Bundesbankpräsident warnt vor den Risiken der lockeren Geldpolitik

29.11.2019

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Für Bundesbankpräsident Jens Weidmann birgt die ultralockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank Risiken für die Finanzstabilität. Mögliche Gefahren sieht Weidmann unter anderem auf dem Kredit- und dem Immobilienmarkt.

Bundesbankpräsident Jens Weidmann hat erneut vor unerwünschten Nebenwirkungen einer extrem lockeren Geldpolitik gewarnt. Auf Dauer könnte dies die Risiken für die Finanzstabilität erhöhen, sagte Weidmann.

"Das Finanzssystem ist verwundbarer geworden"

"In der Gesamtschau ist das deutsche Finanzsystem verwundbarer geworden für den Fall, dass die Konjunktur unerwartet einbricht und nicht nur - wie aktuell - eine Zeit lang auf der Stelle tritt", warnte der Währungshüter. Sollte es zu einem Einbruch der Konjunktur kommen, "könnten wieder mehr Kredite ausfallen und zugleich die Sicherheiten an Wert verlieren", sagte Weidmann. Und aufgrund der niedrigen Risikovorsorge der Banken würden die entstehenden Verluste schneller auf das Eigenkapital der Geldhäuser durchschlagen.

Lockere Geldpolitik treibt die Immobilienpreise

Darüber hinaus verwies Weidmann auf die Folgen der expansiven Geldpolitik für den Immobilienmarkt. Er geht davon aus, dass die Geldpolitik in der Eurozone "wohl ihren Anteil" am starke Anstieg der Preise für Wohnimmobilien habe. Der Preisanstieg in den deutschen Städten sei deutlich stärker, als durch längerfristige wirtschaftliche und demografische Faktoren gerechtfertigt erscheine. Die Überbewertungen am Immobilienmarkt könnte dazu führen, "dass Banken die Werthaltigkeit ihrer Kreditsicherheiten überschätzen", warnte Weidmann.

Trotz der aufgezeigten Gefahren sieht Weidmann die aktuelle Entwicklung aber noch nicht kritisch. Risiken auf dem Immobilienmarkt können sich vor allem dann aufbauen, wenn neben den Preisen auch die Kredite kräftig steigen und Banken zugleich ihre Vergabestandards stark lockern. "Eine solche Spirale ist in Deutschland derzeit aber nicht in Sicht", erklärte der Notenbanker.

Es sei aber noch zu früh, um ein abschließendes Urteil über die expansive Geldpolitik mit dem Kaufprogramm für Anleihen zu fällen. "Gerade die längerfristigen Effekte der unkonventionellen Geldpolitik sind noch zu wenig erforscht", sagte Weidmann.