Bargeld kennen alle und der Begriff Buchgeld ist den meisten Verbrauchern ebenfalls ein Begriff. Etwas anders verhält es sich mit dem Ausdruck „Vollgeld“. Was verbirgt sich hinter Vollgeld, welche Vorteile und welche Nachteile hat es?

Inhalt dieser Seite
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Was ist Vollgeld?
  3. So soll Vollgeld funktionieren
  4. Vorteile für das Finanzsystem
  5. Die Nachteile
  6. Vollgeld-Initiativen: Schweiz und Island prüften die Optionen
  7. Verwandte Themen
  8. Jetzt Girokonten vergleichen

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Idee des Vollgelds ist bislang nur ein theoretisches Modell.
  • Jede Forderung gegenüber einer Bank oder jeder Kredit muss in diesem System durch eine entsprechende Bargeldposition bei der Zentralbank unterlegt sein.
  • Zentralbanken könnten durch Kürzung oder Erhöhung des Bargeldumlaufs die Wirtschaft steuern.

Was ist Vollgeld?

Vollgeld ist die Bezeichnung für ein gesetzliches Zahlungsmittel, welches neben dem Bargeld auch das Buch- oder Giralgeld umfasst. Bargeld gilt generell als gesetzliches Zahlungsmittel und wird von den jeweiligen Zentralbanken ausgegeben. Theoretisch stellt ein Guthaben in Landeswährung auf dem Girokonto auch ein "gesetzliches Zahlungsmittel" dar. Dem ist aber nicht so.

In einem Finanzsystem ohne Vollgeld bedeutet ein Guthaben auf dem Konto nur ein Zahlungsversprechen der Bank, auf Wunsch den Gegenwert des Guthabens in Form von Bargeld zur Verfügung zu stellen. Während Bargeld durch die Zentralbanken ausgegeben werden kann, haben die Banken die Möglichkeit, selbst durch Kreditvergabe eine Buchgeldschöpfung vorzunehmen, abseits der Zentralbank. Die Bank vergibt einen Kredit, überweist den Betrag an den Kunden, dieser bezahlt damit per Überweisung eine Rechnung und zahlte die Raten ebenfalls durch Überweisung an die Bank zurück.

Dadurch findet eine Geldschöpfung statt, ohne dass deswegen bei der Zentralbank ebenfalls ein Plus in der Höhe der gesetzlichen Zahlungsmittel entsteht.

An dieser Stelle haken die Verfechter der Vollgeldidee ein. Banken nehmen Buchgeld entgegen, geben Buchgeld aus, jedoch alles losgelöst von einer staatlichen Regulierung. Geht eine Bank in die Insolvenz, verschwinden die Kundengelder, da nicht in jedem Land Sicherheiten wie die europäische Einlagensicherung bestehen.

So soll Vollgeld funktionieren

Die Vollgeldidee basiert auf einer Analyse des US-amerikanischen Wirtschaftswissenschaftlers Irving Fishers, der die Weltwirtschaftskrise ab dem Jahr 1929 analysierte. Er kam, ebenso wie Milton Friedman, zu der Erkenntnis, dass einer der Auslöser der zu hohe Anteil der Giralgeldschöpfung durch die privaten Kreditinstitute war. Der Markt wurde mit Geld geflutet, dem keine Sicherheit gegenüberstand.

Dem Vollgeldgedanken liegt ein einfaches Prinzip zugrunde. Die Notenbanken geben Bargeld aus, welches zirkuliert. Die Geschäftsbanken vergeben weiter Kredite, allerdings müssen diese Kredite mit Bargeld bei der Notenbank unterlegt sein. Gleiches gilt für Einlagen. Diese stellen keine Forderungen mehr gegen die Bank dar, sondern werden von diesen nur noch verwaltet. An den klassischen Dienstleistungen der Banken würde sich nichts ändern. Die Aktivitäten wie Kreditvergabe würden sich lediglich außerhalb der Bilanzen bewegen. Für jede Aktivität müsste bei der Zentralbank eine Barreserve in gleicher Höhe hinterlegt sein.

Die Verwaltung von Einlagen geschieht in einem Vollgeldsystem nur noch treuhänderisch durch die Bank. Ein Ausfall der Bank hätte für die Kontoinhaber keine Auswirkung, weil der gleiche Betrag, der auf dem Girokonto steht, durch eine Barreserve bei der Zentralbank besichert ist.

Die Kreditvergabe setzt im Vollgeldsystem ebenfalls entsprechende Barreserven voraus. Diese resultieren ebenfalls aus Bargeld, welches sich die Bank von der Zentralbank leihen muss oder aus verzinsten Kundeneinlagen. Diese sind aber ebenfalls mit Bargeld bei der Notenbank unterlegt.

Vollgeld: Vorteile für das Finanzsystem

Der wichtigste Faktor, der für Vollgeld spricht, ist die vollständige Kontrolle der Zentralbank über die Geldmenge. Die Verknappung oder Erhöhung des Bargeldvolumens ermöglicht antizyklische Steuerungen der Konjunktur. Je nach Bedarf könnte Bargeld auf verschiedene Wege in den Wirtschaftskreislauf geleitet werden. Dazu zählen Kredite an Geschäftsbanken oder eine Verteilung von Bargeld an alle Haushalte. Durch ein Absenken der Bargeldmenge wäre es im Gegenzug möglich, die Vergabe von Krediten zu erschweren, wenn eine Inflation droht.

Die Nachteile bei Vollgeld

Kritiker am Vollgeld halten dagegen, dass Kreditvergabe nicht mehr durch den Markt geregelt würde, sondern durch die Vorstände der Zentralbanken. Die vollständige Steuerung des Finanzmarktes ausschließlich durch die Zentralbanken hat laut der britischen Finanzwissenschaftlerin Ann Pettifor "autokratische Züge" (Die Macht des Geldes, 2018).

Gegner des Vollgeldes bezweifeln darüber hinaus, dass ein Vollgeldsystem Bankenpleiten verhindern könnte. Darüber hinaus würden die Banken um wesentliche Geschäftszweige gebracht, die Einnahmen deutlich schwinden. Einziger Vorteil sei, dass Privatkunden über Girokonten verfügen, welche durch die Zentralbank besichert sind.

Vollgeld könnte innerhalb eines Währungsraumes durchaus umgangen werden. Die Marktteilnehmer ziehen sich in andere Währungen zurück, die kein Vollgeld praktizieren, oder bauen Schattenmärkte auf, welche die Zentralbanken umgehen. Ein Beispiel dafür sind Kryptowährungen.

Vollgeld-Initiativen: Schweiz und Island prüften die Optionen

Im Jahr 2012 entging das isländische Finanzsystem nur knapp einem Kollaps. Die Finanzkrise 2008 bis 2011 hatte den Nordeuropäern schwer zugesetzt. Im Jahr 2015 legte die Fortschrittspartei ein Papier mit dem Titel "Monetary Reform: A better monetary System for Iceland" vor. In diesem Papier wurde auch die Option geprüft, Vollgeld einzuführen.

Deutlich mehr Aufsehen als der Vorschlag in Island rief jedoch das Volksbegehren in der Schweiz im Jahr 2018 hervor. Eine schweizerische Initiative für Vollgeld wollte erreichen, dass die Nationalbank (SNB) künftig einziger Herausgeber von elektronischem Geld sein dürfte. Die Kreditvergabe durch die Banken sollte eingeschränkt werden. Die Folge wäre gewesen, dass der Leitzins als finanzpolitisches Instrument deutlich an Bedeutung verloren hätte, da die Notenbank selbst Kredite vergeben hätte. Das Referendum wurde mit 75,5 Prozent der Stimmen der Wahlberechtigten jedoch abgelehnt.

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