So funktioniert ein Reifendruck-Kontrollsystem

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Falscher Reifendruck kann die Fahrsicherheit beeinträchtigen und den Verbrauch in die Höhe treiben. Elektronische Reifendruck-Kontrollsysteme weisen bei neueren Fahrzeugen auf den falschen Druck hin.

Schwarz, rund – und alles andere als sexy: Während sich die meisten Autofahrer und -käufer gerne mit Lackfarben, Sportsitzen oder Infotainment-Schmankerln beschäftigen, kommen die Reifen häufig zu kurz. Die sind zwar bekanntermaßen die einzige Verbindung zur Straße, aber mal ehrlich: Wann haben Sie zuletzt den Reifendruck gemessen? Experten empfehlen, alle 14 Tage die Pneus zu überprüfen, in der Realität geschieht das aber eher einmal im halben Jahr.

Dabei kann ein falscher – vor allem zu niedriger – Reifendruck schlimme Folgen haben. Nicht nur, dass der Verbrauch wegen des höheren Rollwiderstands steigt. Auch die Fahrsicherheit wird beeinträchtigt: Vor allem in Kurven und bei Nässe kann ein Reifen mit zu wenig Luftdruck die nötigen Kräfte nicht richtig auf die Straße übertragen, die Fahrstabilität leidet, der Bremsweg kann sich gefährlich verlängern.

Reifendruck-Kontrollsystem vorgeschrieben

Um dieser Gefahr vorzubeugen, schreibt der Gesetzgeber seit Ende 2014 bei allen neu zugelassenen Fahrzeugen ein Reifendruck-Kontrollsystem (kurz RDKS) vor. Verliert ein Reifen Luft, bekommt der Fahrer im Infodisplay einen Warnhinweis. Technisch sind dabei zwei Versionen zu unterscheiden: Die indirekten Reifendruck-Kontrollsysteme messen nicht den genauen Luftdruck, sondern stellen lediglich eine Veränderung fest. Dazu werden die Daten des ABS- und ESP-Sensors ausgewertet, der auch die Raddrehzahl feststellt. Verliert ein Reifen Luft, wird sein Umfang geringer und er dreht sich schneller als die anderen. Wie groß der Druckverlust ist kann mit der indirekten Methode aber nicht festgestellt werden.

Direktes Reifendruck-Kontrollsystem ist besser, aber aufwändiger

Um so präzise Daten zu erhalten, braucht es ein direktes Reifendruck-Kontrollsystem. Dazu ist allerdings an jedem Reifen einen Sensor im Ventil nötig, der per Funk den exakten Luftdruck und auch die Temperatur im Reifen an das Bordsystem überträgt. Nachteil dieser Technik: Die Sensoren kosten Geld. Und während man ein indirektes RDKS beim Radwechsel einfach selbst neu initialisieren kann, sollten die Sensoren eines direkten RDKS bei jedem Wechsel überprüft, gewartet und neu angelernt – oder bei Bedarf sogar getauscht – werden. Den Umstieg von Sommer- auf Winterräder sollte man bei Fahrzeugen mit direktem RDKS deshalb idealerweise von einer Fachwerkstatt durchführen lassen. Außerdem empfiehlt es sich, jeweils einen Satz Sensoren für die Sommer- und Winterräder zu kaufen, und diese nicht zwei Mal im Jahr umzumontieren; dafür werden nämlich jeweils neue Gummi-Dichtungen benötigt.

Damit die Sensoren eines direkten RDKS überhaupt funktionieren, brauchen sie auch eine Batterie. Die soll in der Regel sechs bis sieben Jahre halten und damit in etwa der Lebensdauer eines Reifens entsprechen. Ist die Batterie allerdings leer, muss der Sensor ausgetauscht werden; ein Batteriewechsel ist nicht möglich.

Reifendruck-Kontrollsysteme werden beim TÜV kontrolliert

Direkte Systeme kommen in der Regel bei Premium-Herstellern, aber auch bei vielen Importeuren zum Einsatz; es gibt auch Nachrüstlösungen mit eingeklebten oder aufgeschraubten Sensoren, die allerdings nur bedingt empfehlenswert sind. Ob man ein Fahrzeug mit direktem oder indirektem Reifendruck-Kontrollsystem hat, ist übrigens nicht ohne weiteres ersichtlich: Können im Kombiinstrument genaue Druck-Werte abgerufen werden oder ist in der Bedienungsanleitung von Sensoren die Rede, handelt es sich um eine direktes RDKS. Im Zweifelsfall sollte man aber beim Händler nachfragen. Übrigens: Die Reifendruck-Kontrollsysteme sind inzwischen TÜV-relevant. Ist die Technik kaputt, gilt das als erheblicher Mangel und es gibt keine neue Plakette.

Autor: Michael Gebhardt