Ob Strom, das Ticket für die Straßenbahn oder ein kleines Mischbrot: Alles wird immer teurer. Meldungen über Preissteigerungen in verschiedenen Bereichen scheinen zum Alltag zu gehören. Anstatt zu sagen, alles wird immer teurer, lässt sich natürlich auch sagen: Das Geld ist immer weniger wert. Dieser Prozess der Geldentwertung nennt sich Inflation. Die Volkswirtschaftslehre erforscht, welche Mechanismen bei der Preissteigerung oder Geldentwertung eine Rolle spielen und welche Faktoren dafür entscheidend sind, dass es zur Inflation kommt.

Inhalt dieser Seite
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Ursachen: Wie kommt es zu einer Inflation?
  3. Inflation aktuell
  4. Warenkorb und Verbraucherpreisindex: Messung der Inflationsrate
  5. Verwandte Themen
  6. Weiterführende Links
  7. Tagesgeldangebote vergleichen

Das Wichtigste in Kürze

  • Inflation äußert sich in Preissteigerungen oder Geldentwertungen.
  • In der Wissenschaft gibt es unterschiedliche Lehrmeinungen zum Komplex der Inflation. Eine allgemein anerkannte Inflationstheorie gibt es jedoch nicht.
  • Für die Messung der Inflation dient der Verbraucherpreisindex. In den Index fließen die Preisentwicklungen bei einer Auswahl an Gütern ein.
  • Die Inflationsrate beträgt in Deutschland im Juli 2021 3,8 Prozent.

Ursachen: Wie kommt es zu einer Inflation?

An der Entstehung einer Inflation arbeiten stets verschiedene Faktoren zusammen. Zu einer Inflation kann es beitragen, dass sich die Geldmenge erhöht. Dies kann passieren, wenn die Zentralbank die Liquidität auf dem Markt erhöhen möchte. Wenn damit aber die allgemeine Nachfrage steigt, erhöhen sich insgesamt die Preise und das Geld verliert an Wert. Das geschieht ebenfalls, wenn die Nachfrage nach bestimmten Produkten so stark steigt, dass die Anbieter diese nicht schnell genug bereitstellen können. Können die Konsumenten nicht auf andere Güter ausweichen, kann es zur Inflation kommen. Dies ist auch der Fall, wenn sich flächendeckend die Produktionskosten erhöhen, etwa durch stark gestiegene Energiepreise.

Inflation und Deflation

Das Gegenteil der Inflation ist die Deflation: Die Preise werden immer billiger. Was für Verbraucher im ersten Schritt positiv ist, wirkt sich längerfristig negativ auf die Wirtschaft aus. Firmen müssen ihre Waren immer billiger verkaufen, machen also weniger Gewinn. Sinkt die Wirtschaftsleistung eines Landes, erhöht sich aber die Arbeitslosigkeit. Unternehmen können weniger Menschen beschäftigen, weil der Gewinn schrumpft. Gibt es durch steigende Arbeitslosigkeit immer weniger Menschen, die Waren kaufen können, schwächt diese die Wirtschaft und befeuert die Deflation weiter.

Inflation aktuell

Die Inflationsrate lag laut Statistischem Bundesamt im Juli 2021 bei 3,8 Prozent. Höher war die Inflation zuletzt im Dezember 1993 mit damals 4,3 Prozent.

Für die kommenden Monate rechnen die Volkswirte mit weiteren Preissprüngen. Ein Grund liegt im sogenannten Basiseffekt. Im letzten Jahr hatte der Bund die Mehrwertsteuer von 19 auf 16 Prozent vorübergehend gesenkt. Seit Anfang dieses Jahres gelten aber wieder die normalen Steuersätze. Im Vergleich werden Waren und Dienstleitungen also automatisch teurer.

Außerdem sind die Energiepreise überdurchschnittlich gestiegen. Aktuell liegt der Rohölpreis um rund 70 Prozent über dem Niveau des Vorjahres. Zudem macht die CO2-Steuer Tanken und Heizen teurer. Ein weiterer Preistreiber ist eine weite Verknappung an Rohstoffen. Dies treibt die Preise nach oben.

In den kommenden Monaten halten Ökonomen Inflationsraten von an die fünf Prozent in Deutschland für möglich. Von Dauer soll diese hohe Teuerungsrate aber nicht sein.

Warenkorb und Verbraucherpreisindex: Messung der Inflationsrate

Das Statistische Bundesamt misst die Inflation in Deutschland mit Hilfe eines sogenannten Warenkorbs. Im Warenkorb befinden sich verschiedene langlebige wie kurzlebige Güter (Waren und Dienstleistungen) in einer bestimmten Anzahl und Auswahl. Die Entwicklung der Preise für diesen Warenkorb ergibt den Verbraucherpreisindex, aus dem sich über den Vergleich mit dem Vorjahr oder dem Vormonat die jährliche wie monatliche Inflationsrate bestimmen lässt.

Zusammensetzung des Warenkorbs

Der Warenkorb gilt als repräsentativ für die Konsumausgaben privater Haushalte, enthält also neben den Preisen für Kleidung und Lebensmittel solche für Reparaturen oder Versicherungen. Das Inlandsprinzip regelt, dass der Warenkorb auch die Ausgaben von Touristen aus dem Ausland einbezieht. Die Produktauswahl bestimmt sich über repräsentative Stichproben: In jeder von 94 Regionen der Bundesrepublik gibt es ausgewählte Städte und Gemeinden. In dort angesiedelten repräsentativen Geschäften sind für den Warenkorb die am häufigsten verkauften Produkte interessant. Deren Anzahl bestimmt sich über ihren Anteil an den Konsumausgaben. Jeden Monat werden so über 300.000 Preise erhoben.

Gefühlte Inflation

Welche Güter in den Warenkorb einfließen und wie sie gewichtet werden, lässt sich am Preiskaleidoskop des Statistischen Bundesamtes nachvollziehen. Die Methode zur Bestimmung des Warenkorbes ist jedoch nicht unumstritten. So besteht der Warenkorb beispielsweise aus langlebigen und kurzlebigen Gütern. Ein Durchschnittshaushalt kauft selbstverständlich häufiger kurzlebige als langlebige Güter ein. Steigen die Preise für kurzlebige Güter schneller als für langlebige, ist die gefühlte Inflation deutlich höher als die amtliche gemessene Inflation. Der Unterschied ließ sich gut bei der Einführung des Euro zu Beginn des Jahres 2002 beobachten. Die Preise für kurzlebige Güter stiegen spürbar an, sodass bald vom „Teuro“ die Rede war. Die amtliche Inflationsrate lag in diesem Jahr jedoch unter zwei Prozent und spiegelte diese Wahrnehmung nicht wider.

Wie beeinflussen technologische Innovationen die Inflation?

Ein weiteres Problem bei der Zusammensetzung des Warenkorbes sind technologische Innovationen. Ein typischer Fernseher des Jahres 1965 ist nur schwer mit einem Fernseher aus dem Jahr 1985 oder 2005 vergleichbar. Um die Qualitätssteigerung dieser immer wichtiger werdenden Produkte abzubilden, wenden die Preisermittler seit 2002 die sogenannte hedonische Methode an. Vorbild dafür waren die USA und Großbritannien. Diese Methode versucht, den zusätzlichen Nutzen von Innovationen in Zahlen zu fassen. Sie senkt die amtliche Inflationsrate, ist aber nicht unumstritten.

Was versteht man unter Hyperinflation?

Bei einer Hyperinflation steigen die Preise rasant. Ein allgemein gebräuchlicher Wert ist eine Inflationsrate von monatlich etwa 50 Prozent. Hyperinflationen haben, im Gegensatz zu Inflationen, keine rein volkswirtschaftlichen Ursachen, sondern stehen mit Umbrüchen in Zusammenhang, die zum Beispiel ein Krieg auslöst und die sich ihrerseits negativ auf die Volkswirtschaft auswirken. Kapitalflucht, die Verknappung von Barmitteln und der Verlust von Anleihen können den Prozess der Hyperinflation verstärken.

Beispiel: Hyperinflation 1923

Die drastische Geldentwertung in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg ist ein gutes Beispiel für die Hyperinflation. Zu dieser Zeit hat das Geld drastisch an Wert verloren, wie das Beispiel Briefporto zeigt. So kostete etwa ein Brief am 31. Januar 1921 noch 0,40 Mark, ein Jahr später schon 2,00 Mark und am 21. Januar 1923 schon 50 Mark, zum Höhepunkt der damaligen Hyperinflation stieg das Porto sogar bis in den Millionenbereich. Genauso rasant sind natürlich auch die Preise anderer Produkte – etwa Lebensmittel – gestiegen.

Während einer Inflation verliert die Bevölkerung das Vertrauen in das Geld und versucht dieses daher schnellstmöglich in Ware umzusetzen. Da auf diesem Weg allerdings noch mehr Geld in Umlauf gelangt, wird die Inflation nur weiter vorangetrieben.

Heute: Inflationsrate von zwei Prozent als Ziel

Auch in der heutigen Zeit findet eine leichte Inflation statt – allerdings längst nicht so drastisch, wie man es aus Geschichtsbüchern kennt. Die Europäische Zentralbank hat eine jährliche Inflationsrate von zwei Prozent als zulässig erklärt. Bei einer jährlichen Inflation von zwei Prozent würde man für das, was man heute für 100 Euro bekommt, nächstes Jahr durchschnittlich 102 Euro zahlen.

Folgen einer Inflation: Wenn Geld weniger wert ist

Wenn Geld also an Wert verliert, dann werden zwar die Schulden immer kleiner, jedoch auch die Ersparnisse. Spart man etwa für ein Auto, was heute 50.000 Euro kostet, dann reichen in fünf Jahren die 50.000 Euro voraussichtlich nicht mehr dafür aus. Je länger man für die Zukunft spart, desto stärker ist dieser Einfluss. Wenn man etwa für die Altersvorsorge spart, muss man heute berücksichtigen, dass man in 30 oder 40 Jahren für 1000 Euro weniger als heute kaufen kann. Man braucht dann mehr Geld, um seinen aktuellen Lebensstandard zu halten.

In der langfristigen Betrachtung sieht man, dass durchschnittliche Tages- und Festgeldanlagen die Inflation selten ausgleichen geschweige denn übersteigen. Es empfiehlt sich daher, im Festgeldvergleich nach den höchsten Zinsen zu suchen sowie über alternative Anlageformen nachzudenken, beispielsweise ETF.

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