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Pflicht oder nicht? Sieben Fragen zum Thema Winterreifen

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Berlin - Der Oktober ist da, die Temperaturen fallen zum Teil deutlich – für Autofahrer wird es Zeit für den Reifenwechsel! Worauf Autofahrer achten müssen, erklärt Verivox mit dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft.

Tipp: Achten Sie beim Kauf von Winterreifen auf eine klare Kennzeichnung. Doch Achtung: Das altbekannte „M+S“-Zeichen wurde bereits durch ein neues Symbol ersetzt.

1. Gibt es in Deutschland eine Winterreifenpflicht?

Eine generelle Winterreifenpflicht gibt es zwar nicht. Aber: Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte dürfen nur Autos mit entsprechender Bereifung unterwegs sein. Es gilt also eine Art "Winterreifenpflicht auf winterlichen Straßen". Versicherer und Verkehrsexperten raten daher, die klassische "O-O-Regelung" zu beachten und von Oktober bis Ostern mit Winterreifen zu fahren – zur eigenen Sicherheit und aus Rücksicht gegenüber den anderen Verkehrsteilnehmern.

2. Wie müssen Winterreifen gekennzeichnet sein?

Viele kennen das „M+S“-Zeichen als Merkmal für Winterreifen. Seit Juli 2017 müssen Winterreifen allerdings das sogenannte „Alpine Snowflake Symbol“ tragen, einem Gebirge mit einer Schneeflocke in der Mitte. Alle Winterreifen, die ab dem 1. Januar 2018 produziert werden, müssen mit dem neuen Symbol gekennzeichnet sein. Das soll garantieren, das Winterreifen einem geprüften Standard entsprechen. Aber keine Sorge: Alle „M+S“-Winterreifen, die bis zum 31. Dezember 2017 produziert werden, gelten noch bis zum 30. September 2024 als Winterreifen (§ 36 Abs. 4a der StVZO).

3. Wie unterscheiden sich Winter- und Sommerreifen?

Die Lauffläche von Winterreifen ist von wesentlich mehr Profilrillen durchzogen. Diese fördern die sogenannte Drainagewirkung: Wasser und Schneematsch werden schneller aus dem Haftbereich der Lauffläche transportiert. Zudem ist die Gummimischung der Winterreifen weicher; dadurch haben sie bei niedrigen Temperaturen einen höheren Grip als Sommerreifen. Übrigens: Für Sommer- wie für Winterreifen gilt eine vorgeschriebene Mindest-Profiltiefe von 1,6 mm. Aus Sicherheitsgründen sollten Winterreifen aber nur bis 4 mm abgefahren werden.

Tipp: Ob Sie noch genügend Profil auf den Reifen haben, können Sie mit einer 1-Euro-Münze testen. Der goldene Rand ist genau drei Millimeter breit. Verschwindet dieser komplett im Profil des Reifen, sind Sie auf der sicheren Seite. Sehen Sie die Rand dagegen noch, ist ein Wechsel empfehlenswert.

4. Sind Ganzjahresreifen die perfekte Lösung?

Ganzjahresreifen sind nicht uneingeschränkt empfehlenswert. Denn diese sind aufgrund der weicheren Gummimischung eher für den Winter gemacht als für den Sommer. So ist der Verschleiß der Reifen in der warmen Jahreszeit etwas höher und Bremswege können sich auch verlängern. Am ehesten eignen sich Ganzjahresreifen für Zweitwagen, die nur selten gefahren werden. Rechtlich dürfen Sie aber auch mit Ganzjahresreifen bei Schnee und Eis unterwegs sein, solange diese das „M+S“-Zeichen tragen.

5. Was kostet ein Verstoß gegen die Winterreifenpflicht?

Eine Ordnungswidrigkeit begeht derjenige, der trotz Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte mit Sommerreifen fährt. Ein Verstoß kostet 60 Euro und hat einen Punkt im Fahreignungsregister in Flensburg zur Folge. Wird gar ein Unfall verursacht, erhöht sich das Bußgeld auf bis zu 120 Euro. Solange es nicht glatt ist und kein Schnee liegt, dürfen Sie auch in den Wintermonaten mit Sommerreifen fahren. Bei einem Wetterumschwung riskieren Sie allerdings ein Bußgeld und stellen eine potenzielle Gefahr für den Straßenverkehr dar.

6. Zahlt die Kfz-Versicherung auch, wenn man ohne Winterreifen einen Unfall verursacht?

Keine Sorgen müssen sich Geschädigte wegen der Haftpflichtansprüche machen: Wer auf Schnee und Eis in einen Unfall verwickelt wird, bekommt alle Schäden von der gegnerischen Kfz-Versicherung ersetzt, auch wenn der Unfall-Verursacher mit Sommerreifen unterwegs war. Unter Umständen kann die Versicherung jedoch ihren Versicherten in Regress nehmen und einen Teil der Zahlungen von ihm einfordern.

Vollkaskoversicherte müssen damit rechnen, dass sie auf einem Teil des Schadens sitzen bleiben: Wenn der Autofahrer vor Fahrtantritt oder während der Fahrt hätte erkennen müssen, dass Sommerreifen angesichts der Straßenverhältnisse völlig ungeeignet sind und es aufgrund der unzureichenden Bereifung zu einem Unfall kommt, kann die Versicherung die Leistungen wegen grober Fahrlässigkeit anteilig kürzen.

7. Was sagen Gerichtsurteile zur Winterreifenpflicht?

Nicht selten kommt es auch zu Rechtsstreitigkeiten zwischen Autofahrer und Versicherung. Ein Urteil zu diesem Sachverhalt hat das Amtsgericht Mannheim (Az. 3 C 308/14) gefällt: Nach Ansicht der Richter kann die Versicherung nur dann die Leistungen kürzen, wenn winterliche Straßenverhältnisse vorherrschen. Wenn zum Unfallzeitpunkt also kein Schnee, Matsch oder Glatteis auf der Straße waren, handelt ein Fahrer nicht grob fahrlässig, wenn er mit Sommerreifen fährt. Ungeachtet dessen ist die „Oktober bis Ostern“-Regel sinnvoll und kann bereits im Vorfeld den Streit vor Gericht verhindern.