniszulagen
  • andere regelmäßige Leistungen

Im Anschluss berechnet der Arbeitgeber den Anteil, den sowohl er als auch der Angestellte an die jeweilige Krankenkasse weiterleiten müssen. Die Krankenkasse erhält die Beiträge für alle Sozialversicherungsträger und leitet diese weiter. Das vereinfacht die Abgabe- und Kommunikationswege. Als Abrechnungszeitraum gilt der jeweilige Kalendermonat.

Der Arbeitgeber steht außerdem in der Pflicht, regelmäßig Daten auf elektronischem Wege an die Sozialversicherungen weiterzuleiten. Dazu gehören unter anderem Zeitpunkt des Beginns und des Endes der Beschäftigung, Höhe des Gehalts und die Information, ob eine Befreiung von den Abgaben möglich ist.

Wie hoch ist der Arbeitgeberanteil?

Im Allgemeinen liegt der Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil für die einzelnen Sozialversicherungszweige bei folgenden Beitragssätzen (Stand: 2019):

  • Krankenversicherung: je 7,30 Prozent für Arbeitgeber und Arbeitnehmer
  • Rentenversicherung: je 9,30 Prozent für Arbeitgeber und Arbeitnehmer
  • Pflegeversicherung: je 1,525 Prozent für Arbeitgeber und Arbeitnehmer
  • Arbeitslosenversicherung: je 1,25 Prozent für Arbeitgeber und Arbeitnehmer

Bei den Beitragssätzen ist zu beachten, dass diese für einige Berufszweige, während einer Ausbildung oder einer geringfügigen Beschäftigung etwas anders als hier angegeben ausfallen können. Zudem müssen Versicherte ohne Kinder ab einem Alter von 23 mit einem erhöhten Beitragssatz für die Pflegeversicherung rechnen – in der Regel sind es 0,25 Prozent mehr.

Der Arbeitgeberanteil in Spezialfällen

Für geringfügig Beschäftigte muss der Arbeitgeber keine Abgaben zur Pflege- und Arbeitslosenversicherung leisten. Die Beiträge für die Kranken- und Rentenversicherung fallen jedoch immer an, sind aber geringer als bei versicherungspflichtigen Angestellten. Die Abgaben sind durch pauschale Prozentsätze gesetzlich geregelt: 13 Prozent für die Krankenversicherung und 15 Prozent für die Rentenversicherung (Stand: 2019).

Des Weiteren ist der Arbeitgeber verpflichtet, für jeden Auszubildenden einen Arbeitgeberanteil für die Sozialversicherung zu leisten – auch wenn der Auszubildende selbst aufgrund der Geringverdienergrenze keine Abzüge vom Gehalt hat. Personen, die bereits eine Erwerbsminderungsrente- oder Altersrente beziehen, haben zusätzlich die Möglichkeit, einer versicherungspflichtigen Beschäftigung nachzugehen. Sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer müssen dabei allerdings mit Abgaben für die Sozialversicherung rechnen.