Zahlt die Vollkasko bei einem Nagel im Reifen?
Stand: 28.07.2026
Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox
Blinkende Reifendruckkontrollleuchte oder zischendes Geräusch am Reifen – jetzt ist Vorsicht angesagt. Wenn eine Schraube oder ein Nagel im Reifen steckt, ist dies häufig direkt sichtbar. Erkennen Sie auf den ersten Blick keinen Schaden, sollten Sie Ihre Fahrt trotzdem so schnell wie möglich beenden. Wie geht es dann aber weiter und zahlt die Vollkaskoversicherung bei Reifenschäden durch Nägel oder Schrauben?
Das Wichtigste in Kürze
- Bemerken Sie einen möglichen Schaden am Reifen, sollten Sie sofort rechts ranfahren. So können Sie mögliche weitere Schäden und schlimmstenfalls das Platzen des Reifens verhindern.
- Entfernen Sie Fremdkörper im Reifen niemals selbst. Auch hier können weitere Schäden entstehen, zum Beispiel wenn die Luft dadurch schneller entweicht und der Reifen fast oder völlig platt danach noch gefahren wird.
- Reifenschäden sind nur in der Kfz-Versicherung abgesichert, wenn sie bei einem versicherten Ereignis wie einem Unfall oder durch Vandalismus entstehen.
- Bei einer Reifenpanne unterwegs wenden Sie sich am besten an einen Pannenservice – mit Autoschutzbrief sogar meist kostenfrei.
- Einige Versicherer bieten in ihren Premiumtarifen in der Kaskoversicherung speziellen Versicherungsschutz für kaputte Reifen, unter anderem auch durch spitze Gegenstände.
Schraube oder Nagel: Was steckt im Reifen?
Bei Reifenproblemen sollten Sie zunächst anhalten und den betreffenden Reifen begutachten. Schrauben oder Nägel im Reifen sind häufig direkt erkennbar, da sie sich vom Reifen abheben und oft ein Stück herausstehen.
Nagel im Reifen
Nägel können sich mit ihrer gesamten Länge bis zum Nagelkopf in den Reifen bohren. Häufig ist ihr Eindringwinkel allerdings schräg und sie werden durch das Gewicht des Fahrzeugs beim Überfahren zum Teil zur Seite gebogen.
Schraube im Reifen
Schrauben sind nicht unbedingt dicker als Nägel, können aber aufgrund ihrer spiralförmigen Beschaffenheit beim Eindringen in den Reifen mehr Schaden anrichten.
Druckverlust nicht unterschätzen
Auch wenn Fremdkörper ganz eingebettet sind und der Druckverlust im Reifen zunächst gering ist, sollten Sie nach der Prüfung des Schadens keine längere Fahrt mehr machen – vor allem nicht mit höherer Geschwindigkeit. Mit einer Fahrt zur nächsten Werkstatt sind Sie auf der sicheren Seite.
Schraube oder Nagel im Reifen: Was tun?
Ein Nagel im Reifen macht sich meist durch folgende Anzeichen bemerkbar:
- Druckverlust
- verändertes Fahrgefühl
- schleifendes oder zischendes Geräusch
All diese Symptome können gleichzeitig auftreten oder auch einzeln. In manchen Fällen lässt sich kein Unterschied an Fahrverhalten oder -geräusch feststellen und Sie bemerken den Nagel im Reifen erst beim Reifenwechsel. Auch in diesem Fall sollten Sie die nächstgelegene Werkstatt für eine etwaige Reparatur des betroffenen Reifens aufsuchen, wenn sich Ihr Fahrzeug für den Reifenwechsel nicht bereits in einer Werkstatt befindet.
Spitze Gegenstände im Reifen: So gehen Sie vor
- Fahrzeug anhalten und Schaden begutachten
- Fremdkörper nicht selbst herausziehen, auch wenn er heraussteht
- Reifendruck an der nächsten Tankstelle prüfen und gegebenenfalls erhöhen
- Zur nächstgelegenen Werkstatt fahren
Ist die nächste Werkstatt näher gelegen als die nächste Tankstelle, können Sie die Reifendruckprüfung natürlich überspringen und direkt zur Werkstatt fahren. Ansonsten sorgen Sie mit der Reifendruckprüfung dafür, dass Ihr beschädigter Reifen die Fahrt zur Werkstatt bestenfalls ohne weitere Schäden übersteht.
Wann ist eine Reparatur möglich?
Folgende Bedingungen müssen erfüllt sein, damit Ihr Nagelschaden repariert werden kann:
- Gute Profiltiefe: Der Reifen darf noch nicht allzu lange gefahren sein, damit das Profil nicht zu weit abgefahren ist.
- Begrenzter und geringer Schaden: Der Schaden ist nicht allzu groß, das Fahrzeug wurde nicht lange mit zu geringem Reifendruck gefahren und es ist nur die Lauffläche und nicht die Seitenfläche betroffen.
Außerdem kann eine Reparatur sinnvoll sein, wenn
- Ihr Fahrzeug über ein indirekt messendes Reifendruckkontrollsystem (RDKS, misst Drehzahl und Schwingung des Reifens über ABS/ESP) verfügt und der intakte Reifen auf derselben Achse – bei Allradfahrzeugen je nach Hersteller sogar alle Reifen – gemeinsam mit dem defekten Reifen ersetzt werden müsste oder
- Sie Ihr Fahrzeug zeitnah für eine längere (Weiter)Fahrt benötigen und ein Ersatzreifen nicht oder nur mit längerer Wartezeit lieferbar ist.
Wann muss der Reifen ersetzt werden?
Reifenschäden sind in der Regel irreparabel
- ab einer Größe von 6 Millimetern oder
- wenn sie sich an Innen- oder Außenseite des Reifens befinden.
Außerdem müssen Reifen für eine Reparatur eine Mindesprofiltiefe von 1,6 Millimetern aufweisen.
Pannenspray als kurzfristige Hilfe
Mit einem Reifenspray sprühen Sie Reparaturflüssigkeit direkt in den beschädigten Reifen und stellen damit gleich den notwendigen Reifendruck wieder her. Sie benötigen für die Anwendung allerdings viel Kraft und können mitunter die Sensoren von direkt messenden Reifendruckkontrollsystemen, die sich im Reifen selbst befinden, beschädigen. Außerdem kann der Reifen danach nicht noch ein weiteres Mal repariert werden und Sie benötigen einen neuen Reifen – oder je nach Fahrzeugart und Hersteller sogar mehrere.
Versicherungsschutz bei Reifenschäden
Die Vollkaskoversicherung zahlt Schäden an Ihrem Fahrzeug, die bei einem von Ihnen verursachten Unfall entstehen. Dazu gehören auch Reifenschäden.
Zahlt die Kfz-Versicherung bei Nagel im Reifen?
Nägel oder Schrauben im Reifen gelten nicht als Unfall. Reifen, die durch einen spitzen Gegenstand beschädigt werden, fallen bei den meisten Kfz-Kaskoversicherungen nicht unter den regulären Versicherungsschutz.
Die meisten Kfz-Versicherer haben allerdings unterschiedliche Tarifmodelle mit variierender Leistungsbandbreite und auch dementsprechend unterschiedlichen Prämien.. Premium-Kasko-Tarife schließen oft, meist als Baustein der Reifenversicherung, den Ersatz für defekte Reifen mit ein. Dazu zählt nicht nur ein Nagel im Reifen, sondern auch, wenn der Reifen beispielsweise durch Parken am Bordstein beschädigt wurde.
Reifenversicherung als Ergänzung zur Kaskoversicherung
Der zusätzliche Reifenschutz ist in der Regel nicht an die meist auf 150 Euro festgelegte Selbstbeteiligung in der Teilkaskoversicherung oder 300 Euro in der Vollkasko gebunden. Während manche Reifenversicherungen keine Selbstbeteiligung beinhalten, ist sie bei anderen Verträgen auf bis zu 50 Euro festgelegt. Wenn ein Ersatzreifen zum Beispiel 120 Euro kostet, zahlen Sie also 50 Euro Selbstbeteiligung und erhalten 70 Euro von Ihrer Versicherung. Wer auch im Reparaturfall auf die Leistung der Versicherung bauen will, sollte darauf achten, dass die Selbstbeteiligung, wenn vereinbart, möglichst gering ausfällt. Die Montagekosten können, meist bis zu einem Höchstbetrag, inkludiert oder auch ausgeschlossen sein. Manche Verträge beinhalten außerdem Pannenhilfe und Abschleppdienst.
Reifenversicherung beim Reifenkauf
Einige Reifenhändler bieten beim Kauf von neuen Reifen ebenfalls eine Reifenversicherung an. Da sich die Leistungen deutlich unterscheiden können, sollten Sie auch hier auf die genauen Bedingungen achten.
Platter Reifen unterwegs: Soforthilfe
Schrauben oder Nägel können Ihren Reifen so sehr beschädigen, dass der Druckverlust eine Weiterfahrt unmöglich macht. Bei platten Reifen haben Sie folgende Möglichkeiten:
- Pannenspray: Das Reifenspray kann auch bei platten Reifen verwendet werden, da es sie in einem Schritt aufpumpt und abdichtet. Der Riss im Reifen darf allerdings nicht größer als fünf Millimeter sein. Nach der Nutzung des Sprays sollten Sie vorsichtig fahren und die nächste Werkstatt aufsuchen.
- Pannenset: Einige Fahrzeughersteller statten ihre Fahrzeuge nicht mehr mit einem Ersatzreifen, sondern einem Pannenset aus. Nachdem Sie den Reifen mit dem Reifendichtmittel abgedichtet haben, pumpen Sie ihn mit dem Kompressor auf. Auch hier gilt eine maximale Rissbreite von vier bis fünf Millimetern und die dringende Empfehlung, zur nächstgelegenen Werkstatt zu fahren.
- Ersatz- oder Notrad: Während Ersatzräder vollwertigen Ersatz für einen platten Reifen bieten, sind Noträder nur für eine Weiterfahrt mit einer Geschwindigkeit von maximal 80 km/h und eine Entfernung von maximal 100 km/h geeignet.
Kommen all diese Möglichkeiten bei Ihrem Reifenschaden nicht infrage, bleibt noch die Pannenhilfe. Pannendienste wie ADAC, ACE oder AvD bieten ihren Mitgliedern in unterschiedlichen Leistungsspektren und zu unterschiedlichen Mitgliedspreisen Pannen- und Notfallhilfe.
Schutzbrief hilft im Pannenfall
Ein Kfz-Schutzbrief ist eine in der Regel günstigere Alternative zu Pannendiensten. Er kostet meist zwischen 15 und 50 Euro pro Jahr und kann zur Kfz-Versicherung hinzugebucht werden. Er leistet zum Beispiel direkte Reparatur- oder Pannenhilfe vor Ort und übernimmt die Kosten für die Weiterreise sowie den Krankenrücktransport.
Häufig gestellte Fragen
Bei einem Nagel im Reifen greift die Vollkaskoversicherung, wenn der Schaden durch Vandalismus oder einen anderen versicherten Schadensfall entstanden ist. Einige Versicherungen bieten Reifenschutz in ihren Premiumtarifen an. Im Basisschutz sind Reifen selten mitversichert.
Sie können mit einem Nagel im Reifen zur nächsten Werkstatt fahren, solange der Reifen keine Luft verliert. Belassen Sie dafür den Nagel bis zur Reparatur im Reifen.
Ein Reifen kann nicht mehr repariert werden, wenn dieser
- ein Loch mit mind. 6 mm Durchmesser aufweist
- die gesetzliche Mindestprofiltiefe von 1,6 mm unterschreitet
- der Gummi des Reifen beschädigt oder gerissen ist
Informieren Sie sich in der Anleitung des Reifen-Reparaturkits. In der Regel sollte eine Fahrt mit geflickten Reifen nicht weiter als 30 - 50 Kilometern durchgeführt werden.