Zu versteuerndes Einkommen

Neben dem zu versteuernden Einkommen gibt es noch das Bruttoeinkommen und das sozialversicherungspflichtige Einkommen. Das zu versteuernde Einkommen legt alleine fest, wie hoch die Steuerschuld eines Steuerpflichtigen ausfällt.

Inhalt dieser Seite
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Definition
  3. Brutto oder netto?
  4. Zu versteuerndes Einkommen berechnen
  5. Negatives Einkommen: die Folgen
  6. Freibeträge
  7. Verwandte Themen
  8. Weiterführende Links
  9. Baufinanzierung

Das Wichtigste in Kürze

  • Das zu versteuernde Einkommen stellt die Differenz zwischen steuerpflichtigen Einnahmen und steuerlich abzugsfähigen Ausgaben sowie Freibeträgen dar.
  • Das Einkommenssteuerrecht kennt sieben steuerpflichtige Einnahmearten.
  • Das zu versteuernde Einkommen ist nicht mit dem Brutto- oder Nettoeinkommen identisch.

Zu versteuerndes Einkommen: Definition

Das zu versteuernde Einkommen ergibt sich aus den verschiedenen Einkunftsarten, bereinigt um alle steuerlich abzugsfähigen Positionen. Bei Nichtselbstständigen sind dies im Rahmen der Anlage AN beispielsweise Kosten für die Fahrt zur Arbeit oder Weiterbildungskosten. Sowohl für Selbstständige als auch für Nichtselbstständige kommen beispielsweise die Vorsorgeaufwendungen dazu, mögliche Unterhaltszahlungen oder Krankheitskosten.

Die unterschiedlichen Einkunftsarten werden im Rahmen der Steuererklärung jeweils mit dem dafür vorgesehenen Formular erfasst. Neben den Einkünften trägt der Steuerpflichtige dort auch die spezifischen Ausgaben ein. Zu den sieben im Steuerrecht verankerten Einkunftsarten zählen

  • Nichtselbstständige Tätigkeit (Anlage N)
  • Einkünfte aus Gewerbebetrieb (Anlage G)
  • Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit (Anlage S)
  • Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung (Anlage V)
  • Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft (Anlage Forstwirtschaft)
  • Einkünfte aus Kapitalvermögen (Anlage KAP)
  • Sonstige Einkünfte (Anlage SON)

Dazu kommen noch zahlreiche weitere Anlagen, beispielsweise AUS für ausländische Kapitalerträge oder EÜR (Einnahme-Überschuss-Rechnung) für Selbstständige und Gewerbetreibende.

Die Differenz aus allen Einkünften, bereinigt um die jeweiligen Ausgaben und sonstige steuerlich abzugsfähige Aufwendungen, ergibt das zu versteuernde Einkommen.

Zu versteuerndes Einkommen brutto oder netto?

Diese Frage lässt sich am einfachsten am Beispiel eines Arbeitnehmers ohne weitere Einkünfte beantworten. Der Arbeitnehmer erhält ein monatliches Bruttoeinkommen. Von diesem Bruttoeinkommen werden die Lohnsteuer und sein Anteil an den Sozialabgaben einbehalten. Als Auszahlung erhält er sein Nettoeinkommen auf das Konto überwiesen.

Zu versteuerndes Einkommen: Ein Beispiel

Im Rahmen der Steuererklärung gibt der Arbeitnehmer zunächst sein Bruttoeinkommen an. Dieses beträgt 30.000 Euro im Jahr. Er ist Single, kinderlos und konfessionslos. Da er jeden Tag 10 Kilometer einfachen Weg zur Arbeit hat, kann er für 220 Tage 30 Cent pro Kilometer für den Arbeitsweg ansetzen, unabhängig davon, ob er mit dem Auto fährt, mit dem Fahrrad oder zu Fuß geht. Damit mindert sich das Bruttoeinkommen um 660 Euro im Jahr. Ebenfalls steuerlich abzugsfähig ist der Beitrag zur Krankenversicherung und anderen Vorsorgeaufwendungen. Das Finanzamt berücksichtigt automatisch den Arbeitnehmerpauschbetrag, wenn sonst keine Werbungskosten anfallen. Das Ergebnis dieser Berechnungen ist das zu versteuernde Einkommen:

Bruttoeinkommen p.a. 30.000 Euro
Werbungskosten 660 Euro
Sonderausgaben Altersvorsorge 2.843 Euro
Sonderausgaben Gesundheitsvorsorge 3.797 Euro
Sonstige Sonderausgaben 72 Euro
zu versteuerndes Einkommen 22.628 Euro

Der durchschnittliche Steuersatz für das zu versteuernde Einkommen lag im Jahr 2019 bei 13,81 Prozent, was einer Steuerschuld von 3.124 Euro entspricht. Das Nettoeinkommen auf das Jahr gerechnet betrug 20.255,52 Euro, die dafür in der Summe abgeführte Lohnsteuer 3.528 Euro.

Daraus folgt, dass das zu versteuernde Einkommen nicht mit dem Brutto- oder Nettoeinkommen identisch ist!

Zu versteuerndes Einkommen berechnen

Das zu versteuernde Einkommen zu berechnen, ist für viele Steuerpflichtige nur schwer darstellbar. Die meisten Menschen greifen daher auf einen Steuerberater zurück. Es bedarf noch nicht einmal einer fremd vermieteten Immobilie oder eines umfangreichen Wertpapierdepots mit ausländischen Aktien, um an der Steuererklärung zu scheitern. Krankheitskosten, Pflegeaufwendungen, Unterhaltszahlungen an geschiedene Ehegatten oder Kinder, beruflich bedingte Ausgaben fallen teilweise so detailliert aus, dass ein Laie oft nicht mehr weiß, welche Positionen steuerlich abzugsfähig sind und welche nicht.

Eine Steuersoftware bietet Hilfestellungen bei der Ermittlung des zu versteuernden Einkommens. Wenn die persönliche Situation allerdings zu komplex ist, hilft der Steuerberater.

Die Anlage SON ist beispielsweise vielen Steuerpflichtigen gar nicht bekannt. Hier werden Veräußerungsgewinne erfasst, die in kein anderes Schema passen. Dazu zählen Erlöse aus Devisenspekulationen oder Immobilienverkäufe, wenn diese bei fremd vermieteten Immobilien innerhalb von zehn Jahren nach Erwerb anfallen.

Zu versteuerndes Einkommen ist negativ: die Folgen

Gerade bei Selbstständigen kann es vorkommen, dass durch einen Verlust in der Firma am Ende des Jahres ein negatives zu versteuerndes Einkommen in der Steuererklärung steht. Dieser Umstand kann auch eintreten, wenn ein Steuerpflichtiger mit Spekulationsgeschäften welcher Art auch immer massive Verluste erwirtschaftet hat. Was im laufenden Fiskaljahr extrem ärgerlich ist, hat für das Folgejahr durchaus positive Auswirkungen, sofern sich hier wieder Gewinne abzeichnen.

Erwirtschaftet der Unternehmer im Folgejahr wieder einen Gewinn, kann er diesen im Rahmen des Verlustvortrages mit dem Minus aus dem Vorjahr verrechnen. Damit mindert er seine Steuerschuld im kommenden Geschäftsjahr.

Wichtiger Tipp für Studenten!

Dieser Sachverhalt greift aber nicht nur bei Selbstständigen oder Anlegern. Auch Studenten profitieren von diesem Sachverhalt. Ein Student hat zwar Ausgaben, Werbungskosten, für sein Studium, aber keine steuerpflichtigen Einnahmen. Er kann dennoch für jedes Jahr eine Steuererklärung abgeben. Der faktische Verlust wird dokumentiert. Für das erste Berufsjahr, in dem er ein steuerpflichtiges Einkommen erzielt, kann er nun die aufgelaufenen Verluste aus der Studienzeit auf das Einkommen anrechnen und mindert damit im ersten Berufsjahr sein zu versteuerndes Einkommen und die fällige Einkommenssteuer.

Zu versteuerndes Einkommen: Freibetrag berücksichtigen

Neben den zahlreichen Besteuerungen kennt das deutsche Steuerrecht auch einige Freibeträge. Der wichtigste ist der sogenannte Grundfreibetrag. Dieser Freibetrag entspricht dem Existenzminimum und bleibt bei der Berechnung der Einkommenssteuer unberücksichtigt. Der Grundfreibetrag entspricht der Grundsicherung und wird jedes Jahr neu festgelegt. Neben dem Grundfreibetrag profitieren Steuerzahler noch von weiteren Freibeträgen:

  • Kinderfreibetrag und Erziehungsfreibetrag
  • Entlastungsbetrag für Alleinerziehende
  • Ausbildungsfreibetrag
  • Außergewöhnliche Belastungen
  • Versorgungs- und Rentenfreibetrag
  • Altersentlastungsfreibetrag
  • Übungsleiterfreibetrag
  • Rabattfreibetrag
  • Freibetrag für Einkünfte aus Forst- und Landwirtschaft

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